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Organspende
Ein zweites Leben geschenkt

Seit 2012 hat er ein neues Leben: Wolfgang Dickel aus Erndtebrück bekam ein Spenderorgan.
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sabe Erndtebrück. Wolfgang Dickel aus Erndtebrück hat seit acht Jahren ein Spenderorgan – zwei, streng genommen. „Mir wurde eine Niere und eine Bauchspeicheldrüse transplantiert.“ Aufgrund seiner schweren Typ-1-Diabetes funktionierten seine eigenen Organe kaum noch selbstständig, wurden während der zehnjährigen Zeit an der Dialyse immer schwächer. „Früher konnte man hier auf dem Land noch wenig mit diabetischen Kleinkindern anfangen, heute ist das anders“, erklärt der Erndtebrücker. Spätfolgen der Zuckerkrankheit hat er trotz der Transplantation schwerwiegende – das rechte Auge fast ohne Sehstärke, am Bein wird er bald aufwendig operiert. „Da hab’ ich schon etwas Bammel vor“, sagt er, halb scherzend, wissend, was sein Körper vor acht Jahren für ein Wunderwerk vollbracht hat.

sabe Erndtebrück. Wolfgang Dickel aus Erndtebrück hat seit acht Jahren ein Spenderorgan – zwei, streng genommen. „Mir wurde eine Niere und eine Bauchspeicheldrüse transplantiert.“ Aufgrund seiner schweren Typ-1-Diabetes funktionierten seine eigenen Organe kaum noch selbstständig, wurden während der zehnjährigen Zeit an der Dialyse immer schwächer. „Früher konnte man hier auf dem Land noch wenig mit diabetischen Kleinkindern anfangen, heute ist das anders“, erklärt der Erndtebrücker. Spätfolgen der Zuckerkrankheit hat er trotz der Transplantation schwerwiegende – das rechte Auge fast ohne Sehstärke, am Bein wird er bald aufwendig operiert. „Da hab’ ich schon etwas Bammel vor“, sagt er, halb scherzend, wissend, was sein Körper vor acht Jahren für ein Wunderwerk vollbracht hat.

Unbekannter Spender

Von den ersten Tagen im Krankenhaus wisse er nicht mehr viel, nur wie er immer wieder auf die kleine „Schmerzpumpe“ in seiner linken Hand gedrückt habe. Da habe man den Bedarf an Schmerzmitteln selber mit regulieren können. „Der Arzt hat mir dann später gesagt, dass es natürlich eine Grundeinstellung gegeben hat. Gott sei Dank, ich habe so oft zugedrückt.“ Seine Frau habe ihm später gesagt, dass sie seiner Mutter erst zwei Wochen später gesagt habe, dass er in Marburg im Krankenhaus liege, so schlecht habe er nach der Transplantation ausgesehen. „Ich habe geglaubt, da liegt ein Toter im Bett“, hatte seine Frau zu ihm gesagt. Aber: Wolfgang Dickel erholt sich, sein Körper nimmt die Organe an, eine „Kombitransplantation“, wie er erklärt. Beide Organe sind vom selben, fremden Spender. Keine Lebensspende – alle Spenden, die die Bauchspeicheldrüse betreffen, sind davon ausgeschlossen. Wolfgang Dickel kennt seinen Spender oder seine Spenderin nicht. Eine „Nachverfolgung“, die in Deutschland nach einigen Jahren möglich ist, um zu erfahren, von wem das lebensrettende Organ gekommen ist, ist nach ein paar Jahren möglich. „Für mich war das keine Option, ich weiß, dass die Person dafür gestorben sein muss. Ich will nach so vielen Jahren keine Wände einreißen – ich weiß nicht, welches Leid dahinter steckt.“

„An der Dialyse wird man nicht alt.“

Vier Jahre hat er auf einer Spenderliste gestanden, während dessen montags, mittwochs und freitags „an der Dialyse gehangen“ – acht Stunden. „Das ist das, was einem irgendwann die Kraft raubt“, erinnert er sich. „An der Dialyse wird man nicht alt.“ Der Weg bis zur Transplantation, das Warten, „eine Qual“. Dann kommt der Anruf. „Ich war gerade am dialysieren.“ Er habe immer gesagt, sollte das passieren, dann wolle er die Messwerte seines Blutdrucks erfahren. „Der war ganz normal, der Taxifahrer war aufgeregter als ich“, er lacht sein authentisches Lachen und wird im nächsten Moment wieder ernst, die immerwährende Offenheit gegenüber der Sache, bleibt dabei aber beständig im Gespräch, wie ein roter Faden. Der Start nach der Transplantation, „er war schwierig“, sagt er. „Aber es ist alles gut gegangen.“ Eine Kombinationsoperation, wie Wolfgang Dickel sie brauchte, war in Marburg erst fünf oder sechs Mal durchgeführt worden – er habe sich aber schon während der Voruntersuchungen sehr aufgehoben gefühlt. Sein Bauchgefühl sollte ihn nicht täuschen.

"Ein Siebener im Sechser-Lotto"

Heute singt Wolfgang Dickel im Chor, ist Vorstandsmitglied im Schützenverein und jobbt an der Tankstelle – seinen früheren Beruf als Technischer Zeichner kann er nicht mehr ausführen, die Spätfolgen der Zuckerkrankheit haben „ein paar Macken hinterlassen“. Aber: Kriegt er eine Einladung zum Geburtstag, kann er hingehen, möchte er in den Urlaub an die Nordsee fahren, muss er dort nicht dialysieren, sondern kann sich sogar vielleicht neben seine Frau an den Strand legen. „Die Dialyse hat mein ganzes Leben gestreckt, das Geschäft bestimmt.“ Das neue, zweite Leben, das er mit der Organspende bekommen habe, es sei die Art eines Geschenkes, die sich ein gesunder Mensch überhaupt nicht vorstellen könne. „Ein Siebener im Sechser-Lotto.“

Mehr Reflexion, mehr Anteilnahme

Trotzdem, auch wenn er selber direkt betroffen ist, urteilen möchte er nicht: „Es ist und bleibt eine schwierige Sache.“ Dennoch wünscht er sich, dass ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Organspende erwächst und vor allem, die Menschen nicht hinter Beschlüssen verschwinden, dass mehr Aufklärung passiert, mehr Reflexion, mehr Anteilnahme. „Wer nicht betroffen ist und nicht damit konfrontiert wird, den interessiert es nicht.“

Thema in der Gesellschaft nicht angekommen

Er selbst habe sich jahrelang intensiv für die Organspende eingesetzt, „mit Infoständen in Siegens Oberstadt“. Nach sechs Stunden sei er dann manchmal völlig ernüchtert nach Hause gekommen – „ich konnte vielleicht ein, zwei Ausweise an den Mann bringen.“ Das Thema sei in der Gesellschaft nicht angekommen („Wieso verschwinden gute Dokus mit Inhalt darüber in den hintersten Programmen?“). Im Zuge dieser Eigeninitiative sei er dann durch den Tipp eines Bekannten zu – über Ecken bekannten – Motorradclubs gegangen, um dort für den Organspendeausweis vorzusprechen. „Erst wollte ich das nicht machen, das traue ich mich nicht, hab’ ich zu meinem Bekannten gesagt.“ Gegangen ist er aber doch – und dabei auf viel Akzeptanz getroffen. „Die haben einen anderen Umgang im Verständnis von Leben und Tod, setzen sich damit mehr auseinander, sind näher dran an dem ganzen Thema.“ Ein Motorradfahrer habe dann während des Ausfüllens eines Organspendeausweises einen Satz zu ihm gesagt, der noch lange nachgehallt sei: „Wenn mir etwas passiert, dann hätte ich auch gerne geholfen.“

Seit 2012 hat er ein neues Leben: Wolfgang Dickel aus Erndtebrück bekam ein Spenderorgan.
Nicht nur an der Marburger Straße in Erndtebrück – im ganzen Kreis werben zur Zeit Plakate wie dieses für den Ausweis.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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