Geschichte geschrieben

3400 Musikfans rockten beim vierten Rothaarfestival mit den Donots, Kettcar und Madsen

BW/akj Schameder. Irgendwie wäre es ohne einen großen Regenschauer am Samstag kein richtiges Rothaarfestival gewesen. Die Laune der Fans war dennoch herausragend. Als der Regen endlich aufhörte, stand das Beste noch aus. Headliner des zweiten Rothaarfestival-Tages waren die Donots, heimlicher Topact waren jedoch zuvor Madsen. Die fünfköpfige Band aus dem Wendland rockte ohne Schnörkel und mit tollen Texten. Wie zum Beispiel in ihrer neuen Single »Du schreibst Geschichte«. Und Madsen schrieben mit ihrem Auftritt tatsächlich Geschichte mit Songs wie »Vielleicht« und »Die Perfektion«.

Danach kamen die Donots und mussten nur die Stimmung vom Madsen-Gig nutzen. Das gelang der Münsterländer Punk-Band ziemlich gut. Sänger Ingo wirbelte wie ein Derwisch über die Bühne und schrie sich bei »We’re Not Gonna Take It« oder »Whatever Happened to the 80s?« die Seele aus dem Leib. Zwischendurch gab es indes auch ruhigere Stücke, z.B. das großartige »Room With a View« mit einem ungewohnten Pianopart. Insgesamt war das vierte Rothaarfestival gespickt mit Bands, die sich noch keinen großen Namen gemacht haben, dies in vielen Fällen sicher noch tun werden. Wie die Berliner Punk-Band ZSK, einer der Geheimtipps des Samstags, oder die Kölner Rockgruppe Neuser (mit dem aus Wilgersdorf stammenden Henning Neuser). »Die klingen wie Placebo«, dachten vielleicht viele Fans über Blackmail. Zu Recht, denn in der Tat hat diese Gruppe etwas Düster-Depressives an sich. Sicher Geschmackssache, wie auch der Hardcore-Rock von Sworn Enemy aus New York. Die Kanadier von The Birthday Massacre mussten wegen des Regens ihren Auftritt unterbrechen und verkürzen. Mit dabei waren am Samstag zudem 100 Demons, die heimischen Bands Projekt Mutante, A Case of Grenada, Newgrange und Embraced by Hatred sowie als »Spätzünder« zum Abschluss des zweiten Tages noch King Mojo und Fastläne Motörblast. Schon am Freitag sorgten Kettcar, Waterdown, Muff Potter und Rantanplan für sehr gute Stimmung bei rund 1400 Fans.

Bei besserem Wetter als am Samstag übrigens. »Wir haben euch ein bisschen Sonne aus dem Saarland mitgebracht«, schrie Michael Ludes, Sänger und Gitarrist der Band Reminder, die das lang ersehnte Festival eröffnete. Die Band, die für das Saarland an Stefan Raabs »Bundesvision Songcontest« teilgenommen hatte, spielte gefühlvollen Indie-Rock, Sänger Michael Ludes überzeugte mit seiner außergewöhnlichen und sehr angenehmen Stimme. Der rund 40-minütige Auftritt von Reminder schien viel zu schnell vorbei. Ähnlich ging es der Band Grafzahl. Die Siegener spielten ein kurzes Programm ihrer Pop-Punk-Songs wie »Neben den Stühlen« und »Ich verschwinde«. Härtere Klänge gab es dann erstmals bei Waterdown. Die Hardcore-Band aus Osnabrück forderte das Publikum zum Tanzen auf – mit Erfolg. Angefangen bei exzessivem Headbangen bis hin zu wildem Pogo.

Viele Fans warteten auf Rantanplan, die aus Hamburg gekommen waren, um mit Ska die gute Laune auf ihren Höhepunkt zu treiben. Mit Posaune und Trompete brachten die Jungs viel Schwung und eine ausgelassene Atmosphäre auf den Flugplatz. Die Shout Out Louds aus Schweden überzeugten mit ruhigeren, zum Teil melancholischen Melodien, aber auch mit schwungvollen Stücken und eigenwilligem Indie-Rockpop.

Dann war es endlich soweit: Der wohl von den meisten Fans lang ersehnte Auftritt von Kettcar stand auf dem Programm. Die Hamburger überzeugten mit einem ruhigeren Programm. Eingängige Melodien und aussagekräftige Texte sprechen bei Kettcar für sich. Vor allem die unverwechselbare, markante Stimme von Sänger Marcus Wiebusch machte den Auftritt zu einem besonderen Erlebnis. Um kurz nach halb zwei in der Nacht ging es dann in die letzte Runde, denn auch die Ohrbooten aus Berlin standen noch auf der Bühne. Der Flugplatz hatte sich inzwischen geleert. Schade drum, denn was die Ohrbooten zeigten, bekommen Musikfans nicht allzu oft geboten. Verschiedenste Einflüsse bestimmten ihre Reggae-Songs, darunter Jazz oder Metal.

Knapp 3400 Fans an den beiden Tagen waren begeistert vom Programm des Rothaarfestivals, das viel Rock und Metal bot und diesmal auf jene Hip-Hop-Ausflüge der Vergangenheit verzichtete. Das Rothaarfestival bot vielen jungen deutschen Nachwuchs-Rockbands eine hervorragende Plattform, um ihre Musik zu präsentieren. Man darf sich schon jetzt auf das Rothaarfestival 2007 freuen!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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