Kirchengemeinde Erndtebrück
Gebäude zehren die Substanz auf

Die eigentliche Gemeindearbeit in der Evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück soll sich langfristig auf dem Kirchhügel konzentrieren. Foto: Björn Weyand
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bw Erndtebrück. „Man kann nicht dauerhaft vom Sparbuch leben“, das weiß Pfarrer Stefan Berk. Auch in diesem Jahr droht der Evangelischen Kirchengemeinde Erndtebrück ein Haushaltsdefizit von 20 000 Euro, das letztlich aus Rücklagen ausgeglichen werden muss. Einnahmen in Höhe von 254 000 Euro stehen höhere Ausgaben von 274 000 Euro gegenüber – ein wesentlicher Faktor dabei ist der Gebäudebestand, der mit gut 100 000 Euro zu Buche steht. Inklusive der vorgeschriebenen Rücklagenbildung. „Wir haben ein strukturelles Defizit“, stellt Stefan Berk im aktuellen Gemeindebrief noch einmal klar. Finanzkirchmeister Ralf Strupat erläutert im Gespräch mit der Siegener Zeitung, dass sich die Einnahmen auf Sicht auch nicht verbessern werden – im Gegenteil: „Die Einnahmen werden nicht steigen, das ist völlig illusorisch – die Einnahmesituation wird sich verschlechtern.“ Sämtliche Prognosen sagen landauf, landab sinkende Gemeindegliederzahlen voraus.

Die Konsequenz für Ralf Strupat kann deshalb nur lauten: „Wir müssen etwas an den Ausgaben machen.“ Der hohe Gebäudebestand steht schon seit einigen Jahren auf dem Prüfstand. Vom Jugendheim hatte sich die Evangelische Kirchengemeinde ja bereits vor geraumer Zeit getrennt, jedoch das Gebäude nach dem Verkauf an Investor Jörg Schorge wieder langfristig angemietet – mit der Option, aus dem Vertrag aussteigen zu können, wenn sich eine andere Lösung anbietet. Diese strebt die Kirchengemeinde auf dem Kirchhügel an der Bergstraße an: Hier ist ein Anbau geplant, die Gemeindearbeit soll sich hier konzentrieren. Das bis dato angemietete Jugendheim wäre dann entbehrlich. Bleibt jedoch die Frage unbeantwortet, auf welche Gebäude die Kirchengemeinde noch verzichten könnte. Ralf Strupat gibt zu bedenken, dass etwa das Gemeindehaus in Benfe und die Kapelle in Schameder sehr wenig genutzt werden. In anderen Kirchengemeinden haben sich bereits Trägervereine gegründet, um Gemeindehäuser zu erhalten – etwa in Wemlighausen oder in Girkhausen ist das der Fall. Ist das eine Lösung für Schameder und Benfe? Bisher fehlt darauf eine Antwort, aber das neuerliche strukturelle Defizit zeigt nochmals ganz deutlich den Handlungsbedarf auf. Auf Dauer kann es sich die Kirchengemeinde nicht leisten, von ihrer Substanz zu leben.

Die Kirchengemeinde ist mit dem angestrebten Haushaltssicherungskonzept bislang noch nicht fertig geworden, wie Stefan Berk im Gemeindebrief berichtet. Klar ist indes, dass darin das Presbyterium der Kirchengemeinde darstellen wird, wie sie sich eine finanziell gesunde Zukunft vorstellt. Der größte Teil der Ausgaben betrifft zwar die Personalkosten, wobei die Pfarrstellen hier keine Rolle spielen. Diese werden über den Kirchenkreis finanziert. Die Erndtebrücker Kirchengemeinde rechnet dennoch mit Personalkosten in Höhe von 108 000 Euro – darunter sind auch Kosten, die mit der Unterhaltung und dem Betrieb der Gebäude verknüpft sind. Und die Gebäudekosten liegen auch nur unwesentlich darunter (101 000 Euro).

Dass die Kirchengemeinde die Planungen für den Anbau an das Gotteshaus vorantreibt, „wirkt auf den ersten Blick wohl widersinnig“, weiß Ralf Strupat. Doch die Kirchengemeinde hat Rücklagen für eine solche Investition, die zweckgebunden genutzt werden müssen und nicht einfach in den Haushalt fließen dürfen. Für Umbauarbeiten stehen ca. 300 000 Euro zur Verfügung – dieses geparkte Geld stammt unter anderem aus dem Verkauf des Jugendheims und des benachbarten Hausmeisterhauses. Diese Mittel dürfen nur gezielt und auch nur mit Genehmigung der Westfälischen Landeskirche ausgegeben werden. Das Ziel: Die laufenden Gebäudekosten sollen gesenkt werden, indem sich die Gemeinde auf ihr neues Zentrum konzentriert – und auf andere Gebäude verzichtet.

Autor:

Björn Weyand aus Bad Laasphe

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