SZ

„Schlammlurche“ helfen im Ahrtal
Die Helfer kommen zwar – es sind aber nicht genug

Anpacken im Ahrtal: Frauen sind in den Helfer-Teams definitiv in der Überzahl, berichten die Wittgensteinerinnen. Sie hoffen auf weitere Unterstützung.
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  • hochgeladen von Michael Sauer

vö Erndtebrück. Es gibt nur wenige Arbeiten, die den Wittgensteiner Ahrtal-Helfern in den vergangenen Wochen und Monaten fremd geblieben sind: Mal wurde mit schwerem Gerät eine stark beschädigte Schule entkernt, dann ging es ans Aufräumen eines großen Winzer-Feldes und schließlich gelang es in sieben Stunden, das Treppenhaus eines Hauses vom Schlamm des Hochwassers zu befreien. „Der Schlamm ist nach Tagen wie Beton. Ohne Stemmeisen geht es nicht“, sagt Christa Schmeltzer, die sich bereits unmittelbar nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu den freiwilligen Helfern gesellte. Und damit nicht alleine war.

Erndtebrück. Es gibt nur wenige Arbeiten, die den Wittgensteiner Ahrtal-Helfern in den vergangenen Wochen und Monaten fremd geblieben sind: Mal wurde mit schwerem Gerät eine stark beschädigte Schule entkernt, dann ging es ans Aufräumen eines großen Winzer-Feldes und schließlich gelang es in sieben Stunden, das Treppenhaus eines Hauses vom Schlamm des Hochwassers zu befreien. „Der Schlamm ist nach Tagen wie Beton. Ohne Stemmeisen geht es nicht“, sagt Christa Schmeltzer, die sich bereits unmittelbar nach der Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu den freiwilligen Helfern gesellte. Und damit nicht alleine war.

Mittlerweile hat sich ein rund 15-köpfiges Team gebildet, mit Menschen aus Erndtebrück, Bad Laasphe, Netphen, Neunkirchen und Niederschelden – die „Schlammlurche“. Und wenn es nach ihnen geht, darf die Gruppe ruhig noch wachsen. Christa Schmeltzer: „Wir fahren regelmäßig, auch in unterschiedlicher Kombination, immer so, wie es zeitlich funktioniert.“ Dass es in dieser Woche zum Treffen mit der SZ kommt, hat einen ernsten Hintergrund, wie Mitstreiterin Christa Guardia unterstreicht: „Es fahren immer noch Helfer ins Ahrtal, das ist nicht die Frage. Aber es könnten deutlich mehr sein.“

„Schlammlurche“ helfen im Ahrtal: Frauen in der Überzahl

Gerade jetzt, unmittelbar vor dem Winter mit vielen ungeheizten Häusern, müsse mehr denn je gemeinsam angepackt werden. Aktuell seien am Helfer-Shuttle, wo die Freiwilligen auf die Ortschaften verteilt würden, rund 160.000 Menschen registriert. Allerdings: Wer mehrfach in die Gummistiefel und Arbeitshandschuhe steige, werde auch mehrfach gezählt. Christa Schmeltzer: „Wenn ich diese Zahl dann mit der Gesamtbevölkerung in Deutschland abgleiche, relativiert sich einiges.“ Zumal ja auch viele Helfer aus Luxemburg oder Frankreich mit von der Partie seien. Auffällig sei überdies, dass die Frauenquote überdurchschnittlich hoch sei: „Und bei der ein oder anderen Aktion täten Männer gut, weil einfach mehr Kraft erforderlich ist.“

Es fahren immer noch Helfer ins Ahrtal, das ist nicht die Frage. Aber es könnten deutlich mehr sein.
Christa Guardia
Erndtebrück

Denn das Ausmaß der Schäden sei gewaltig, bis zum Wiederaufbau sei es noch ein unglaublich langer Weg. An der breitesten Stelle der Flut habe sich die Ahr auf 1,4 Kilometer ausgedehnt. Die beiden Frauen aus dem „Schlammlurche“-Team machen Mut, einfach mal über den eigenen Schatten zu springen und ins Ahrtal zu reisen. Wer die richtige Autobahn-Abfahrt genommen habe und am Helfer-Shuttle angekommen sei, der könne nichts mehr falsch machen: „Das ist alles super gut organisiert, von der Aufteilung bis zur Verteilung des Werkzeugs.“

„Schlammlurche“ helfen im Ahrtal: Helfer werden nicht bezahlt

Es sei auch an der Zeit, mit einem bösen Gerücht aufzuräumen, das die Abläufe leider einige Zeit blockiert habe. „Die Helfer werden nicht bezahlt. Wir machen das freiwillig und kostenfrei.“ Was man aber zweifelsfrei bekomme, sei ein großartiges Gemeinschaftsgefühl und trotz aller schlimmen Dinge auch Spaß: „Sonst wäre es schwer zu ertragen. Es geht an die Substanz, das geht uns alles ziemlich nahe.“ Viele Menschen im Krisengebiet fühlten sich allein gelassen, benötigten auch einfach mal einen Gesprächspartner.

Ahrtal-Wein als Weihnachtsgeschenk

Christa Schmeltzer und Christa Guardia aus dem heimischen Helfer-Team der „Schlammlurche“ appellieren, die schwer getroffenen Winzer im Ahrtal zu unterstützen. 50 Prozent des Weines würden derzeit vor Ort verkauft, weil natürlich auch der Vertrieb mit der Flut zerstört worden sei. Dennoch sei der Wein hinsichtlich der Qualität geprüft – und einwandfrei.

Denkbar sei beispielsweise, dass Unternehmen Mitarbeiter oder Geschäftskunden mit einer Flasche Wein zu Weihnachten überraschten, so die beiden Wittgensteinerinnen. „Die Winzer sind auf die Umsätze angewiesen, um ihre Betriebe wieder aufbauen zu können. Das wäre doch eine tolle Alternative zu Weihnachtsgeschenken, die irgendwo im Netz bestellt werden.“

Wer die „Schlammlurche“ als Helfer unterstützen möchte, in welcher Form auch immer, kann sich mit Christa Schmeltzer unter Tel. (01 72) 2 79 50 22 in Verbindung setzen.

Anpacken im Ahrtal: Frauen sind in den Helfer-Teams definitiv in der Überzahl, berichten die Wittgensteinerinnen. Sie hoffen auf weitere Unterstützung.
Anpacken im Ahrtal: Frauen sind in den Helfer-Teams definitiv in der Überzahl, berichten die Wittgensteinerinnen. Sie hoffen auf weitere Unterstützung.
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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