Erndtebrücker Caritas-Heim nun doch an den Ratsstuben?

CDU: »Keine Möglichkeit, den neuen Standort noch zu diskutieren« / FDP warnte vor möglichen Prozessen, Bürgermeister vor Regressforderungen

Erndtebrück. Nach der gestrigen Sitzung des Erndtebrücker Gemeinderates deutet viel darauf hin, dass das Caritas-Seniorenheim nun doch an dem ursprünglich favorisierten Grundstück an den Ratsstuben errichtet wird. Eine Schlussfolgerung, die vor allem die Aussage des Fraktionssprechers der CDU-Mehrheitsfraktion, Fritz Hoffmann, untermauerte: »Die CDU sieht keine Möglichkeit, den neuen Standort noch zu diskutieren.«

Der neue Standort, damit war das Gelände der ehemaligen Erndtebrücker Creativ-Weberei gemeint, das die Christdemokraten mit einem Antrag für die gestrige Ratssitzung selbst mit ins Gespräch gebracht hatten (die Siegener Zeitung berichtete). »Um dem Bürgerwillen Rechnung zu tragen und zu prüfen, ob dies machbar ist oder nicht«, wie Fritz Hoffmann erläuterte. Die Gründe, warum die Christdemokraten nun doch das Ratsstuben-Areal favorisierten, hätten sich aus einem Gespräch mit Caritas-Geschäftsführer Thomas Griffig ergeben. Der nämlich habe betont, dass das Gelände an der Mittelstraße mit rund 10000 Quadratmetern viel zu groß sei und eine eventuelle Nutzung der vorhandenen Gebäude für eine Senioreneinrichtung nicht den aktuellen Anforderungen entsprächen.

Zuvor hatte Bürgermeister Heinz-Josef Linten noch einmal an den Gemeinderat appelliert, »nach 90 Prozent des Weges nicht umzuschwenken und aufgebautes Vertrauen zu zerstören«. Er halte den Weberei-Standort an der Mittelstraße nicht für besser, so der Verwaltungsleiter, ein Abriss der Fabrikgebäude verursachte einen erheblichen Kostenaufwand. Zugleich warnte der Bürgermeister vor möglichen »Regressforderungen in sechsstelliger Höhe« durch Architekten und Planer. Er nehme die Bedenken der Anwohner ebenso wie die gesamte Verwaltung sehr ernst, fakt sei aber auch, dass nahezu jede kommunale Baumaßnahme bei einigen Bürgern auf Widerstand stoße. Sein Fazit: »Wenn jetzt alles neu aufgerollt wird, war die bisher geleistete Arbeit für die Katz.«

Eine völlig andere Auffassung vertraten gestern Abend die Fraktionen von SPD, FDP und UWG. Antje Laues-Oltersdorf, Fraktionssprecherin der Sozialdemokraten, hielt die Eile des Bürgermeisters für völlig übertrieben. Es sei eine Illusion zu glauben, dass mit dem Projekt noch in diesem Jahr begonnen werde. Die SPD-Frau rief noch einmal in Erinnerung, »dass wir bei diesem Klotz auf dem relativ engen Gelände schon immer Bauchschmerzen hatten«. Nun sei eine Alternative vorhanden, die man untersuchen solle. Abschließend meinte Antje Laues-Oltersorf: »Wir lassen uns nicht unter Druck setzen und treffen mit Sicherheit keine Beschlüsse, die wir nachher bereuen.«

UWG-Fraktionsvorsitzender Heinrich-Wilhelm Wörster unterstrich, dass für das Projekt vor den Ratsstuben noch kein Baurecht vorhanden sei und warnte einmal mehr vor einer »städtebaulichen Sünde«. Für den UWG-Vertreter war die Angelegenheit eine Sache des Abwägens. Entweder nehme man eine Verzögerung des Projektes für zwei oder drei Jahre in Kauf oder Erndtebrück lebe über Jahrzehnte mit der besagten Sünde. Das Areal an der Mittlstraße halte er nach wie vor für eine »untersuchenswerte Alternative«. Noch dazu sei es für die politischen Gremien schwierig, sich einfach über die Einsprüche der Anwohner hinweg zu setzen.

Einen nicht unwesentlichen Aspekt brachte FDP-Fraktionsvorsitzender Heinz-Georg Grebe ins Gespräch. Niemand könne vorhersagen, so der Freidemokrat, ob Anwohner im Bereich der Ratsstuben ihre Einwände möglicherweise vor Gericht durchsetzen wollten: »Dann verzögert sich die Sache vielleicht noch sehr viel länger, als wir das im Moment für möglich halten«. Heinz-Georg Grebe kritisierte die Verwaltung dahingehend, dass der Ratsstuben-Standort schon immer kritisch gesehen worden sei, »wir aber vor vollendete Tatsachen gestellt wurden«.

Ziel müsse es sein, ein Seniorenheim nicht gegen, sondern mit dem Bürger zu bauen. Gegen das von der Verwaltung favorisierte Areal spreche zudem, »dass es dort praktisch keine Erweiterungsmöglichkeiten gibt«. Mit den 66 Plätzen sei das Potenzial ausgereizt. Die Diskussion war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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