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Serie "Hinter der Fassade"
Individuelle Förderung in der AWo-Werkstatt

Karl-Josef Klüncker (Firma PSi, l.) und der Beschäftigte Dirk Schneider gehören zum Team, das die Montage für Drucker der Freudenberger Firma sicherstellt.
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  • Karl-Josef Klüncker (Firma PSi, l.) und der Beschäftigte Dirk Schneider gehören zum Team, das die Montage für Drucker der Freudenberger Firma sicherstellt.
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vc Schameder. Klebestreifen auf dem Boden, die dritte Impfung und ein frischer Test als Voraussetzung, das Haus betreten zu können. Alle Beschäftigten tragen Masken, sobald sie sich außerhalb ihres Arbeitsbereiches bewegen – die Arbeiter-Wohlfahrt (AWo) stemmt sich der Pandemie mit einem festen Konzept entgegen. Die Folgen sind einige Einschränkungen, die das Team der AWo-Werkstatt aber gerne in Kauf nimmt. Was damit ermöglicht wird, sind ein zuverlässiger Arbeitsalltag, feste Zeitabläufe und sichere Arbeitsplätze für bis zu 120 Beschäftigte.
Wir bieten individuelle Förderung auch im Arbeitsbereich.
Jörg-Michael Bald
Werkstattleiter in SchamederHeimarbeit gibt es kaum nochBeim Gang durch die Werkstatt wird überall gearbeitet – das war zu Beginn der Pandemie nicht immer so.

vc Schameder. Klebestreifen auf dem Boden, die dritte Impfung und ein frischer Test als Voraussetzung, das Haus betreten zu können. Alle Beschäftigten tragen Masken, sobald sie sich außerhalb ihres Arbeitsbereiches bewegen – die Arbeiter-Wohlfahrt (AWo) stemmt sich der Pandemie mit einem festen Konzept entgegen. Die Folgen sind einige Einschränkungen, die das Team der AWo-Werkstatt aber gerne in Kauf nimmt. Was damit ermöglicht wird, sind ein zuverlässiger Arbeitsalltag, feste Zeitabläufe und sichere Arbeitsplätze für bis zu 120 Beschäftigte.

Wir bieten individuelle Förderung auch im Arbeitsbereich.
Jörg-Michael Bald
Werkstattleiter in Schameder

Heimarbeit gibt es kaum noch

Beim Gang durch die Werkstatt wird überall gearbeitet – das war zu Beginn der Pandemie nicht immer so. „Anfangs hat uns die Pandemie übel mitgespielt. Die Einrichtung war eine Zeit lang geschlossen, und wir mussten die Aufträge, die noch da waren, möglichst in Heimarbeit bewältigen – sofern das die Umstände zuließen“, erinnert sich Jörg-Michael Bald im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Jetzt sind die Arbeitsplätze durchgehend besetzt, die Stimmung ist gut.

Individuelle Förderung auf der Arbeit

Hier werden Schrauben von Ejot eingetütet, woanders Kartons versandfertig gemacht. Fachkräfte schauen in den einzelnen Produktionsbereichen nach dem Rechten und leisten bei Problemen Hilfe. „In Schameder haben wir einen individuelle Teilhabeauftrag am Arbeitsleben“, sagt Jörg-Michael Bald. „Wir bieten individuelle Förderung auch im Arbeitsbereich. Der betriebswirtschaftliche Bereich hat eine Fachleitung, der Bereich Reha aber ebenfalls. So ist sichergestellt, dass jeder Beschäftigte eine individuelle Förderplanung bekommt. Jährlich werden Ziele und die entsprechenden Maßnahmen festgelegt, dabei auch die Wünsche und Neigungen der Beschäftigten berücksichtigt.“

Dieter Feige wiegt die Schrauben für Ejot, um sie dann in korrekter Stückzahl für die 100-jährige Firma zu verpacken.
  • Dieter Feige wiegt die Schrauben für Ejot, um sie dann in korrekter Stückzahl für die 100-jährige Firma zu verpacken.
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Kooperation mit Wittgensteiner Unternehmen

Der Weg führt weiter durch die Werkstatt. Im nächsten, kleineren Raum wird konzentriert gearbeitet, kleinste Teile werden hier zu Druckern der Firma PSi aus Freudenberg zusammengebaut. „Wir arbeiten meist mit Firmen aus Wittgenstein zusammen. Aber unsere Kooperation mit den anderen Werkstätten der AWo und unser Ruf haben uns halt auch Kunden aus dem Siegerland gesichert“, betont Jörg-Michael Bald. Die Tätigkeit bei der Druckerherstellung könnte auf den ersten Blick auch auf dem ersten Arbeitsmarkt stattfinden. Doch Jörg-Michael Bald stellt klar: „Wir stellen uns hier nicht auf, um nur für die Firma X oder Y zu produzieren. Bei uns ist der Plan anders: Wir wollen Menschen mit dem Mittel der Arbeit fördern. Natürlich ist es ein wünschenswertes Ergebnis, dass die Beschäftigten so fit sind, um an Außenarbeitsplätzen zu arbeiten.“

Der eine oder andere sei nach der Förderung sogar so fit, um im ersten Arbeitsmarkt zu bestehen. „Doch die AWo-Werkstatt soll möglichst für alle Menschen mit wesentlichen Beeinträchtigung eine Arbeitsmöglichkeit bieten. Daher ist es wichtig, dass wir uns bei der Produktion breit aufstellen“, betont der Werkstattleiter und betritt einen Bereich, an dem die Uhren einen Tick langsamer gehen, der mit einer Sitzecke und kleinen, individuell eingerichteten Arbeitsplätzen mehr Ruhe ausstrahlt.

In der Einrichtung können auch Menschen mit körperlicher Behinderung arbeiten

Bald: „Wir bieten auch Arbeitsplätze für Menschen mit starken körperlichen Handicaps bis hin zu Menschen an, die eine schwerst-mehrfache Behinderung haben.“ Das habe leider gewisse Grenzen, da die Einrichtung, als sie 1989 eröffnet wurde, nicht so ausgestattet worden sei, um heute das ganze Spektrum anbieten zu können.

Jörg Michael Bald ist der Werkstattleiter in Schameder. Im Bild sorgt Annika Callies für Nachschub für die Firma Busch-Jaeger.
  • Jörg Michael Bald ist der Werkstattleiter in Schameder. Im Bild sorgt Annika Callies für Nachschub für die Firma Busch-Jaeger.
  • Foto: Christian Völkel
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Sechs Jahre nach der Eröffnung hat Jörg-Michael Bald begonnen, in Schameder mitzuarbeiten. „Es war ein Glücksfall für Wittgenstein als Versorgungsregion. Zuvor mussten die Menschen nach Deuz, um einen Arbeitsplatz, um Teilhabe an der Arbeitswelt zu bekommen.“ Seit der Gründung hat sich die AWo-Werkstatt in Schameder auch der Industrie als verlässlicher Partner gezeigt. „Das ist wichtig, um unseren Beschäftigten den Anspruch auf Sozial-, Kranken- und Rentenversicherung, Ansprüche in der Pflegeversicherung und das Mindestentgelt zu sichern“, erläutert der Werkstattleiter Jörg- Michael Bald.
Er ist dankbar, dass der Standort in Schameder auch gesellschaftlich in Wittgenstein fest verankert ist: „Ob es die Familien der Beschäftigten sind, die Freunde, Vereine oder Parteien – wir sind gut angebunden und werden gut unterstützt.“ In Schameder ist man froh über solche Unterstützung und Partnerschaften.

„Die Menschen sehen die Werkstatt hinter diesen Wänden, sehen die Menschen. Sie wollen uns etwas Gutes tun. Das haben wir uns erarbeitet.“ Man biete sich auch in der Industrie als verlässlicher Partner an. Bald: „Nur so kann man auch Partner von Weltmarktführern sein.“

Autor:

Christian Völkel

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