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Viel Sängerfrust statt Sangeslust
Für die Chöre bleibt Corona eine prekäre Situation

In Reih und Glied machen die Chöre schon viel her – wie soll das nur funktionieren, wenn alle Sänger sechs Meter Abstand zueinander halten sollen? Eine entsprechend große Bühne gibt es gar nicht für Chöre wie den MGV „Sangeslust“ Birkefehl. Archivfoto: Björn Weyand
  • In Reih und Glied machen die Chöre schon viel her – wie soll das nur funktionieren, wenn alle Sänger sechs Meter Abstand zueinander halten sollen? Eine entsprechend große Bühne gibt es gar nicht für Chöre wie den MGV „Sangeslust“ Birkefehl. Archivfoto: Björn Weyand
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bw Birkefehl. Die Situation für die Chöre ist in der Corona-Krise prekär. Während langsam etwas Leben in die Sportvereine einkehrt, ist an einen Wiedereinstieg in Proben für die aktiven Sängerinnen und Sänger bislang undenkbar. Und ein guter Teil der Aktiven gehört ja der Risikogruppe der älteren Menschen an. Die SZ sprach über diese Situation mit dem Birkefehler Christian Dellori, Vorsitzender des Sängerkreises Wittgenstein.

SZ: Haben Sie Angst um die Zukunft des heimischen Chorwesens?
• Christian Dellori: „Richtige Angst, will ich nicht sagen, aber große Sorgen! Zurzeit bekommen wir durch die alten und neuen Medien mit, dass besonderes Augenmerk auf den Sängern und Bläsern liegt.

bw Birkefehl. Die Situation für die Chöre ist in der Corona-Krise prekär. Während langsam etwas Leben in die Sportvereine einkehrt, ist an einen Wiedereinstieg in Proben für die aktiven Sängerinnen und Sänger bislang undenkbar. Und ein guter Teil der Aktiven gehört ja der Risikogruppe der älteren Menschen an. Die SZ sprach über diese Situation mit dem Birkefehler Christian Dellori, Vorsitzender des Sängerkreises Wittgenstein.

SZ: Haben Sie Angst um die Zukunft des heimischen Chorwesens?
Christian Dellori: „Richtige Angst, will ich nicht sagen, aber große Sorgen! Zurzeit bekommen wir durch die alten und neuen Medien mit, dass besonderes Augenmerk auf den Sängern und Bläsern liegt. Also auf den Personen, die mit Hilfe ihres eigenen Atemstroms einen Ton erzeugen und diesen gekonnt zum Klingen bringen. Hierbei strömt natürlich die mit den sogenannten Aerosolen angereicherte Luft in die Umgebung. Inwiefern dieser Vorgang nun wirklich zur stärkeren Ausbreitung des Coronavirus beiträgt, ist noch völlig unklar. Eine Forschungsgruppe der Hochschule für Musik in Freiburg hat jedoch bereits festgestellt, dass die Atemströmung beim Singen und Blasen nicht so stark ist wie beim Niesen oder Husten. Vielleicht ist das ein kleiner Lichtschein im Dunkeln…“

SZ Haben Sie sich einmal Gedanken darüber gemacht, wie man bei weiteren Lockerungen eventuell wieder in den Probenbetrieb einsteigen könnte?
Christian Dellori: „Genau mit dieser Fragestellung hat sich bereits unser Chorverband NRW beschäftigt. Vorgeschlagen wird zum Beispiel ein Wiedereinstieg mit Registerproben, also mit stark reduzierter Sängerzahl (etwa nur der 1. Bass). Es wird jedoch auch vorgeschlagen, jeweils sechs Meter Abstand zu den anderen Aktiven zu halten bzw. zwischen den Aktiven gegebenenfalls Spuckschutzwände aufzustellen. Die Probendauer je Einheit sollte zunächst 45 Minuten nicht überschreiten. Anschließend wären die Räume stark durchzulüften. Doch die aktuell geltende Corona-Schutzverordnung vom 11. Mai verbietet uns diesen Lösungsansatz zumindest noch bis zum 25. Mai konsequent.“

SZ: Ist Gesang mit Mindestabstand oder mit Mund-Nasen-Maske denn denkbar?
Christian Dellori: „Ein Mindestabstand von 1,5 Meter oder sogar 6 Meter (!) ist schon die erste große Hürde in unseren Proberäumen. Die übrigen Vorkehrungen wie Desinfektion von Händen und Inventar sowie die Führung von Anwesenheitslisten und Stellplänen verringern den Aufwand zwar nicht, doch ist das alles schnell umsetzbar. Einem Singen mit Mund-Nasen-Maske gebe ich wenig Chance, da die widrigen Umstände bereits beim länger dauernden Einkauf sehr deutlich werden. Hier habe auch ich meine Meinung zu dieser möglichen Teillösung in den letzten Wochen geändert.“

SZ: Wie wichtig ist es, in dieser Zeit zumindest den Kontakt zu den Sängerinnen und Sängern aufrecht zu erhalten?
Christian Dellori: „Ich hoffe und wünsche, dass die Sängerinnen und Sänger in ihren Chören gut vernetzt sind. Sei es über Telefon, E-Mail, Facebook oder andere Medien. Der einfache, persönliche Kontakt wie bei einem Gespräch mit seinem Gegenüber ist zurzeit sehr eingeschränkt. Ich persönlich denke da mit viel Wehmut an die Zeit vor Corona zurück, als wir immer noch tolle Stunden nach den Chorproben hatten.“

SZ: Wie zuversichtlich sind Sie, dass die Chöre nach dieser wohl oder übel noch länger andauernden Zwangspause einen Neustart schaffen können?
Christian Dellori: „Einen Neustart kann und wird es geben, egal in welcher Form und unter welchen Umständen. Da bin ich mir sicher. Nur der Zeitpunkt zum ,Go‘ ist leider so noch nicht absehbar. Da wäre ein Impfstoff schon sehr von Vorteil, damit insbesondere auch unsere Sängerinnen und Sänger der Risikogruppe wieder voll mit einsteigen können. Andernfalls würde uns bestimmt eine große Anzahl von Aktiven zumindest vorerst wegbrechen.“

SZ: Wie sehr vermissen Sie die gemeinsamen Proben und den Gesang?
Christian Dellori: „Sehr! Die Chorprobe ist für mich als aktiver Sänger ein fester Termin im Ablauf einer jeden Woche des Jahres. Er ist einfach gesetzt – darauf freue ich mich schon Tage zuvor. Da wir beim MGV Birkefehl montags um 18.15 Uhr mit der Probe beginnen und somit für unseren Chorleiter der erste Chor seiner Arbeitswoche sind, ist er dann gut drauf, es gibt auch in der Probe immer etwas zu Lachen. So kann die Probe doch mit viel Freude und Zielstrebigkeit durchgeführt werden. Und auch nach der Probe bleibt immer noch reichlich Zeit, um das vergangene Wochenende Revue passieren zu lassen. Ich hoffe sehr, dass das alles in bisher gewohnter Form zurückkommt!“

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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