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Seminar in der Hachenberg-Kaserne
Ganz nah an der NATO

Oberstleutnant d. R. Prof. Dr. Thorsten Porsch referierte jetzt in der Erndtebrücker Hachenberg-Kaserne zum Thema NATO Enhanced Forward Presence Litauen.
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lh Erndtebrück. „Nie war die Situation tagesaktueller als heute“, betont Oberst Sven Menger, Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2, in seiner Begrüßung am Mittwochabend im Casino der Erndtebrücker Hachenberg-Kaserne. Nachdem viele Veranstaltungen aufgrund von Corona ausfallen mussten, freut sich der Reservistenverband der Kreisgruppe Südwestfalen umso mehr, wieder ein sicherheitspolitsches Seminar in der Kaserne anbieten zu können - obwohl der Grund für die Zusammenkunft beunruhigender denn je ist. Als Gastreferent des Abends begrüßen der Reservistenverband Südwestfalen und die Reservistenkameradschaft Wittgenstein Oberstleutnant d. R. Prof. Dr. Thorsten Porsch.
Weitere Kriegsverbrechen werden erwartet
Als Truppenpsychologe ist Porsch im Jahr 2021 Teil der 9.

lh Erndtebrück. „Nie war die Situation tagesaktueller als heute“, betont Oberst Sven Menger, Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2, in seiner Begrüßung am Mittwochabend im Casino der Erndtebrücker Hachenberg-Kaserne. Nachdem viele Veranstaltungen aufgrund von Corona ausfallen mussten, freut sich der Reservistenverband der Kreisgruppe Südwestfalen umso mehr, wieder ein sicherheitspolitsches Seminar in der Kaserne anbieten zu können - obwohl der Grund für die Zusammenkunft beunruhigender denn je ist. Als Gastreferent des Abends begrüßen der Reservistenverband Südwestfalen und die Reservistenkameradschaft Wittgenstein Oberstleutnant d. R. Prof. Dr. Thorsten Porsch.

Weitere Kriegsverbrechen werden erwartet

Als Truppenpsychologe ist Porsch im Jahr 2021 Teil der 9. Rotation der Battlegroup Litauen. Durch seine persönliche Erfahrung im Baltikum gewährt er seinen Zuhörern in einem Vortrag mehrere „Einblicke aus erster Hand“ zum Thema NATO Enhanced Forward Presence Litauen. Als Diplom- und Fachpsychologe für Notfallpsychologie lehrt Porsch an der Hochschule des Bundes in Münster. Zusätzlich ist er als stellvertretender Landesvorsitzender des Reservistenverbandes NRW tätig. Bevor der Vortrag startet, gibt Stabshauptmann d. R. Richard Rottenfußer zuvor einen Überblick über die aktuelle Lage in der Ukraine und geht auf momentane Truppenbewegungen ein.

Als besonders drastisch nennt er die jüngst gefundenen ukrainischen Zivilopfer, deren mutmaßliche Ermordung durch russische Truppen zu den vielfachen Kriegsverbrechen Russlands gewertet werden müssen. Da weitere Kriegsverbrechen erwartet werden und eine Ausweitung des Konfliktes auf den baltischen Raum möglich ist, informiert Thorsten Porsch über die NATO-eigenen Abschreckungsmaßnahmen im baltischen Raum. Unter der Mission Enhanced Forward Presence (eFP) postiert die NATO seit 2017 dauerhaft Soldaten in Polen und in den drei unabhängigen baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland, um die Grenzen der osteuropäischen Staaten zu sichern und Russland vor einem Angriff des Bündnisgebiets abzuschrecken.

Richard Rottenfußer (Vorsitzender Reservistenkameradschaft Wittgenstein), Thorsten Porsch (Referent), Christoph Klein (Vorsitzender Kreisgruppe Südwestfalen) und Sven Menger (v. l.), Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2, freuten sich über ein gelungenes Seminar.
  • Richard Rottenfußer (Vorsitzender Reservistenkameradschaft Wittgenstein), Thorsten Porsch (Referent), Christoph Klein (Vorsitzender Kreisgruppe Südwestfalen) und Sven Menger (v. l.), Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2, freuten sich über ein gelungenes Seminar.
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Die Mission sei die Antwort auf russische Angriffe

Die Einsatzkräfte werden innerhalb eines Rotationsverfahrens abgewechselt. Um die Gründe für die Etablierung der Mission nachvollziehen zu können, geht Porsch auf die Zeit zwischen dem Mauerfall bis zum Jahr 2017 ein, in der die Beziehung zwischen Russland und der NATO erhebliche Brüche verzeichnete. Die Meinungsverschiedenheiten gipfeln schließlich in der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, die durch russische Truppen im Jahr 2014 vereinnahmt wurde. „Das ursprüngliche Ziel war es, der Stolperdraht der NATO für Russland zu sein“, erklärt Porsch in seinem Vortrag. Da Stolperdraht jedoch schnell reißt und keine langfristige Wirkung hat, soll die eFP langfristig darüber hinausgehen und die Ostflanke effizienter schützen - die Mission sei die Antwort auf russische Angriffe, so Porsch.

Deutsche Soldaten werden im baltischen Raum geschätzt

Die große Besonderheit der Formation sei dabei die multinationale Besetzung: Während Deutschland die Führung der „Battlegroup“ in Litauen übernommen hat, gesellen sich acht weitere international geführte „Battlegroups“ dazu. Alle Rahmennationen arbeiten eng mit weiteren Staaten und der ortsansässigen Bevölkerung zusammen und ergänzen sich - sowohl militärisch, als auch ökonomisch und infrastrukturell. Das gemeinsame Training und die Überwindung von Kommunikationsbarrieren stärken dabei den inneren Zusammenhalt des Bündnisses und mache den Gegnern unmissverständlich klar, dass eine Verteidigung sofort einsetzen würde, betont Porsch.

Die „Battlegroup“ in Litauen übt gemeinsam mit der Bevölkerung zu jeder Zeit verschiedenste Szenarien, um auf alle Arten von Angriffen gewappnet zu sein. Die Akzeptanz in Litauen sei dabei überwältigend: Trotz historischer Differenzen, werden deutsche Soldaten im baltischen Raum durch die Zivilbevölkerung sehr geschätzt. Obwohl die unabhängigen Staaten ihren Stolz haben, lassen sie sich militärisch helfen und unterstützen. Diese friedliche Zusammenarbeit sei keineswegs eine Selbstverständlichkeit, betont Porsch: „Dass wir in deutschen Uniformen dort erwünscht sind, ist ein großes Privileg.“

In der Verteidigung zur Seite stehen

Dass der baltische Raum absolut schützenswert ist, zeigt sich besonders im Gebiet der Suwalki-Lücke, an der sich alle militärischen Operationen auf engstem Raum bewegen, weshalb die Bahnspuren für die Versorgung der NATO-Truppen besonders interessant für Russland sein dürften. Letztlich, so definiert Porsch die Taktik, sollen die einzelnen „Battlegroups“ den baltischen Nationen in der Verteidigung zur Seite stehen und sie unterstützen. Sie sollen hybride Bedrohungen, beispielsweise durch elektronische Kampfführung über den Cyberraum, erschweren und einen unangekündigten Frontalangriff durch Russland auf das Baltikum erheblich erschweren. Seine These lautet: „Dass das, was momentan passiert, in der Ukraine und nicht im baltischen Raum stattfindet, hängt klar mit der eFP zusammen.“ Seit Februar befindet sich nun die elfte Rotation im litauischen Rukla und bildet ein Kampfbataillon aus über 500 Soldaten.

Oberstleutnant d. R. Prof. Dr. Thorsten Porsch referierte jetzt in der Erndtebrücker Hachenberg-Kaserne zum Thema NATO Enhanced Forward Presence Litauen.
Richard Rottenfußer (Vorsitzender Reservistenkameradschaft Wittgenstein), Thorsten Porsch (Referent), Christoph Klein (Vorsitzender Kreisgruppe Südwestfalen) und Sven Menger (v. l.), Kommandeur des Einsatzführungsbereichs 2, freuten sich über ein gelungenes Seminar.
Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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