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Behandlungszentrum in Erndtebrück
Corona? Klarheit in kurzer Zeit erhalten

Dr. Annia Röhl, Dr. Oliver Haas, Bürgermeister Henning Gronau und Christoph Schorge (v. l.) als Besitzer der Eder-Arkaden stellten das Konzept des Behandlungszentrums für Atemwegsinfektionen mit gleichzeitiger Testung auf Covid-19 vor. Foto: Timo Karl
  • Dr. Annia Röhl, Dr. Oliver Haas, Bürgermeister Henning Gronau und Christoph Schorge (v. l.) als Besitzer der Eder-Arkaden stellten das Konzept des Behandlungszentrums für Atemwegsinfektionen mit gleichzeitiger Testung auf Covid-19 vor. Foto: Timo Karl
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

tika Erndtebrück. Ein Land, das für seine Bürokratie geradezu verschrien ist, beweist in der Krise größte Flexibilität – sofern der politische Wille dafür vorhanden ist. Vieles ist plötzlich in kurzer Zeit möglich – und diese Tatsache ist eine der wenigen positiven Seiten der Corona-Pandemie, eine langfristige Perspektive für die Zeit nach der Virus-Krise. Eine kurzfristige Perspektive ist die Eröffnung eines Behandlungszentrums für Atemwegsinfektionen mit gleichzeitiger Testung auf Covid-19 in der Marburger Straße 3a in Erndtebrück. Binnen Tagen haben die Verantwortlichen die notwendigen Stellschrauben gedreht – vom Eigentümer, über die Mediziner bis hin zu Kommunal- und Kreisverwaltung –, um an diesem Donnerstag, 23. April, die neue Praxis zu eröffnen.

tika Erndtebrück. Ein Land, das für seine Bürokratie geradezu verschrien ist, beweist in der Krise größte Flexibilität – sofern der politische Wille dafür vorhanden ist. Vieles ist plötzlich in kurzer Zeit möglich – und diese Tatsache ist eine der wenigen positiven Seiten der Corona-Pandemie, eine langfristige Perspektive für die Zeit nach der Virus-Krise. Eine kurzfristige Perspektive ist die Eröffnung eines Behandlungszentrums für Atemwegsinfektionen mit gleichzeitiger Testung auf Covid-19 in der Marburger Straße 3a in Erndtebrück. Binnen Tagen haben die Verantwortlichen die notwendigen Stellschrauben gedreht – vom Eigentümer, über die Mediziner bis hin zu Kommunal- und Kreisverwaltung –, um an diesem Donnerstag, 23. April, die neue Praxis zu eröffnen. Die Räumlichkeiten stehen dann ausschließlich für Patienten mit Atemwegserkrankungen zur Verfügung. Genau diese Lenkung der Patientenströme soll für ein Sicherheitsgefühl aller Besucher der Gemeinschaftspraxis Dres. Haas und Röhl und Kollegen sorgen. Denn künftig sollen alle Patienten mit Atemwegserkrankungen ausschließlich in die neuen Praxisräumlichkeiten gehen – alle weiteren besuchen die vis à vis bestehende Praxis.

„Das Konzept soll eine unkontrollierte Ausbreitung des Corona-Virus verhindern. Daher testen wir bei Symptomen ab sofort in der neuen Praxis“, erklärte Dr. Oliver Haas. Anders als bei bislang bestehenden Konzepten, legte der Mediziner am Montag im Rahmen der Vorstellung vor den neuen Räumlichkeiten besonderen Wert darauf, dass er und seine Kollegen ausschließlich standardisierte Untersuchungen und Testungen vornehmen. „Das ist eine Untersuchung nach Schema F, eine immer gleiche Untersuchung. Denn eine Standardisierung hat mir bislang gefehlt“, erläuterte Dr. Oliver Haas.

Derzeit stelle sich die Situation derart dar, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein neben zwei mobilen Testteams zwei Diagnosezentren in Siegen und Bad Berleburg unterhalte. Dort würden Patienten auf Überweisung des Hausarztes auf das Corona-Virus getestet, nicht aber behandelt. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe installiere derzeit zudem 35 „Corona-Behandlungszentren“, die nächsten in Siegen, Schmallenberg und Olpe. „Das heißt, dass Arztpraxen alle Patienten mit Atemwegsinfektionen in ein solche Behandlungszentrum überweisen müssen, um sich davor zu schützen, dass möglicherweise Covid-19-positive Patienten ihre Praxen betreten. Dies bedeutet nicht nur lange Anfahrtswege für Patienten, sondern auch wieder ein Stück mehr Unsicherheit für Ärzte und chronisch Kranke“, erläuterte Dr. Oliver Haas. Die Ziele des neuen Behandlungszentrums sind daher klar definiert:

• Standardisierte Untersuchungen und Testungen sollen dafür sorgen, auch wenig symptomatisch Infizierte zu entdecken, um eine unkontrollierte Weiterverbreitung zu verhindern. „Dies ist besonders von immenser Bedeutung, wenn ein schrittweiser Ausstieg aus dem ,Shutdown’ hin zu einer langsamen Normalität erfolgen soll“, erklärte Dr. Oliver Haas.

• Innerhalb der Praxis soll wieder ein annähernd „normaler“ Arbeitsablauf gewährleistet sein. Viele chronisch Kranke hatten zuletzt eigentlich notwendige Behandlungen aus Angst vor einer Infektion abgesagt. Diese Gefahr ist nun minimiert.

• Durch die Steuerung der Patientenströme will die Gemeinschaftspraxis eine Reduktion von Ängsten und Sorgen in der Bevölkerung durch eine gezielte und systematische Untersuchung aller potenziell Infizierten herbeiführen. „Gerade durch die Separation von chronisch Kranken und anderen Patientengruppen von den potenziell an Covid-19-Erkrankten ist es wieder möglich, einen normalen Praxisablauf zu gestalten, indem Routine- und Vorsorgeuntersuchungen wieder so durchgeführt werden können wie in Zeiten vor der Pandemie“, erläuterte Dr. Oliver Haas. Durch eine gezielte Steuerung der Patientenströme sei das Ansteckungsrisiko vermutlich sogar niedriger als im übrigen Alltag, in dem potenziell Erkrankte auf anderen Personengruppen treffen könnten.

• Durch die Einführung solcher Behandlungszentren und Praxen erhoffen sich die Verantwortlichen grundsätzlich eine schnellere Lockerung im Rahmen der Corona-Schutzverordnung und eine Verhinderung weiterer Eingriffe in die Grundrechte der Menschen.

Mindestens bis Ende des Jahres bleibt das Behandlungszentrum geöffnet, solange hat der Kreis Siegen-Wittgenstein – diesen lobten alle Beteiligten ausdrücklich mit Blick auf den Prozess der Eröffnung – vorerst eine Genehmigung für die Praxis erteilt. „Das Behandlungszentrum ist so lange geöffnet, bis die Pandemie vorüber oder ein geeigneter Impfstoff oder eine geeignete Therapie verfügbar ist“, erläuterte Dr. Oliver Haas. Rund 50 Patienten – falls dringend notwendig auch mehr – können täglich immer vormittags getestet werden. In Absprache mit dem Laborzentrum Mittelhessen ist garantiert, dass die Ergebnisse dann am Folgetag vorliegen. Auf diese Weise ist die Zeit der Isolation bei einem negativen Test künftig deutlich reduziert. „Die Devise lautete die ganze Zeit, dass wir viel testen sollen. Dazu fehlten bislang aber die Kapazitäten. Das Behandlungszentrum verschafft nun Abhilfe“, erläuterte Dr. Annia Röhl.

Seit Montag sollten zunächst keine telefonischen Krankschreibungen mehr möglich. Damit sollten alle Patienten mit Atemwegserkrankungen wieder eine Praxis aufsuchen. Dies hatte der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten und Krankenkassen gegen den Willen der Ärztevertreter beschlossen - und war am Montagabend zurückgerudert. Die telefonischen Krankschreibungen sollen nun doch bis Anfang Mai möglich bleiben. „Positiv an einer Krankschreibung, die nicht per Telefon erfolgt, ist aber, dass alle Patienten untersucht werden, so dass gefährliche Verläufe wie etwa bakterielle Erkrankungen oder Lungenentzündungen erkannt und behandelt werden können“, erklärte Dr. Oliver Haas.

Lokal betrachtet stellt das neue Behandlungszentrum auch deshalb einen weiteren Mehrwert dar – möglich ist dies, weil zahlreiche Verantwortliche an einem Strang gezogen haben. „Es ist selbstverständlich, dass wir helfen. In dieser Situation müssen wir alle zusammenhalten“, erklärte Christoph Schorge, der Inhaber der Eder-Arkaden ist und die Räumlichkeiten kurzfristig zur Verfügung gestellt hatte – auf Vorschlag der Firma Berge-Bau aus Leimstruth. „Die Räumlichkeiten eignen sich optimal. Der Kreis Siegen-Wittgenstein hat unmittelbar zugestimmt, dass dieser Gebäudeteil die kommenden Monate als Behandlungszentrums während der Corona-Pandemie genutzt werden kann“, erklärte Geschäftsführer Eckehard Hof. Die Räumlichkeiten sind dabei eine vollwertige Praxis, „reduziert auf das Wesentliche“, wie Dr. Oliver Haas hervorhob.

Eine andere Untersuchung als die standardisierte sei dort nicht möglich. Sämtliche andere gesundheitliche Leiden würden in den anderen Praxen behandelt. Die Räumlichkeiten im neuen Behandlungszentrum wiederum würden in den kommenden Wochen und Monaten „einen wichtigen Zweck erfüllen“, hob Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronaus hervor. Will heißen: Ab Donnerstag dürften die Testzahlen in Erndtebrück steigen – und damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass der letzte weiße Fleck der bestätigten Corona-Infektionen im Kreisgebiet von der Landkarte verschwindet. Bislang nämlich gab es dort keinen bestätigten Fall.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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