SZ

Weihnachten in den 1950er-Jahren
Früher war mehr Lametta

Ohne Baum kein Weihnachten. Das galt auch schon in den 50er-Jahren, auch wenn in Wittgenstein damals noch zur heimischen Fichte statt zur Nordmanntanne gegriffen wurde.
5Bilder
  • Ohne Baum kein Weihnachten. Das galt auch schon in den 50er-Jahren, auch wenn in Wittgenstein damals noch zur heimischen Fichte statt zur Nordmanntanne gegriffen wurde.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Praktikant Online

ako Erndtebrück. Rund um das Weihnachtsfest ranken sich zahlreiche liebgewonnene Bräuche und Rituale, die sich einhergehend mit den Jahrzehnten verändert haben. Die SZ hat aus diesem Grunde mit Rainer Lückel und Heidemarie Horaczek-Körnert vom Heimatverein Erndtebrück gesprochen. Wenn sich die beiden Experten für Wittgensteiner Heimatgeschichte an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit in den 1950er-Jahren zurückerinnern, haben sie ein breites Lächeln im Gesicht. Die Gerüche, Stimmungen und Gefühle von damals sind immer noch präsent.
Alles eine Geldfrage„Als wir Kinder waren, begann die Weihnachtszeit mit dem Advent“, sagt Heidemarie Horaczek-Körnert.

ako Erndtebrück. Rund um das Weihnachtsfest ranken sich zahlreiche liebgewonnene Bräuche und Rituale, die sich einhergehend mit den Jahrzehnten verändert haben. Die SZ hat aus diesem Grunde mit Rainer Lückel und Heidemarie Horaczek-Körnert vom Heimatverein Erndtebrück gesprochen. Wenn sich die beiden Experten für Wittgensteiner Heimatgeschichte an die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit in den 1950er-Jahren zurückerinnern, haben sie ein breites Lächeln im Gesicht. Die Gerüche, Stimmungen und Gefühle von damals sind immer noch präsent.

Alles eine Geldfrage

„Als wir Kinder waren, begann die Weihnachtszeit mit dem Advent“, sagt Heidemarie Horaczek-Körnert. So ziemlich jede Wittgensteiner Familie band sich ihren Adventskranz selber und schmückte diesen mit Kerzen und Schleifen: „Der wurde fast ausschließlich selbst hergestellt. Mit Fichtenzweigen, die man aus dem Wald geholt hat“, erklärt Rainer Lückel, Vorsitzender des Heimatvereins – und fügt an: „Gekauft haben ihn damals wohl nur die Wenigsten. Es war in der Zeit alles eine Geldfrage.“

Kurz vor den Festtagen spielte sich das Leben hauptsächlich in der Küche ab. In der Weihnachtszeit lag der Geruch
von Bratäpfeln in der Luft.
  • Kurz vor den Festtagen spielte sich das Leben hauptsächlich in der Küche ab. In der Weihnachtszeit lag der Geruch
    von Bratäpfeln in der Luft.
  • Foto: ako
  • hochgeladen von Praktikant Online

Heidemarie Horaczek-Körnert erzählt, dass es damals noch keine Gestecke mit vier Kerzen gab – es war immer ein Kranz: „Der Adventskranz wurde meistens von unserer Oma gebunden. Entweder stand er auf einem Ständer auf dem Tisch oder er hing an der Decke“, weiß die 73-Jährige. Alle Jungen und Mädchen hätten dem Anzünden der ersten Kerze dann entgegengefiebert, betont Rainer Lückel.
Er kann sich noch ganz genau an die Adventskalender von früher erinnern: „Die konnte man in den Krämerläden kaufen. Die hatten Türchen und dahinter waren nur weihnachtliche Bildchen, aber keine Schokolade.“ Diese war in den 50er-Jahren nämlich sehr wertvoll: „Schokolade war ein kostbares Gut“, sagt Heidemarie Horaczek-Körnert. Gleiches galt für Süßigkeiten. Die Süßwaren wurden zudem erst kurz vor Weihnachten in den Dorfläden angeboten – und nicht wie heute schon im Sommer.

Plätzchen backen war ein Muss

Das Leben spielte sich kurz vor den Festtagen hauptsächlich in der Küche ab. Horaczek-Körnert und Lückel erinnern sich noch an die Wärme des Ofens und den Duft von Bratäpfeln: „Das gab ja immer eine ganz besondere Atmosphäre und einen besonderen Geruch im Haus. Da kam vorweihnachtliche Freude auf“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins. Für Heidemarie Horaczek-Körnert war das Backen von Keksen stets ein tolles Erlebnis: „Plätzchenbacken war in meiner Kindheit ein Muss, aber oft eine doppelte Arbeit. Die erste Serie wurde schnell vernascht.“

Rainer Lückel.

In der Regel bereiteten die Mütter das Weihnachts-Festessen vor. Kartoffelsalat mit Würstchen an Heiligabend und an Weihnachten Gans mit Grünkohl und Rotkohl hat es immer bei Heidemarie Horaczek-Körnert gegeben. Aus den anderen Häusern im Dorf roch es schon Tage zuvor nach Braten. „Das Weihnachtsessen war immer üppig und köstlich. Fleisch war ja keine tägliche Mahlzeit, sondern etwas Besonderes“, betont Reiner Lückel. „Alles, was mit Weihnachten zu tun hat, hat auch etwas mit den Düften und Aromen zu tun“, sagt Heidemarie Horaczek-Körnert.

Glaskugel, echte Kerzen und ganz viel Lametta

Die 73-Jährige wuchs in Erndtebrück auf, Rainer Lückel in Raumland. Was das Thema Weihnachten betrifft, gab es dem Vereinsvorsitzenden zufolge in den 50er-Jahren in Wittgenstein aber keine großen Unterschiede: „Das war bei jeder Familie ziemlich ähnlich.“ So auch der Tannenbaum, oder besser gesagt, eine kleine Fichte, die kurz vor dem Fest selber geschlagen und am Morgen bzw. Vormittag von Heiligabend aufgestellt – meist in einem altem Christbaumständer aus Gusseisen – und geschmückt wurde.

Dekoriert wurde der Weihnachtsbaum unter anderem mit Glaskugeln, massig Lametta und echten Wachskerzen: „Der Weihnachtsschmuck hat sich verändert. Lametta war damals noch mit Blei behaftet und wurde jedes Jahr wiederverwendet. Heute ist das Material nicht mehr erlaubt“, sagt Heidemarie Horaczek-Körnert.

Heidemarie Horaczek-Körnert.

Der Besuch in der Kirche sowie das Singen von Liedern durfte an Heiligabend und den Weihnachtstagen auch nicht fehlen – „man hat es zumindest versucht“, scherzt Rainer Lückel. Heidemarie Horaczek-Körnert erklärt, dass früher viel mehr gesungen wurde, als es heute üblich ist: „Es war wohl die große Vorfreude auf die Bescherung, die unsere Stimmen klingen ließ.“

Fleisch war ja keine tägliche Mahlzeit, sondern etwas Besonderes.
Rainer Lückel
über das Weihnachtsessen

Die Christbaumständer waren früher sehr schwer, da sie in der Regel aus Gusseisen gefertigt wurden.
  • Die Christbaumständer waren früher sehr schwer, da sie in der Regel aus Gusseisen gefertigt wurden.
  • Foto: ako
  • hochgeladen von Praktikant Online

Die Bescherung fiel in den 50er-Jahren im Vergleich zu heute bescheiden aus, die Zahl der Weihnachtsgeschenke, die vom Christkind gebracht wurden, war sehr überschaubar. Es gab ein oder zwei Teile – mehr nicht. Laut Rainer Lückel war damals das Besondere an den wenigen Geschenken, dass es sich um echte Einzelstücke handelte: „Meistens gab es Blech- oder Holzspielzeug. Man hat genau darauf geachtet, dass es nicht kaputt geht“, erklärt der 73 Jahre alte Vorsitzende, der sich gerne an die langen Nächte zurückerinnert: „Als Kinder durften wir Weihnachten immer so lange aufbleiben, wie wir wollten. Das war oft weit nach Mitternacht, da lagen unsere Eltern schon im Bett und waren am schlafen, während wir uns noch mit unseren Spielsachen beschäftigt haben.“

An den Weihnachtstagen kam dann die Familie zu Besuch und brachte noch kleine Präsente mit. So bekamen die Kinder von ihren Großeltern oder Paten kleine Tütchen mit Plätzchen und Süßigkeiten oder in seltenen Fällen auch mal ein Geldgeschenk: „Wenn man Glück hatte, waren da auch mal 10 D-Mark drin“, betont Rainer Lückel. Heidemarie Horaczek-Körnert lacht: „Ohh, das war aber schon viel.“

Autor:

Alexander Kollek

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige
2 Bilder

Neues Angebot auf 57immo.de
Jetzt Immobilie von Experten bewerten lassen

Gründe für eine Immobilienbewertung gibt es viele: Sie kann erforderlich sein für den Kauf oder Verkauf eines Hauses, beim Schließen eines Ehevertrages oder auch beim Verschenken des Eigentums an die Kinder. Allgemein gilt: Wer den Wert seiner Immobilie kennt, hat in vielen Situationen einen Vorteil. Mit der Immobilienbewertung der Vorländer Mediengruppe bekommen Haus- und Wohnungsbesitzer nun ein passendes Werkzeug zur schnellen und zuverlässigen Einschätzung des Wertniveaus an die Hand – und...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.