In sieben Minuten am Rhein entlang

Tenor Vadim Korschunov und Meisterchöre aus Birkefehl und Setzen glänzten bei Konzert

Birkelbach. Es war eine einzigartige Kombination: russische Instrumente, ein begnadeter Tenor, zwei Meisterchöre aus Wittgenstein und Siegerland, eine gefühlvoll interpretierende Pianistin und ein guter Conférencier. Diese Mischung ließ das Chor- und Solistenkonzert in der Mehrzweckhalle Birkelbach zu einem wahren musikalischen Erlebnis werden. Jeder Programmpunkt, ob nun die rein instrumentalen oder auch die gesungenen Vorträge, bildeten mit den launigen und gut gewählten einführenden Worten von Henning-Albert Debus, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde für Birkelbach und Birkefehl, einen Höhepunkt.

Fast nicht genug Platz für 600 Besucher

Unter dem Motto „Volkstümliche Melodien vom Rhein bis zum Baikal” war es dem Männergesangverein „Sangeslust” Birkefehl mit Chorleiter Werner Tillmann gelungen, den weltberühmten russischen Tenor Vadim Korschunov und das Quartett „Paraphras” zu verpflichten. Dies versprach einen außergewöhnlichen Hörgenuss, schon im Vorverkauf wurde den Veranstaltern klar, dass das Konzert nicht vor leeren Reihen stattfinden würde. Es mussten sogar noch Bänke dazugestellt werden, damit alle 600 Gäste Platz fanden. Die Gastgeber, die Sänger des vierfachen Meisterchors aus Birkefehl, die in diesem Jahr den Titel des Leistungschors der Stufe 2 des Sängerbundes NRW erreichten, begannen den Abend mit den Kompositionen „Wohlauf ihr Gäste” und „Sonntag ist's” von Simon Breu, gaben dann die Bühne frei für das Quartett „Paraphras”. Diese begrüßten das Publikum mit dem „Karneval in Venedig” von Niccol#98 Paganini. Die russischen Musiker Viktor Kolupajew, Alexander Roschdestwin, Vladimir Iwanow und Evgeni Schirkov boten den Zuhörern eine eigene Version des ursprünglichen Geigenstückes.

Klang fremder Instrumente erfüllte Halle

Es war das erste Mal, dass die fremdländischen Instrumente Balalaika, Dombra, Bajan und Bassbalalaika erklangen und ihre Melodie erfüllte wohltuend und perfekt virtuos die Mehrzweckhalle. Besondere Spannung herrschte, als der Tenor Vadim Korschunow für seine Birkelbach-Premiere die Bühne betrat. Er studierte am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau und ist derzeit in der Philharmonie Moskau verpflichtet. Mit Grandezza gab er in Birkelbach sein Debüt, begann mit der Arie des Nemorino von Gaetano Donizetti, meisterte scheinbar mühelos die Höhen und Tiefen, überzeugte schon bei den ersten Tönen, so dass donnernder Applaus erschallte.

Ermutigendes Zeichen am Volkstrauertag

Schwungvoll präsentierte sich hingegen der Männergesangverein Setzen – ebenfalls Meisterchor – mit dem „Spielmann” von Emil Kraemer und der Komposition „O du schöner Rosengarten”. Pfarrer Debus sah an diesem Abend nicht nur den musikalischen Genuss im Vordergrund. Er erinnerte an den Volkstrauertag und zeigte sich dankbar, dass 55 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg russische und deutsche Künstler gemeinsam musizieren könnten, und dass das „was war, nicht zwischen uns steht”.

Harmonie zwischen Balalaika und Klavier

Debus kündigte das nächste Stück von Paraphras an, das Pizzicato von Leo Delibes. Pizzicato bedeute soviel wie gezwickt oder gezupft und so interpretierten die vier Künstler, alle Absolventen des Gnessin-Institutes, mit ihren Instrumenten frech und verspielt, gleichsam frivol, aber dabei mit äußerster Akkuratesse die Komposition. Ein weiterer herausragender Vortrag vor der Pause war sicherlich der Auftritt der Chorgemeinschaft der Setzener und Birkefehler gemeinsam mit Paraphras und Pianistin Lilli Neubauer, die „innerhalb von sieben Minuten einen Weg entlang des Rheins von der Quelle bis zur Mündung” boten, wie Henning Debus erläuterte. Im Dreivierteltakt, sanft, doch fröhlich und schwungvoll harmonierten Klavier und Balalaika, russische Musik und deutscher Gesang hervorragend miteinander, trugen sich gegenseitig und waren wohltuend anzuhören.

Russischer Heimat Reverenz erwiesen

Als eine der ausdrucksstärksten, aber auch schwierigsten Arien gilt die des Lionel aus der Oper „Martha” von Friedrich von Flotow. Auch hier erfüllte Vadim Korschunov hingebungsvoll und kräftig seinen Part mit einer enormen Körper- und Stimmbeherrschung, erwies dann seiner russischen Heimat mit dem Lied „Ach, mein liebes Mädchen” seine Reverenz. Zu den frenetisch mit Applaus bedachten Vorträgen nach der Pause gehörten unter anderem die „Ballade der zwölf Räuber”, und „Das Glöckchen”, wobei sich die Meisterchöre ihrem Gast in der Auswahl der Stücke anpassten und sowohl „Herrlicher Baikal”, „Nanuschka” und „Balkanfeuer” perfekt intonierten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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