»Dann wäre der Laden längst dicht«

Kirchengemeinde Erndtebrück muss vorerst ohne Jugendreferenten auskommen

Erndtebrück. Ein Donnerstagabend im eiskalten Wittgensteiner Winter: In der gemütlich warmen Teestube an der Siegener Straße finden sich in schöner Regelmäßigkeit junge, gut aufgelegte Erndtebrücker ein. Am Fußballkicker werden Tore bejubelt, am Nebentisch blättert eine Schülerin in einer aktuellen Zeitschrift und um die Theke herum gruppieren sich vier Leute, die sich für ein Gesellschaftsspiel entschieden haben. Darunter ehrenamtliche Mitarbeiter und eine hauptamtliche Kraft des evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein: Jugendreferent Klaus Grübener.

Der fühlt sich im Kreise der Erndtebrücker sichtlich wohl. Obwohl er – aus seinem beruflichen Blickwinkel heraus betrachtet – nicht hierher gehört. Denn Klaus Grübener ist verantwortlicher Jugendreferent für das Banfetal. Eine Arbeit, »die einen voll und ganz beansprucht«, wie der gebürtige Wittgensteiner im Gespräch mit der Siegener Zeitung berichtet. Dennoch muss die Zeit dafür reichen, einmal in der Woche in der Erndtebrücker Teestube präsent zu sein. Dafür gibt Klaus Grübener zwei Banfer Gruppen vorübergehend in die Obhut ehrenamtlicher Kräfte.

In Erndtebrück wird der Jugendreferent dringend gebraucht. Der Grund liegt auf der Hand: Gemeindepädagogin Simone Benner wurde am 15. Dezember in der Edergemeinde verabschiedet, seither ist die Stelle vakant. Denn: Der Kirchenkreis Wittgenstein beschloss bei der jüngsten Synode einen Wiederbesetzungsstopp (die Siegener Zeitung berichtete). Vorerst gilt das bis zur Sommersynode, danach ist die Situation offen. »Die Entscheidung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass frei werdende Stellen nicht mehr besetzt werden«, ergänzt Klaus Grübener. So weit, so gut. Vorerst muss die Erndtebrücker Kirchengemeinde jedoch mit einem Provisorium klar kommen. Sprich, die Aufgeben der früheren Gemeindepädagogin werden auf verschiedene Schultern verteilt. Klaus Grübener ist einmal wöchentlich in der Teestube vor Ort und darüber hinaus ständiger Ansprechpartner, seine Kollegin Ingrid Höse, Jugendreferentin im Anerkennungsjahr, zeichnet für zwei Mädchenschar-Gruppen verantwortlich. Nicht zu vergessen die ehrenamtlichen Kräfte, die den Betrieb aufrecht erhalten. In der Teestube sind das Corinna Afflerbach, Anne-Katrin Krüger, Christina Lange, Sabrina Scholl und Maik Horchler. Junge Mitarbeiter, die nicht zu ersetzen sind. Das findet auch Klaus Grübener: »Eines muss man ganz klar feststellen. Wenn es in Erndtebrück nicht ein so ein gut funktionierendes Team geben würde, wäre der Laden hier längst dicht.«

So weit ist es glücklicherweise nicht gekommen. Das Angebot in der alkoholfreien Teestube kann sich sehen lassen: Dart, Fernsehen, Kicker, Billard, Gesellschaftsspiele, Playstation, Essen und Trinken. »Einen Air-Hockey-Tisch hätten wir noch gern, davon träumen wir«, verrät Mitarbeiter Maik Horchler, vielleicht auch in der Hoffnung auf einen potenziellen Sponsor. Nicht zu vergessen die Teestuben-Maskottchen, die ihren Platz draußen vor dem Gebäude haben. Eine zehnköpfige Kaninchenfamilie erfreut sich auch bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt bester Gesundheit. »Es hat mich wirklich überrascht, dass es hier eigene Maskottchen gibt«, schmunzelt Klaus Grübener.

Bei allen positiven Aspekten seiner momentanen Präsenz in Erndtebrück steht allerdings für den Jugendreferenten aus dem Banfetal eines fest: »Bis zum Sommer ziehen wir das mit vollem Engagement durch, danach muss aber eine andere Lösung her.« Eine Auffassung, die Erndtebrücks Pfarrer Stefan Berk teilt. Die Stelle sei eigentlich eine Position, die im Personalplan der evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück verankert sei. »Doch natürlich teilen wir die Meinung des Kirchenkreises, die Stelle zumindest bis zur Sommersynode nicht zu besetzen«, so der Pfarrer weiter. Danach spreche jedoch viel dafür, »dass die Stelle wieder besetzt werden muss«.

Zum einen leiste Erndtebrück für einen großen Einzugsbereich die einzige Offene-Tür-Arbeit neben Bad Berleburg, zum anderen seien auch die Fördermittel des Kreises Siegen-Wittgenstein an eben diese Position geknüpft. Nicht zuletzt genieße die Einrichtung einen sehr guten Ruf und sei beliebte Anlaufstelle für junge Menschen. Pfarrer Stefan Berk warnt zudem davor, ehrenamtliche Kräfte, die sich mit großem Engagement für die Teestube einsetzten, zu überfordern. Der Kirchenkreis müsse eine Perspektive aufzeigen, »wann unsere Ehrenamtlichen wieder mit entsprechender Untersützung rechnen können«. Wenn die Perspektive nicht vorhanden sei, wisse er auch nicht, wie es weitergehe. Auch bei der Erndtebrücker Verwaltung wird man die Entwicklung bei der Kirchengemeinde mit großem Interesse verfolgen. Denn: Die Kommune hat sich vor Jahren gegen einen hauptamtlichen Jugendpfleger ausgesprochen, weil die Jugendarbeit in Erndtebrück – die Teestube eingeschlossen – eine sehr gute ist. Deshalb sollte es auch im Interesse der Gemeinde liegen, dass sich daran nichts ändert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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