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Eine echte Tortur
Erndtebrücker Luftwaffensoldat lief 430 Kilometer

Mit Applaus empfing auch Oberst Jörg Sieratzki als Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2 (l.) Carsten Hermann beim Rathaus in Erndtebrück
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  • Mit Applaus empfing auch Oberst Jörg Sieratzki als Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2 (l.) Carsten Hermann beim Rathaus in Erndtebrück
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

bw Erndtebrück. Eine echte Tortur brachte Carsten Hermann hinter sich. Der Luftwaffensoldat lief 430 Kilometer in acht Tagen von Holzdorf/Schönewalde bis Erndtebrück – von Ost nach West, von dem einen verbliebenen Standort des Einsatzführungsdienstes zum anderen übrig gebliebenen. Es war ein langer Marsch, den der 51-jährige Siegener mit einer starken Botschaft verband. Denn Anlass für die abenteuerliche Aktion war der 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung.
„Das ist unser Tag“, meinte der sichtlich geschaffte Stabsfeldwebel beim Empfang im Erndtebrücker Rathaus, wo er sich ins goldene Buch der Edergemeinde eintragen durfte. Gemeint war mit der Aussage der Feiertag der Deutschen Einheit. „Was wir in den 30 Jahren geschafft haben, ist wirklich stark“, betonte Carsten Hermann.

bw Erndtebrück. Eine echte Tortur brachte Carsten Hermann hinter sich. Der Luftwaffensoldat lief 430 Kilometer in acht Tagen von Holzdorf/Schönewalde bis Erndtebrück – von Ost nach West, von dem einen verbliebenen Standort des Einsatzführungsdienstes zum anderen übrig gebliebenen. Es war ein langer Marsch, den der 51-jährige Siegener mit einer starken Botschaft verband. Denn Anlass für die abenteuerliche Aktion war der 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung.
„Das ist unser Tag“, meinte der sichtlich geschaffte Stabsfeldwebel beim Empfang im Erndtebrücker Rathaus, wo er sich ins goldene Buch der Edergemeinde eintragen durfte. Gemeint war mit der Aussage der Feiertag der Deutschen Einheit. „Was wir in den 30 Jahren geschafft haben, ist wirklich stark“, betonte Carsten Hermann. „Wir sind auf einem guten Weg.“ Wie er selbst auf seiner letzten Etappe am Montag, die ihn von Frankenberg zurück nach Erndtebrück führte, befinde sich Deutschland im Endspurt des Zusammenwachsens. Es sei viel erreicht worden, das habe er auf seinem Weg von Ost nach West erlebt. Denn: „Zu Fuß sieht man mehr, als wenn man im Auto durch die Gegend fährt. Es hat sich eine Menge getan. Wir haben ein wunderbares Deutschland. Darauf können wir zurecht stolz sein.“

Zehn Marathons in acht Tagen

Am Montag vor einer Woche war Carsten Hermann vom Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 3, Oberst Andreas Springer, und den Bürgermeistern der beiden Gemeinden Jessen und Schönewalde verabschiedet worden. „Mit großer Herzlichkeit“, wie der Siegener berichtete. Der Weg durch den Osten Deutschlands wurde länger als gedacht, so dass aus ursprünglich geplanten 410 die erwähnten 430 Kilometer wurden – das sind durchschnittlich übrigens 54 Kilometer pro Tag oder anders ausgedrückt: zehn Marathons in acht Tagen. Besonders beeindruckend sei für ihn die Überquerung der einstigen innerdeutschen Grenze bei Eichsfeld gewesen. Dort im Museum seien die Grausamkeiten dargestellt, die diese Grenze für die Menschen bedeutete. Carsten Hermann stellte daher unmissverständlich fest: „Solche Grenzen haben keine Existenzberechtigung.“ Dies gilt zum Glück seit der Wiedervereinigung auch für die Panzerstellungen, die einst als Verteidigungslinie auf den Kasseler Höhen dienten: „Die gibt es nicht mehr – und das ist auch gut so.“
Ein paar neue Beine wünschte sich der 51-Jährige nach seiner Ankunft in Erndtebrück. Die vielen Kilometer, aber auch die rund 1000 Höhenmeter pro Tag auf den finalen Etappen haben ihre Spuren hinterlassen: „Die ziehen einem einfach den Stecker.“ Dabei seien es ja nicht die Beine, die ihn getragen hätten, erklärte Carsten Hermann: „Es ist ein mentales Ding. Es ist der Kopf, der einen trägt.“ Deshalb ließ es sich der Siegener auch nicht nehmen, die letzten Meter vom Rathaus noch hinauf bis zur Kaserne zu laufen – aller Schmerzen zum Trotz. Er müsse das noch für sich zu Ende bringen, verriet Carsten Hermann, der zuletzt schon mit einem Spendenlauf auf sich aufmerksam gemacht hatte (die SZ berichtete ausführlich).

„Ein Band, das die Einheit widerspiegelt“

Neben seiner Familie empfing den Siegener am Rathaus auch sein „Chef“, Oberst Jörg Sieratzki. Der Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2 offenbarte, er sei fraglos begeistert gewesen, als ihm Carsten Hermann die Idee für diesen Lauf vorgebracht habe. Er habe die deutsche Teilung noch selbst erlebt, erinnerte sich der Standortälteste der Hachenberg-Kaserne. Dass von den einst zehn Radarstellungen in der Bundesrepublik und den sieben Bataillonen in der DDR heute noch zwei Einsatzführungsbereiche übrig und die dann auch noch im Westen in Erndtebrück und im Osten in Holzdorf/Schönewalde beheimatet seien, „ist auch irgendwie sinnbildlich für die Einheit“, meinte der Kommandeur des Erndtebrücker Einsatzführungsbereiches 2, der mit dem „Schwesterverband“ in Holzdorf/Schönewalde ja für die Überwachung des gesamtdeutschen Luftraums verantwortlich ist.
Beifall spendete vor dem Rathaus auch Bürgermeister Henning Gronau, der diese „symbolträchtige Aktion“ mit dem Eintrag in das goldene Buch zu würdigen wusste. Für Carsten Hermann ist die Verbindung zwischen den Standorten Erndtebrück und Holzdorf/Schönewalde „ein Band, das die Einheit widerspiegelt“. Es sei ja ein Alleinstellungsmerkmal, dass sich ein Verband im Westen und ein Verband im Osten einen so wichtigen Aufgabenbereich teilten. Seit 30 Jahren arbeiten der Erndtebrücker Luftwaffenstandort und der frühere NVA-Verband eng zusammen und betreiben die beiden einzigen Luftraumüberwachungszentralen der deutschen Luftwaffe.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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