Dietrich sitzt Linten im Nacken

Rauer Ton im Erndtebrücker Rathaus / Tiefe Gräben zwischen CDU und Opposition

Erndtebrück. Es ist eigentlich sehr schade, dass auch im zurückliegenden Jahr 2003 nur sehr wenige Zuschauer und Zuhörer den Weg zu den Rats- und Ausschussitzungen im Erndtebrücker Rathaus finden. Denn eines steht unbestritten fest: Die politischen Zusammenkünfte zeichnen sich durch einen hohen Unterhaltungswert aus – wenngleich dies von den Beteiligten nicht unbedingt gewollt ist.

Dies hängt sicherlich auch mit den Kräfteverhältnissen zusammen, die der Erndtebrücker Wähler dem Gemeinderat mit auf den Weg gegeben hat. Auf der einen Seite hält die CDU-Mehrheitsfraktion die Zügel gemeinsam mit Bürgermeister Heinz-Josef Linten in der Hand, auf der anderen Seite führen SPD, FDP, UWG und die Ein-Mann-Vertretung der Grünen – zumeist vergeblich – eigene Ideen ins Feld. Die Gräben zwischen beiden politischen Lagern sind mittlerweile so tief und breit, dass man selbst mit einem riesigen Spagat nicht auf die andere Seite gelangt. Um es anders auszudrücken: Außenstehende müssen zu der Schlussfolgerung kommen, dass sich die parteiübergreifende Zusammenarbeit der Fraktionen darauf beschränkt, dass die Kommunalpolitiker bei Ratssitzungen in einem Raum sitzen und anlässlich des Oktoberfestes für Senioren gemeinsam Kaffee ausschenken. Die CDU wirft der Opposition vor, dass sie »den Bürgermeister verungimpft« und spricht von »Missgunst«, die offenbar ansteckend sei. FDP und UWG haben indes »Unwahrheiten und Legenden« ausgemacht und sehen sich »mit Häme und Vorwürfen überschüttet«. Der Konflikt gipfelt schließlich darin, dass SPD, FDP, UWG und Grüne dem Tag der offenen Tür im Rathaus zur Eröffnung des Bürgerbüros fern bleiben und Bürgermeister Heinz-Josef Linten vorgeworfen wird, mit einem Alleingang die Fraktionsvorsitzenden nicht in die Planung der Veranstaltung einbezogen zu haben. Außerdem passe es nicht in die Zeit, große Feste im Rathaus zu feiern, wenn andererseits in Erndtebrück hinten und vorne das Geld fehle.

Dass die politische Diskussion in der Edergemeinde an Schärfe selten zu überbieten ist, liegt sicher nicht zuletzt daran, dass sich die Gegenkandidaten des amtierenden Bürgermeisters Heinz-Josef Linten in Position bringen. Dies geschieht freilich auf sehr unterschiedliche Weise. SPD-Kandidat Karl-Ludwig Völkel, der sein berufliches Schaffen gern aus Brandenburg nach Erndtebrück verlegen will, wird im April der Öffentlichkeit vorgestellt. Im SZ-Gespräch kündigt der Sozialdemokrat im Falle seiner Wahl an, mehr Fördergelder für Erndtebrück locker machen zu wollen und für »ein besseres Rathaus-Klima« zu sorgen. Die Reaktion der CDU? Es gibt keine.

Anders sieht es dagegen im November aus. Als die SZ exklusiv über die Bürgermeisterkandidatur des UWG-Kreistagsabgeordneten Edgar Dietrich berichtet und dem Bundeswehr-Soldaten einige Tage später der Spruch rausrutscht, »dass die CDU und der Bürgermeister außer 150 Meter Straße in Benfe nichts zustande gebracht haben«, prügeln die Christdemokraten heftig auf Dietrich ein. Die Aussagen des UWG-Mannes seien die Enttäuschung und Verärgerung darüber, dass der amtierende Bürgermeister Heinz-Josef Linten persönliche Wünsche und Vorstellungen Dietrichs durchkreuzt sowie »anmaßende Vorschläge« abgelehnt habe. Interessant zu wissen, wen die CDU als Hauptgegner für die Kommunalwahl 2004 einstuft.

Die Diskussion um die Ratsstuben, den Vertrag mit Buderus-Klute und das geplante Caritas-Seniorenpflegeheim stellt die übrigen Themen im Jahr 2003 weit in den Schatten. Die Opposition mit SPD, FDP, UWG und Grünen bringt im Frühjahr gleich zwei alternative Standorte für das Altenheim ins Gespräch, weil der Bau an den Ratsstuben von vielen Anwohnern nicht gewollt sei. Die CDU sieht indes »keine Möglichkeit einen neuen Standort noch zu diskutieren«. Unverständlich: Die für November 2003 angekündigte Bürgerversammlung wird in das Jahr 2004 verschoben. Zum letzten Mal – zumindest im Jahr 2003 – kracht es eine Woche vor Weihnachten im Gebälk.

Bürgermeister Heinz-Josef Linten berichtet im nicht-öffentlichen Teil der Ratssitzung über Planungen für ein islamistisches Zentrum in den Ratsstuben. Das Thema wird öffentlich – die Opposition sieht darin ein gezieltes Manöver des Verwaltungsleiters, die stockenden Altenheim-Planungen zu forcieren. In einem Pressegespräch der Opposition fällt das Stichwort vom »Retter vor der Koranschule«. Ein weiteres Thema, das in der Edergemeinde für Gesprächsstoff sorgt: Im Oktober steht die Saunalandschaft für Erndtebrück im Rat auf der Tagesordnung. Voraussichtliche Kosten: eine Mill. e. Während der Bürgermeister die »Einzigartigkeit des Projektes in Siegen-Wittgenstein« betont, steht die Opposition dem Vorhaben mit einiger Skepsis gegenüber – weil die Finanzierbarkeit in Frage gestellt wird. Fortsetzung folgt in 2004.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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