SZ

Erndtebrücker besitzt einen Adelssitz in Dreis
Für die Nachbarn ist er der Burgherr

Die Burg Dreis gilt als Schmuckstück im Dorf und weit darüber hinaus. Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz hat die Anlage komplett saniert.
4Bilder
  • Die Burg Dreis gilt als Schmuckstück im Dorf und weit darüber hinaus. Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz hat die Anlage komplett saniert.
  • Foto: vc
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

vc Dreis/Erndtebrück. „Der Adel hat mich, so weit ich zurückdenken kann, immer fasziniert. Meine Eltern wussten: Wenn man dem Jungen eine Freude bereiten will, muss ein Schloss Ziel des Sonntagsausfluges sein.“ Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz steht im großen Festsaal von Burg Dreis und zeigt den Besuchern aus dem Wittgensteiner Land das Werk einer Kölner Künstlerin, die ihm ihr Werk vermacht hat – im Wissen, dass es einen würdigen Platz finden würde. Seit dem 26. Oktober 2011 ist der Erndtebrücker Schlossherr in Dreis, einem 600-Seelen-Dorf in der Vulkaneifel. Schon nach der Begrüßung des Besuchs entschuldigt sich der Erndtebrücker für die „Baustelle“ – die sich sauber aufgeräumt neben frisch geharkten Kiesflächen präsentiert.

vc Dreis/Erndtebrück. „Der Adel hat mich, so weit ich zurückdenken kann, immer fasziniert. Meine Eltern wussten: Wenn man dem Jungen eine Freude bereiten will, muss ein Schloss Ziel des Sonntagsausfluges sein.“ Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz steht im großen Festsaal von Burg Dreis und zeigt den Besuchern aus dem Wittgensteiner Land das Werk einer Kölner Künstlerin, die ihm ihr Werk vermacht hat – im Wissen, dass es einen würdigen Platz finden würde. Seit dem 26. Oktober 2011 ist der Erndtebrücker Schlossherr in Dreis, einem 600-Seelen-Dorf in der Vulkaneifel. Schon nach der Begrüßung des Besuchs entschuldigt sich der Erndtebrücker für die „Baustelle“ – die sich sauber aufgeräumt neben frisch geharkten Kiesflächen präsentiert. „Ich mache fast alles selbst – und dazu gehören auch Erdarbeiten. Das Pflastern überlasse ich dann aber den Profis – das ist mir zu heikel“, sagt der bis im Vorjahr aktive Malermeister. Er ist ein Perfektionist, der am liebsten alles selbst gestaltet.

Dieser Burgherr ist ein Tausendsassa

Komplette Burganlage saniert

Der Burgbesitzer hat in den neuneinhalb Jahren bereits die komplette Anlage saniert – inklusive Gesindehaus, in dem das Café „Hänneschen“ seinen Platz gefunden hat. „Am Anfang plante ich, erst einmal nur eine Etage zu sanieren. Dann hat es mich gepackt und ich habe in der Burg alles in einem Rutsch gemacht“, meint von Guretzky-Cornitz und führt in die kleine Kneipe. Die befindet sich im Gesindehaus und entstand eher zufällig. „Es war eine Schnapsidee – wie beim Café. Beim Café wurde ich mal gefragt, was ich denn mit dem Gesindehaus mache – und ich habe leichtsinniger Weise gescherzt, dort ein Café zu eröffnen. Da stand es für meine lieben Freunde fest, dass das Café kommt.

Kneipe war eine Schnapsidee

Und bei der Kneipe“, sagt der Neu-Dreiser Bürger und zeigt in eine urgemütliche rustikale Kneipe im Erdgeschoss des Gesindehauses. „Da war es eine Schnapsidee an einem Weihnachtsmarkt. Da fror das Bier in den Leitungen ein, bis jemand den Vorschlag machte, kurzerhand diesen Kellerraum aus- und das nötigste für eine Kneipe wieder einzuräumen.“ So hat Dreis mit dem neuen Besitzer nicht nur ein Café, sondern auch eine Kneipe bekommen. „Erst wenige Jahre zuvor hatte der letzte gastronomische Betrieb geschlossen“, erläutert Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz, der froh ist, im Ort eine tolle Nachbarschaft und zuverlässige Hilfe gefunden zu haben.

Nachbarn sind Freunde

„Das fängt bei den direkten Nachbarn an, die immer ein Auge auf die Burg werfen, wenn ich mal nicht da bin. Wenn ich da bin und nicht um 9 Uhr die Vorhänge offen habe, kommt der erste Anruf“, meint der Erndtebrücker und lächelt. „Das sind wirkliche Nachbarn und Freunde. Und genau so kann ich mich auf unseren Tischler und Gemeindehelfer verlassen. Ohne solche Hilfe ginge hier wenig.“ Der besagte Gemeindehelfer hält dann auch während des Interviews am Schloss, kurbelt die Scheibe hinunter und lädt den Schlossherren noch auf eine Tasse Kaffee ein. Die Nachbarschaft funktioniert offensichtlich. Zusammen hat man in Dreis schon Einiges gestemmt. Sommerfest, Weihnachtsmarkt, Cafébetrieb – Burg und Burgherr sind bekannt im Kreis Vulkaneifel und weit darüber hinaus. Stammgäste aus Koblenz, Trier und Köln haben Burg Dreis regelmäßig zum Ziel. „Ich hoffe, dass wenigstens das Café bald öffnen kann – und sei es als Außengastronomie. Ich öffne aber nur, wenn es Sinn macht“, betont der Burgmann. Burgmann – dieser Titel kommt von den Dreiser Nachbarn, die über die Jahre zu Freunden geworden sind. Wenn das Café Hänneschen öffnet, backt Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz übrigens höchstselbst. „Ich bin da eigen – in meinem Café backe und koche ich selbst. Das geht bis zur selbst gemachten Marmelade – die übrigens immer mit Schuss produziert wird.“ Dass der 57-Jährige dafür überhaupt Zeit findet, grenzt an ein Wunder.

Eltern leben noch in Erndtebrück

„Bis vergangenes Jahr bin ich immer gependelt zwischen Köln, wo ich mit meinem Partner wohne, Dreis mit der Burg und eben Erndtebrück. In Erndtebrück wohne ich immer noch, schließlich sind da meine Eltern, um die ich mich kümmere. Den dortigen Malerbetrieb habe ich – in Absprache mit meinem Vater – aufgegeben. Ich habe damit so lange gewartet, bis alle Angestellten eine neue Stelle gefunden haben.“ Es sei nicht leicht gewesen, seinem Vater Günther Hoffmann die Nachricht zu überbringen. Der reagierte sehr positiv und sagte zu seinem Sohn, dass dieser wohl die Eifel nicht weglassen könne und er froh sei, dass er endlich „auf den Trichter“ gekommen sei. Mit diesem Befreiungsschlag konnte sich Hans-Günter Hoffmann von Guretzky-Cornitz ganz dem Café widmen.
Bis Corona kam und Café und Kneipe schließen mussten. „So viel Freizeit hatte ich noch nie“, beschwert sich der Erndtebrücker leicht verdrießlich. Er war es gewohnt, mit wenig Schlaf sieben Tage die Woche zu arbeiten. Doch zu tun gibt es bei einer alten Burg immer etwas. So baut der Dreiser Burgmann nun die Außenflächen des Cafés aus, mäht den Rasen und hält die ganze Anlage auf Hochglanz – schließlich soll alles in Top-Zustand sein, wenn es wieder los geht und nicht wenige Wittgensteiner und Freunde vorbeischauen wollen.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen