SZ

Pickhan und Bergrohr betroffen
EEW schließt Siegerländer Standorte

Neben EEW-Pickhan in Geisweid, schließt die Unternehmensgruppe auch den Standort von EEW-Bergrohr (Bild). In Summe sind davon 140 Mitarbeiter betroffen.
6Bilder
  • Neben EEW-Pickhan in Geisweid, schließt die Unternehmensgruppe auch den Standort von EEW-Bergrohr (Bild). In Summe sind davon 140 Mitarbeiter betroffen.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Timo Karl (Redakteur)

tika Erndtebrück/Geisweid/Weidenau. Die Entwicklung hat sich in der gesamten Branche abgezeichnet, nun allerdings trifft sie die Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) mit unerwarteter Härte. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Erndtebrück schließt die Standorte der beiden Töchter EEW-Pickhan in Geisweid und EEW-Bergrohr in Weidenau. Von der Schließung betroffen sind an beiden Standorten insgesamt rund 140 Mitarbeiter. Am Dienstagmorgen fanden zunächst an den beiden Standorten Mitarbeiterversammlungen statt, in deren Rahmen die Geschäftsleitung im Beisein des Betriebsrates sowie der Gewerkschaft IG Metall – in Person des betreuenden Sekretärs Hans-Jürgen Groß – die Belegschaft über die Standortschließungen informierte.

tika Erndtebrück/Geisweid/Weidenau. Die Entwicklung hat sich in der gesamten Branche abgezeichnet, nun allerdings trifft sie die Erndtebrücker Eisenwerke (EEW) mit unerwarteter Härte. Das Familienunternehmen mit Stammsitz in Erndtebrück schließt die Standorte der beiden Töchter EEW-Pickhan in Geisweid und EEW-Bergrohr in Weidenau. Von der Schließung betroffen sind an beiden Standorten insgesamt rund 140 Mitarbeiter. Am Dienstagmorgen fanden zunächst an den beiden Standorten Mitarbeiterversammlungen statt, in deren Rahmen die Geschäftsleitung im Beisein des Betriebsrates sowie der Gewerkschaft IG Metall – in Person des betreuenden Sekretärs Hans-Jürgen Groß – die Belegschaft über die Standortschließungen informierte.

Erndtebrücker Eisenwerk in Rostock autark

Welche konkreten Auswirkungen die Restrukturierungsmaßnahmen auf den Standort Erndtebrück haben, ist noch nicht absehbar. Dort fand am Dienstagnachmittag eine Belegschaftsversammlung statt, in deren Rahmen die Mitarbeiter Informationen über die geplanten Einschnitte erhielten. Klar ist aber, dass der Standort in der Edergemeinde weiterhin fortbesteht und die Funktionen im Wesentlichen erhalten bleiben. Dort sind rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, ebenso wie im Werk in Rostock, das aber weitgehend autark arbeitet und unberührt bleiben soll.

EEW-Bergrohr und EEW-Pickhan schließen zum 31. März

„Das ist eine Entscheidung, die uns nicht leicht gefallen ist, die aber über mehrere Jahre gereift ist. An beiden Standorten im Siegerland haben wir über Jahre Kurzarbeit gehabt. Auf Dauer ist dies kein Geschäftsmodell“, erklärte Jessica Becker. Die EEW-Personalleiterin zeigte verschiedene Faktoren auf, die letztlich zur Schließung der beiden Standorte führen – beide Werke sollen nach derzeitigen Planungen ihre Produktion zum 31. März einstellen und damit endgültig schließen.

Hauptgrund dafür ist demnach der anhaltend niedrige Ölpreis, der den Markt für Konstruktions- und Leitungsrohre im Öl- und Gasbereich stagnieren lässt. Zudem herrscht eine scharfe Konkurrenzsituation, das Geschäft verlagert sich zunehmend von Europa nach Asien. Die EEW-Gruppe geht daher „in den kommenden drei Jahren von einem deutlich geringeren Geschäftsvolumen als in der Vergangenheit aus und rechnet damit, die in Siegen-Wittgenstein aufgebauten Kapazitäten nicht mehr dauerhaft auslasten zu können“, teilte die Geschäftsführung mit. Geplant sind nun umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen. Im Zuge der Standortschließung ist ein auf drei Jahre angelegtes Reorganisationsprogramm avisiert. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob sich der Markt geändert hat. Es gibt die Erkenntnis, dass er sich nicht erholt und dies wird mindestens noch fünf bis acht Jahre dauern“, verdeutlichte Jessica Becker.

EEW-Geschäftsführung informierte Betriebsrat am Montag

EEW-Geschäftsführung und Betriebsrat wollen nun Verhandlungen hinsichtlich eines Interessenausgleichs und eines Sozialplans aufnehmen. „Wir müssen jetzt abwarten, dies ist Gott sei Dank keine alltägliche Sache. Die Geschäftsführung hat uns eine enge Zusammenarbeit zugesagt, darauf müssen wir uns jetzt verlassen und darauf vertrauen wir auch“, erklärte Anke Möllers. Die Vorsitzende des EEW-Betriebsrates zeigte sich ob der Schließungen im Siegerland und der Schicksale der jeweils 70 Mitarbeiter pro Standort betroffen: „Gerade vor Weihnachten ist dies besonders hart, aber für einen solchen Schritt gibt es nicht den richtigen Zeitpunkt“, wusste Anke Möllers. Bereits am Montag hatte die Geschäftsführung den Betriebsrat von den geplanten Einschnitten unterrichtet, daraufhin nahm selbiger sofort die Gewerkschaft IG Metall mit ins Boot. Ab Donnerstag steht außerdem die Unternehmensberatung „Q&A Banner und Küster“ aus Oberhausen an der Seite des Betriebsrates. „Dass es Einschnitte geben musste, war abzusehen. Es sieht in der gesamten Branche nicht gut aus und man kann nur hoffen, dass bald wieder Land in Sicht ist. Die Härte kommt aber überraschend“, sagte Anke Möllers.

Wie genau die weiteren Schritte aussehen, ist ob der gerade erst am Anfang stehenden Verhandlungen noch offen. Aber: „Wir wollen für jeden Einzelfall eine Lösung finden, die so gut wie möglich ist. Geplant ist, dass wir Mitarbeiter in Erndtebrück ansprechen, die rentennah sind und dann mit ihnen über eine Frühverrentung sprechen“, erklärte Jessica Becker. Auf diese Weise will die Unternehmensgruppe eine größere Entlassungswelle möglichst verhindern. „Uns liegt besonders viel daran, den Abbau der Arbeitsplätze so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Dazu sollen zunächst Programme für rentennahe Mitarbeiter gemeinsam mit dem Betriebsrat ausgearbeitet werden“, wird der geschäftsführende Gesellschafter der EEW-Gruppe, Christoph Schorge, in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Aber: „Wir werden nicht daran vorbeikommen, die ein oder andere Personalmaßnahme auch in Erndtebrück zu treffen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch in Erndtebrück der ein oder andere Mitarbeiter gehen muss“, konstatierte Jessica Becker. Inwiefern einzelne Mitarbeiter der vor der Schließung stehenden Standorte in Erndtebrück oder auch Rostock einen neuen Arbeitsplatz finden können, will das Unternehmen im Einzelfall entscheiden.

Hohe Investitionen in EEW-Stammwerk in Erndtebrück geplant

Im Zuge des in den kommenden drei Jahren geplanten Reorganisationsprogramms innerhalb der Unternehmensgruppe sind zugleich hohe Investitionen in das Erndtebrücker Stammwerk geplant. Die Rede ist von einem Volumen von etwa 20 bis 25 Mill. Euro, die in Umbaumaßnahmen und neue Maschinen fließen sollen, um die Effizienz in der Produktion zu erhöhen und neue Produktbereiche zu erschließen. „Diese Investitionen sind ein klares Bekenntnis zum heimischen Standort. Damit reagieren wir auf den Strukturwandel in der Stahlrohrindustrie und beabsichtigen nachhaltig möglichst viele Arbeitsplätze in Siegen-Wittgenstein zu sichern“, erklärte Christoph Schorge.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

Timo Karl (Redakteur) auf Facebook
Timo Karl (Redakteur) auf Instagram
following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Spar-Abo der Siegener Zeitung
Schnell abonnieren und bares Geld sparen!

Das Abonnement der Siegener Zeitung ist der bequemste Weg, um jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten aus Siegen, dem Siegerland, Wittgenstein, Altenkirchen und Olpe zu in kompakter Form zu lesen ‒ als gedruckte Zeitung direkt aus dem Briefkasten oder als digitale Version in Form eines E-Papers. Das E-Paper lesen Sie bequem am PC oder ganz mobil mit unserer App für Android und Apple. Schnell Abo buchen und bares Geld sparenSchnell sein lohnt sich jetzt, denn je früher Sie bestellen, desto mehr...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen