Retourkutsche für Widerstand gegen Windkraft?
Heimatverein Benfe muss Steinbruch räumen

Der Heimatverein Benfe muss bis 30. Juni den Platz beim Steinbruch räumen.
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  • Der Heimatverein Benfe muss bis 30. Juni den Platz beim Steinbruch räumen.

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bw Benfe. „Ortsvorsteher in Benfe zu sein, das ist eigentlich ein Fulltime-Job“, verrät Matthias Althaus, der diese Aufgabe aber natürlich trotzdem neben seinem eigentlichen Beruf seit 2009 ausübt. Vieles stand in dieser Zeit auf der Agenda, allen voran der Anschluss des Dorfes ans schnelle Internet per DSL, die Sanierung der Ortsdurchfahrt, dazu auch noch das Jubiläum des Köhlerdorfs, das umfangreiche Verfahren der Flurbereinigung oder der Bau eines neuen Glockenturms auf dem Friedhof. Eine Menge war und ist zu organisieren auf dem Posten des Ortsvorstehers.

Klage gegen den Bau von Windrädern

Was Matthias Althaus seit Jahren intensiv begleitet hat, sind die verschiedenen Projekte zum Bau von Windkraft-Anlagen rund um Benfe. Genehmigt ist aktuell der Bau von vier Windrädern, die zwar knapp hinter der Grenze in Volkholzer Gemarkung errichtet werden sollen. Sichtbar wären sie aber vor allem für die Benfer Bevölkerung. Neben der Bundeswehr haben auch die Benfer deswegen den Klageweg beschritten.

Klage gegen den Bau von Windrädern nahe Benfe

Der Heimatverein Benfe ist dafür Mitglied in der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt Nordrhein-Westfalen (LNU) geworden, die gegen die Windräder klagt, nachdem der Kreis den Widerspruch gegen die erteilte Baugenehmigung abgewiesen hatte.
Das Dorf steht hinter dieser Vorgehensweise, wie Matthias Althaus berichtet: In einer Corona-konformen Bürgerversammlung im Sommer 2020 habe die Zustimmung glatte 100 Prozent betragen, und zur Finanzierung der Klage sei über Spenden in kürzester Zeit eine fünfstellige Summe zusammengekommen. Die Benfer wollen es durchziehen und versuchen, den Bau der Windräder noch zu verhindern.

Neuer Besitzer kündigt Nutzungsvertrag

Der Benfer Widerstand kommt beim Projektträger, der Lahn Energy aus Bad Laasphe, jedoch gar nicht gut an. Dem Forstgut Ditzrod gehört inzwischen auch das Waldgebiet inklusive des Steinbruchs in Benfe. Dort hat der Heimatverein nicht nur in der Vergangenheit sein beliebtes Meilerfest alle fünf Jahre seit 1995 gefeiert, sondern auch eine überdachte Sitzgarnitur aufgestellt, die zum Beispiel Wanderer des Mäanderwegs zur Rast gerne nutzen. Einen Nutzungsvertrag dafür hatte der Heimatverein mit dem Vorbesitzer abgeschlossen.
Einen Tag vor Weihnachten kam der Schock: Der neue Besitzer hatte den Vertrag gekündigt und forderte den Heimatverein dazu auf, den Platz zu räumen. „Das Gelände hatten wir aufgehübscht, als der Naturpark den Platz aufgegeben hatte“, berichtet Matthias Althaus, dessen Frau Claudia die 1. Vorsitzende des Heimatvereins ist. Dass der neue Eigentümer diesen Vertrag gekündigt hat, wertet der Benfer Ortsvorsteher als glasklare Retourkutsche für die Klage gegen die geplanten Windräder, hatten die Dorfbewohner doch auch allen Offerten der Lahn Energy widerstanden. Bis zum 30. Juni muss der Heimatverein den Platz am Steinbruch räumen.

Kein Meilerfest mehr in Benfe

Was das nun bedeutet, wissen Matthias und Claudia Althaus: Ein Meilerfest wird es wohl nie wieder geben, da es keinen geeigneten anderen Platz im Dorf gibt. Der Jubiläumsmeiler im vergangenen Jahr war ja bereits der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. „Das Programm hatten wir auf dieses Jahr verschoben, aber daraus wird jetzt leider nichts mehr“, berichtet Claudia Althaus, die nun auch händeringend nach einem neuen Standort für die Sitzgarnitur gesucht hat.
Vorerst wird sie jetzt auf einem Parkplatz der Gemeinde Erndtebrück am Ortsausgang in Richtung Eisenstraße stehen. Und das Aus für das Meilerfest könnte bittere Konsequenzen für den Heimatverein haben: Aus den Einnahmen der weit über die Ortsgrenzen hinaus beliebten Veranstaltung finanzierte der Verein so manche Verschönerung im Dorf wie beispielsweise den Blumenschmuck.

 Das ist vermutlich das Aus für das beliebte Meilerfest des Köhlerdorfes, das bisher alle fünf Jahre stattgefunden und viel Publikum angelockt hat
  • Das ist vermutlich das Aus für das beliebte Meilerfest des Köhlerdorfes, das bisher alle fünf Jahre stattgefunden und viel Publikum angelockt hat
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Das Thema Windkraft wird Matthias Althaus in den verbleibenden zwei Jahren seiner Amtszeit und vermutlich auch darüber hinaus noch weiter begleiten. Den Posten des Ortsvorstehers wird er dann zwar abgeben. Matthias Althaus bleibt allerdings weiterhin Ratsmitglied – und wird auch da sicherlich immer wieder mit der Windkraft konfrontiert.

Nach dem Projekt auf der Bad Laaspher Seite hat das Unternehmen Altus bekanntlich Flächen nördlich von Benfe ins Visier genommen. Und aufgrund der exponierten Lage des Dorfes sei nicht auszuschließen, dass auf Netphener und Hilchenbacher Seite früher oder später weitere Bauvorhaben kommen, weiß Matthias Althaus ganz genau. Insofern wird der Posten des Ortsvorstehers auch künftig in Benfe ein Fulltime-Job bleiben.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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