Horrorszenario: Platzsperre droht

SV Schameder am Scheideweg / Zweckverband rechtlich in der Pflicht?

BW Schameder. Ein Verein steht am Scheideweg: Der SV Schameder kämpft derzeit wirklich um das nackte Überleben. Für den Fußballverein scheint sich ein Horrorszenario zu bewahrheiten, an dessen Ende die Sperrung des Waldstadions stünde. Zwar läuft momentan noch der Spielbetrieb, doch Jürgen Böcking als Kreisvorsitzender des Fußball- und Leichtathletikverbandes kündigte am Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion an, dass der Platz gesperrt werden müsste, sollte sich nicht schnellstens etwas tun. Dass der Wille dazu bestehe, beteuerten sämtliche Anwesenden aus Kommunalpolitik und Verwaltung.

Denn wer bis dato nicht wusste, wie prekär die Lage auf dem Sportgelände in Schameder nun ist, der merkte dies bei einer Begehung im Vorfeld der eigentlichen Diskussionsrunde. Größte Problematik ist natürlich der Platz, der noch nicht einmal den Begriff »Acker« verdient. Steine schauen aus der Platzdecke hervor, es besteht höchste Verletzungsgefahr – bei einer Grätsche reißen sich die Fußballer ihre Beine auf. Die Sportplatzdecke liegt seit 1966 und wurde 1990 zum letzten Male repariert. Drei Schiedsrichter aus Hessen, berichtete Walter Schröter, hätten sich schon geweigert, ihre Spiele anzupfeifen. Man habe sie zwar noch umstimmen können, doch wie lange noch? »Andere Mannschaften«, so Walter Schröter weiter, »wünschen uns schon den Auf- oder Abstieg, damit sie nicht mehr hier antreten müssen.«

Denn der Platz ist zwar derzeit das größte Problem, jedoch bei Weitem nicht das einzige. Zwischen dem Fußballplatz und den Umkleidekabinen liegen beispielsweise stattliche 2200 Meter. Vor und nach den Spielen müssen die Fußballer also erst per Pkw in den Ort fahren, wo sie sich dann in kleinen Kabinen umziehen und duschen können. Viele Mannschaften nutzen dies schon nicht mehr und fahren dafür gleich nach Hause. Unmenschliche Zustände herrschen auch in der Schiedsrichterkabine, die »nicht einmal für die Einzelhaft ausreichen würde«, betonte Heinz-Josef Linten. Eine Renovierung des Platzes sowie der Bau eines Kabinentraktes direkt am Sportplatz steht seit 1996 in der Diskussion. Es sollte eine große Lösung geben«, erklärte der Erndtebrücker Bürgermeister, »die Dinge waren schon durch.« Die Gelder standen bereits parat, doch der SV Schameder sei »Leidtragender der neuen Förderrichtlinien und des Zweckverbandes Wittgenstein« geworden.

Letzterer beanspruchte nämlich die Sportplatzfläche für sich selbst. Dieser Anspruch ist heute verflogen, doch die Verzögerung hat für den SV Schameder fatale Folgen. Denn nun besteht ein neues Gesetz für diese Sportstättenförderung des Landes NRW: Statt der Projektförderung erhält jede Kommune eine Pauschale von 1,50 e pro Einwohner – für Erndtebrück wären dies bei knapp 8000 Gemeindeeinwohnern also rund 12000 e. Nicht genug für eine große Lösung. Von dieser verabschiedeten sich so auch alle Anwesenden. Sie sei einfach nicht bezahlbar, betonten Heinz-Josef Linten sowie Beigeordneter Thomas Müsse unisono. Man müsse eine pragmatische Lösung finden, also eine kleine. Die beiden Vertreter der Gemeindeverwaltung sahen auch den Zweckverband in einer moralischen Pflicht, vielleicht sogar in einer rechtlichen.

Denn in der Verbandssatzung sei ein Paragraph, nach dem jener Zweckverband einspringen müsse, sollte durch ihn ein Schaden für die Ortschaft entstehen. Dies sei hier seiner Meinung nach der Fall, erläuterte Heinz-Josef Linten, der sich in diesem Fall als Bürgermeister sehe und nicht als Vorsitzender des Zweckverbands. Die Diskussionsrunde, bestehend allerdings fast ausschließlich aus Vertretern der Gemeinde und des Rates, war sich einig, dass bald etwas geschehen müsse. Die Lösungsvorschläge: Zum einen wolle man nochmals beim Regierungspräsidium in Arnsberg nachhaken, um vielleicht doch noch den Antrag auf Förderung der Maßnahmen durchzusetzen, der Ende September 2002 gestellt wurde. Bevor am 1. Januar 2004 die neue Richtlinie in Kraft tritt – die Aussichten auf Erfolg erscheinen jedoch eher mäßig bis aussichtslos, wie man einzelnen Aussagen entnehmen konnte. In Aussicht stehen stattdessen zumindest die Gelder aus der Gemeindekasse – Höhe allerdings unbekannt, denn Kämmerer Thomas Müsse merkte an, dass der Haushalt erst noch erstellt werden müsse.

In Zeiten des Haushaltssicherungskonzepts wird der Betrag indes sicherlich nicht ausreichen, so dass der Verein und die Gemeinde nun auch Hand in Hand auf Sponsorensuche gehen wollen. Und dann werde man, kündigte Bernd Schröter als Vorsitzender des Sportvereins an, mit den heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten sprechen und sie auf jene sehr schwierige Situation aufmerksam machen. Zu der Podiumsdiskussion kamen die übrigens allesamt nicht. Zu guter Letzt bleibt dann – um so doch noch die beantragten Fördermittel zu erhalten – noch der Petitionsausschuss des Landtages. Eines wurde trotz dieser Vorschläge deutlich: Die »große Lösung« mit Kunstrasendecke sowie Sozialtrakt wird kurzfristig nicht realisiert werden können. Letztlich gelte es nun erst einmal, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, darin einten sich alle Meinungen.

»Der SV Schameder würde heute auch die kleine Lösung annehmen«, offenbarte Ortsvorsteher Carsten Dreisbach. Damit nicht das Wahrheit wird, was der Ehrenvorsitzende Walter Schröter sich ausmalte: Die Akte Schameder würde geschlossen, wenn sich nichts tue. »Diese Zeit des Versprechens muss vorbei sein. In 2004 muss etwas passieren, sonst ist der SV Schameder am Ende.«

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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