SZ

Heinz-Josef Linten blickt gern auf 45-jährige Laufbahn zurück
Ein Abgang ohne jede Verbitterung

Stationen seiner kommunalpolitischen Laufbahn, die jetzt zu Ende gegangen ist, hat Heinz-Josef Linten in einer Bildergalerie immer vor Augen. Wer genau hinschaut, sieht Begegnungen mit Angela Merkel, Friedrich Merz oder Peter Struck. Der Erndtebrücker saß ab 1975 im Gemeinderat, war Bürgermeister in Erndtebrück von 1994 bis 2004, darüber hinaus zeitweise stellv. Landrat.
  • Stationen seiner kommunalpolitischen Laufbahn, die jetzt zu Ende gegangen ist, hat Heinz-Josef Linten in einer Bildergalerie immer vor Augen. Wer genau hinschaut, sieht Begegnungen mit Angela Merkel, Friedrich Merz oder Peter Struck. Der Erndtebrücker saß ab 1975 im Gemeinderat, war Bürgermeister in Erndtebrück von 1994 bis 2004, darüber hinaus zeitweise stellv. Landrat.
  • Foto: Björn Weyand
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

bw Erndtebrück. Als 22-Jähriger zog Heinz-Josef Linten erstmals in den Rat der Gemeinde Erndtebrück ein. Das war 1975. Eigentlich würde er dem Rat noch bis in das Jahr 2025 angehören – ein Mandat hatte er nach der Kommunalwahl über die Reserveliste seiner CDU. Dann hätte er die 50 Jahre voll gehabt, wenn auch mit einer fünfjährigen Unterbrechung, nachdem er ja 2004 nach zehn Jahren als Bürgermeister nicht wiedergewählt worden war. Doch Heinz-Josef Linten verzichtet auf fünf weitere Jahre im Rat – er macht Schluss mit der Kommunalpolitik (die SZ berichtete). Er zieht damit auch die Konsequenz aus dem schlechten Wahlergebnis, das die CDU allgemein und Linten ganz persönlich traf.

bw Erndtebrück. Als 22-Jähriger zog Heinz-Josef Linten erstmals in den Rat der Gemeinde Erndtebrück ein. Das war 1975. Eigentlich würde er dem Rat noch bis in das Jahr 2025 angehören – ein Mandat hatte er nach der Kommunalwahl über die Reserveliste seiner CDU. Dann hätte er die 50 Jahre voll gehabt, wenn auch mit einer fünfjährigen Unterbrechung, nachdem er ja 2004 nach zehn Jahren als Bürgermeister nicht wiedergewählt worden war. Doch Heinz-Josef Linten verzichtet auf fünf weitere Jahre im Rat – er macht Schluss mit der Kommunalpolitik (die SZ berichtete). Er zieht damit auch die Konsequenz aus dem schlechten Wahlergebnis, das die CDU allgemein und Linten ganz persönlich traf.

Kein Dank, aber Siege und Niederlagen

Verbittert sei er deswegen jedoch nicht, betont der inzwischen 68-Jährige im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Im Rahmen unserer kleinen Serie „Kommunalpolitische Urgesteine treten ab“, die vor der Wahl in der SZ lief, fehlte Heinz-Josef Linten noch. Als Nummer 3 auf der Reserveliste der CDU war ihm ein Platz im neuen Rat so gut wie sicher. Dann kam der Wahlabend und die Erkenntnis, dass er seinem Gedanken vor der Wahl, nicht noch einmal anzutreten, vielleicht ja doch hätte folgen sollen. „Wer in die Politik geht, der sollte eines wissen: Es gibt keinen Dank, und es gibt Siege und Niederlagen“, verrät Linten. Und doch kann der Christdemokrat nicht verstehen, weswegen seine Partei so vom Wähler abgestraft wurde. Schließlich habe die CDU bei wichtigen Themen mitgestaltet, etwa gemeinsam mit der SPD das so erfolgreiche Baugebiet an der Roger-Drapie-Straße auf den Weg gebracht. Doch in der öffentlichen Wahrnehmung sei dies offenbar nur der SPD und Bürgermeister Henning Gronau zugeschrieben worden. Dass ihm wegen seiner Kritik manch einer Nörgelei vorgeworfen hat, kann Heinz-Josef Linten nicht nachvollziehen: „Streit gehört doch zur Politik. Es geht darum, um die besten Ideen zu ringen.“ Vor allem macht er sich große Sorgen um die Finanzen der Gemeinde. Er könne es nicht verstehen, dass darüber im Rat nicht viel mehr gesprochen werde, früher hätten ohnehin viel mehr Leute im Rat etwas gesagt. Das sei heute leider anders.
Es sei auch nicht nur das schlechte Ergebnis der CDU bei der Wahl gewesen, das Grund für seinen Verzicht auf das Mandat im Rat war. Die eigene Gesundheit sei ein weiterer Faktor, „aber ich bin auch nicht so glücklich über die Entwicklung der politischen Kultur“. Beispiel sei die Diskussion über die Straßenbaubeiträge, die auch seit geraumer Zeit nicht mehr sachlich geführt werde. „Das Land trägt 50 Prozent der Anliegerbeiträge – das dann hinzustellen, als wäre das nichts, ist unredlich“, ärgert sich Linten, der gleichwohl zugibt, dass er auch auf mehr gehofft habe und dass die CDU-Landespartei die Bedeutung des Problems für den ländlichen Raum erst nicht und damit zu spät erkannt habe.

Immer wieder erlebt: Streit gehört zur Politik

Dass Streit zur Politik gehört, wie er betont, hat Heinz-Josef Linten in all den Jahren immer wieder erlebt. Nicht immer ging es im Gemeinderat sachlich zu – gerade in der Zeit, als er Bürgermeister war und die CDU eine absolute Mehrheit hatte, flogen dort ab und an die Fetzen. „Manchen ging es nicht darum, etwas für Erndtebrück zu bewegen, sondern nur darum, den Bürgermeister lächerlich zu machen“, so erinnert sich der damalige Rathauschef an die Auseinandersetzungen. Erbittert ging es etwa zur Sache bei der Frage, wo das Altersheim gebaut werden sollte. Die CDU setzte sich mit ihrer Mehrheit durch. „Uns wurde damals Arroganz vorgeworfen. Arrogant war aus meiner Sicht allerdings, einen Fachmann wie Fritz Hoffmann als Obermeister der Elektroinnung zu ignorieren, als man Ijselconsult nach Erndtebrück geholt hat“, stellt Heinz-Josef Linten fest. Heute weiß er aber auch, dass eine absolute Mehrheit für eine Partei nicht gut ist. Was ihr folgte, war 2004 die Wahlniederlage Lintens.
Fünf Jahre später kehrte er in die Kommunalpolitik zurück, zog wieder in den Rat ein. Für Linten selbstverständlich, denn er habe seine Erfahrung aus der Verwaltung einbringen wollen. 2012 übernahm er sogar den Fraktionsvorsitz und trat 2015 bekanntlich an, um noch einmal Bürgermeister zu werden. Nur gut 16 Prozent wollten ihn wieder in diesem Amt sehen, in das er 1999 mit 65,9 Prozent gewählt wurde.

„Es war für mich eine bereichernde Zeit“

Trotz der letzten Wahlniederlagen sagt Heinz-Josef Linten: „Es war für mich eine bereichernde Zeit. Aber so gerne und leidenschaftlich ich es gemacht habe, so sehr freue ich mich auf die neue Zeit.“ Insofern habe er auch keinerlei Phantomschmerzen gehabt, als die erste Sitzung des neuen Rates jetzt ohne ihn stattgefunden hat. Mehr Zeit für die Familie, für das Wandern, fürs geliebte Orgelspielen, aber auch für Arbeiten im Haus und drumherum habe er nun. „Ich bin unheimlich gern im Baumarkt, um zu sehen, was man noch machen kann.“
Einen Tipp hat Linten für die jüngeren Kollegen, die im Rat nachrücken und sich kommunalpolitisch engagieren: Es sei sehr wichtig, Seminare zu besuchen, um sich in den Grundlagen der Kommunalpolitik gut auszukennen. Er selbst habe an vielen Seminaren teilgenommen. „Das fehlt heute manchen im Rat. Man muss auch über den Tellerrand hinausschauen.“

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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