»Eigenartig bis außergewöhnlich«

Christian Dellori baut in Birkefehl sein eigenes Backhaus / Ofen diese Woche fertig gestellt

Birkefehl. Christian Dellori kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: »Als ich im Dorf davon erzählt habe, dass auf unserem Grundstück ein neues Backhaus entsteht, hat das niemand so richtig ernst genommen. Bis zuletzt nicht.« Zuletzt, das war bis vor fünf Tagen. Bis Montag stand nämlich auf dem Anwesen der Delloris am Birkefehler Viehweg »nur« ein kleines Fachwerkgebäude ohne Innenleben. Seit gestern ist das anders.

Neuland auch für Rainer Birkelbach

Christian Dellori hat das Herzstück seines – wie er selbst sagt – »eigenartigen bis außergewöhnlichen Projektes« installiert und installieren lassen. Den Backofen. »Ein Schwarzwälder Brotbackofen, wie er bereits vor über 100 Jahren gebaut wurde«, verrät Rainer Birkelbach. Der Jungunternehmer ist selbstständiger Ofenbaumeister. Jener Handwerksberuf, der wohl der seltenste in Deutschland ist. Rainer Birkelbach, der hierzulande als Keyboarder der Kult-Band Bogga kein Unbekannter ist, hat jede Menge Berufserfahrung vorzuweisen und nach eigener Schätzung »bisher 700 Öfen gebaut«. Doch, man mag es kaum glauben, für den Wittgensteiner ist der Birkefehler Auftrag der erste Brotbackofen überhaupt. Ein Pilotprojekt also.

Jede Menge Lektüre angeeignet

Daher sei es auch notwendig gewesen, ergänzt Christian Dellori, sich viel Lektüre und jede Menge Fachwissen rund um das Brot backen im Backhaus anzueignen. Freilich ist dem Birkefehler Bauherrn das Thema keineswegs fremd, denn in seinem Heimatdorf existieren bereits zwei Backhäuser, die regelmäßig genutzt werden. Das neue Backhaus am Viehweg ist mit vier mal sechs Metern etwas kleiner als die bestehenden, doch hier gilt zweifelsohne das Motto »klein aber fein«. Im August vergangenen Jahres sei der erste Spatenstich unmittelbar nach dem Schützenfest erfolgt, erinnert sich Christian Dellori, im Oktober sei das Fachwerk aufgeschlagen worden. Fachwerk deshalb, weil es eben traditionell ist und nach Birkefehl passt.

Auf die Präzision kommt es an

Nun also der Ofen, insgesamt zweieinhalb Tonnen schwer, mit Wärme speichernden Schamottesteinen. Insgesamt 1500 Schnitte an den Ziegeln seien es, bis der Ofen fertig sei, nennt Rainer Birkelbach eine beeindruckende Zahl. Obwohl es für ihn das Debüt in Sachen Brotofen darstellt, ist sich der Handwerker sicher, dass die Sache auch in Ordnung geht: »Was bei Pizzaöfen funktioniert, kann hier eigentlich nicht daneben gehen.« Es komme natürlich auf die Präzision der Arbeit an. Rainer Birkelbach formuliert das folgendermaßen: »Wird der Brotraum zu hoch, dann ist das Brot nachher zu hell, setzen wir zu niedrig an, dann müssen wir mit schwarzen Exemplaren rechnen.«

60 Kilogramm Holz werden verbrannt

Rund 60 Kilogramm Holz werden verbrannt, bis der Ofen die optimale Temperatur von rund 250 Grad Celsius erreicht hat. Die entstandene Asche wird dann rausgefegt, danach kommt das Brot für eineinhalb bis zwei Stunden zwischen die Schamottesteine. 18 bis 20 Laibe dürften es sein, die im Ofen der Marke Dellori – der Durchmesser liegt bei 1,86 Meter – Platz haben. »Danach reicht die Hitze noch locker für ein Blech Kuchen«, weiß Christian Dellori aus Erfahrung. Zurück zum Brot: Das wird in Birkefehl ohne Zusatzstoffe, ausschließlich mit Hefe, Salz, Wasser und Mehl produziert.

Schamottesteine erst an Hitze gewöhnen

Ganz so weit ist es am Viehweg allerdings noch nicht. Der Schornstein ist noch nicht gebaut, außerdem sind noch einige andere Handgriffe zu erledigen. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass der nagelneue Ofen erst einmal drei Wochen austrocknen muss. »Wenn man alles addiert, dann sind es zwischen 200 und 300 Liter Wasser, die noch aus dem Mauerwerk raus müssen.« Danach sei es wichtig, zunächst behutsam vorzugehen und den Ofen langsam an die Hitze zu gewöhnen. Rainer Birkelbach: »Zunächst einmal das eine oder andere kleine Feuerchen und dann die Sache langsam steigern.«

Jury könnte am Viehweg Station machen

Wann am Viehweg das erste Mal frischer Brotduft wahrzunehmen ist, darauf will sich Christian Dellori nicht genau festlegen. Doch ein Ziel hat er nicht aus den Augen verloren: Wenn die Kommission des Landeswettbewerbes »Unser Dorf soll schöner werden« im Juli Birkefehl bereist, dann könnte das Backhaus am Viehweg eine Station sein, zu der Ortsvorsteher Klaus Krüger und sein Team die Jurymitglieder führen. Wenn dann frische Wittgensteiner Dongen gereicht würden, wäre das umso besser.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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