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Kritik am Regionalplan aus Birkelbach
Es wirkt fast wie Zwangsenteignung

Tobias Trapp nutzt diese Wiese aktuell noch für sein Vieh. Eine Umwandlung in eine Naturschutzfläche könnte bedeuten, dass er erheblich weniger Tiere auf dieser Wiese unterbringen kann.
  • Tobias Trapp nutzt diese Wiese aktuell noch für sein Vieh. Eine Umwandlung in eine Naturschutzfläche könnte bedeuten, dass er erheblich weniger Tiere auf dieser Wiese unterbringen kann.
  • Foto: Christian Völkel
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

vc Birkelbach. Birkelbach erstreckt sich zu weiten Teilen links und rechts des gleichnamigen Baches, die Grundstücke reichen bis an das Bachbett heran – und in diese Gemengelage kommt nun der Regionalplan-Entwurf mit einer Planfläche mit dem Kürzel BSN, einem Bereich zum Schutz der Natur. Die geplante Naturschutzfläche reicht sowohl an der Winter- als auch an der Sommerseite bis an die Grundstücke heran – was für wenig Begeisterung im sonst so friedlichen Dorf sorgt.

„Je nach Plan – es gibt da unterschiedliche Varianten – geht das Naturschutzgebiet direkt an unseren Garten. Das restliche Grundstück bis zum Bach wäre dann wertlos“, ärgert sich Sascha Altegoer, der mit seiner Familie an der Sommerstraße wohnt. Nach einer weiteren Planvariante wäre sein Garten nicht tangiert.

vc Birkelbach. Birkelbach erstreckt sich zu weiten Teilen links und rechts des gleichnamigen Baches, die Grundstücke reichen bis an das Bachbett heran – und in diese Gemengelage kommt nun der Regionalplan-Entwurf mit einer Planfläche mit dem Kürzel BSN, einem Bereich zum Schutz der Natur. Die geplante Naturschutzfläche reicht sowohl an der Winter- als auch an der Sommerseite bis an die Grundstücke heran – was für wenig Begeisterung im sonst so friedlichen Dorf sorgt.

„Je nach Plan – es gibt da unterschiedliche Varianten – geht das Naturschutzgebiet direkt an unseren Garten. Das restliche Grundstück bis zum Bach wäre dann wertlos“, ärgert sich Sascha Altegoer, der mit seiner Familie an der Sommerstraße wohnt. Nach einer weiteren Planvariante wäre sein Garten nicht tangiert. Der Birkelbacher weiß aber auch, dass nicht alle so viel Glück hatten. „Der Nachbar hat zwei Baugrundstücke, die betroffen sind“, berichtet Sascha Altegoer.

"Was mich stört, ist das Prozedere. Wir haben die Informationen nur per Zuruf im Dorf bekommen."
Erhard Nölling,
Landbesitzer in Birkelbach

Erhard Nölling ist der Besitzer der zwei angesprochenen Baugrundstücke. „Das Naturschutzgebiet würde an die Grenze des Baugrundstücks reichen. Von dort bis zum Talgrund wäre es dann durchgängig Naturschutzgebiet.“ Ein weiteres Problem, so teilt er der Siegener Zeitung mit, sei ein landwirtschaftlich genutztes Grundstück unterhalb des Sportplatzes, das bis zur Einmündung des Birkelbach in die Eder reicht. „Hier ist die Frage, ob ein gut 25 mal 25 Meter breiter Streifen – die Pläne der Bezirksregierung sind da ungenau – nicht dazu führen würde, dass das Grundstück für Landwirte unattraktiv wird.“ Er persönlich verschließe sich nicht dem Naturschutz. Da müsse man aktiv werden.

„Was mich stört, ist das Prozedere. Wir haben die Informationen nur per Zuruf im Dorf bekommen. Viele, die im Ort noch Landwirtschaft betreiben, waren aufgeschreckt. Was der Plan im Endeffekt bedeutet, wissen wir noch nicht.“ Er habe Einspruch eingelegt und die Kritik, vor allem hinsichtlich der Kommunikation, klar formuliert. Deshalb unterstreicht der Birkelbacher: „Ich glaube, die haben sich da einen Bärendienst erwiesen.“ Er hoffe auf einen Prozess, der mehr Bürgerbeteiligung ermögliche. Einen Prozess, der beispielsweise über die Gemeinde koordiniert werde: „Vielleicht kann man im Zuge eines solchen Prozesses das eine oder andere Missverständnis ausräumen.“

Kommunikation? Nicht vorhanden

Auch Sascha Altegoer regt es auf, dass die Kommunikation seitens der Bezirksregierung „nicht gegeben“ war. „Es kann nicht angehen, dass so eine Planung im stillen Kämmerlein stattfindet. Wir betroffenen Grundstückseigentümer wurden nicht informiert. Für mich fühlt sich das wie eine Zwangsenteignung an.“ Froh sei er hingegen über die gute Information und Kommunikation im Dorf.

Dem stimmte auch sein Schwager Tobias Trapp zu. Der Landwirt betreibt einen Bauernhof zwischen Birkelbach und Birkefehl. „Als ich mich damit beschäftigt habe, wurde klar, dass einige meiner landwirtschaftlichen Nutzflächen betroffen sind“, betont der Landwirt, der aus seiner Stellungnahme an die Bezirksregierung Arnsberg zitiert. „Eine zusätzliche Verschärfung der Flächennutzungsbedingungen durch einen erweiterten Naturschutz, wie es dem Regionalplanentwurf zu entnehmen ist, würde uns erheblich in der Ernte und Weidehaltung beeinträchtigen. Wir würden dadurch in unserer bereits sehr naturnahen Herangehensweise an bzw. über unsere Grenzen kommen.“

Sorgen um die Existenz

Eine daraus resultierende Reduzierung des Viehbestandes sei doch keine Alternative. Auch da gehe schnell es an die Existenz. Über die Unterstützung durch die Kommunalpolitik war Tobias Trapp froh. Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau habe informiert. Der Verwaltungschef bestätigt das rege Interesse an Informationen: „Ich freue mich, dass sich so viele private Akteure am Verfahren beteiligen und wir gemeinsam Erndtebrücker Entwicklungsinteressen schützen. Wir haben in vielen Fällen von Privatpersonen Anfragen erhalten und es haben viele Gespräche stattgefunden, unter anderem auch mit Birkelbacher Bürgern.“

Eine Stellungnahme zum Regionalplan-Entwurf aus Arnsberg ist noch bis einschließlich Mittwoch, 30. Juni, möglich.

Autor:

Christian Völkel

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