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Stellungnahme der Gemeinde Erndtebrück
Keine weitere Alternative zur Baumfällung gesehen

In der Grimbachstraße ließ die Gemeinde Erndtebrück dieser Tage einzelne Bäume und Äste aus Gründen der Verkehrssicherheit entnehmen. Foto: Gemeinde
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  • In der Grimbachstraße ließ die Gemeinde Erndtebrück dieser Tage einzelne Bäume und Äste aus Gründen der Verkehrssicherheit entnehmen. Foto: Gemeinde
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tika Erndtebrück. Das vollständige Gutachten wollte die Gemeinde Erndtebrück nicht veröffentlichen, dennoch äußerte sich die Verwaltung am Dienstag eingehend zur Thematik der Baumfällungen in der Edergemeinde. Stein des Anstoßes waren die Fällungen im Erndtebrücker Pulverwald – daraufhin hatten einige Beobachter ihre Bedenken über die Notwendigkeit geäußert (SZ berichtete). Die Gemeinde Erndtebrück versicherte, „dass durch Krankheitsbilder und andere Eigenschaften der Bäume eine Fällung unumgänglich war. Zudem ist uns wichtig zu erläutern, dass der Baumkontrolleur grundsätzlich die Aufgabe hat, einen Weg zur Erhaltung des Baumes aufzuzeigen. Das Gutachten spricht bei den Gründen jedoch u. a.

tika Erndtebrück. Das vollständige Gutachten wollte die Gemeinde Erndtebrück nicht veröffentlichen, dennoch äußerte sich die Verwaltung am Dienstag eingehend zur Thematik der Baumfällungen in der Edergemeinde. Stein des Anstoßes waren die Fällungen im Erndtebrücker Pulverwald – daraufhin hatten einige Beobachter ihre Bedenken über die Notwendigkeit geäußert (SZ berichtete). Die Gemeinde Erndtebrück versicherte, „dass durch Krankheitsbilder und andere Eigenschaften der Bäume eine Fällung unumgänglich war. Zudem ist uns wichtig zu erläutern, dass der Baumkontrolleur grundsätzlich die Aufgabe hat, einen Weg zur Erhaltung des Baumes aufzuzeigen. Das Gutachten spricht bei den Gründen jedoch u. a. von Druckzwiesel mit Rissbildung, Totholz, Faulstellen im Baumverlauf, Faulstellen im Stamm, Triebsterben, Beeinträchtigung des Wurzelbereiches oder Schäden durch Trockenheit“, heißt es in einer Stellungnahme der Gemeinde Erndtebrück.

Dass die Verwaltung das vollständige Gutachten nicht veröffentlichen will, begründet die Pressestelle aus dem Rathaus so: „Die Gemeinde Erndtebrück hat auch im vergangenen Jahr wieder in die Ausbildung ihres Personals investiert. Hierbei wurde unter anderem ein Mitarbeiter zum zertifizierten Baumkontrolleur fortgebildet. Daher wurde das Gutachten durch eigenes, qualifiziertes Personal angefertigt. Wir bitten daher auch um Verständnis, dass wir aus Rücksicht auf unser Personal und dessen Arbeit, die Person nicht namentlich benennen und das Gutachten im Weiteren nur auszugsweise veröffentlichen.“

Um das Holz selbst kümmert sich laut Rückmeldung aus dem Rathaus in Erndtebrück das mit den Fällungen beauftragte Unternehmen: „Das aus den Fällungen resultierende Holz ist bei dem beauftragten Unternehmen verblieben und minderte für die Gemeinde die Kosten der Arbeiten.“ Die Prüfung im Vorfeld der Fällungen sei letztlich in einem zweistufigen Verfahren über die Bühne gegangen. „Die Gutachten wurden im Weiteren dem Vorsitzenden des Umweltauschusses (Anm. d. Red.: Karl-Wilhelm Flender) zur Verfügung gestellt. Dieser ist ebenfalls fachkundig (Forstwirt) und hat die Ergebnisse bestätigt. Dieses zweistufige Verfahren gewährleistete in diesem Fall, dass Bäume nur nach der Beurteilung von zwei fachkundigen Personen gefällt werden“, heißt es seitens der Verwaltung. In Abstimmung mit dem Ausschussvorsitzenden des Umweltausschusses solle zudem geprüft werden, welche Ersatzpflanzungen im Bereich des Pulverwaldes möglich wären.

Quasi zum Beweis dafür, dass eine Fällung der Bäume im Pulverwald sowie weiterer Gewächse im Gemeindegebiet unumgänglich war, stellte die Verwaltung exemplarisch einige Bilder zur Verfügung. Diese sind demnach nach den Fällungen entstanden und zeigen die erkrankten Bäume, etwa die Schäden am Stamm oder Gefährdungen aufgrund von Druckzwieseln. Letzteres sind V-förmige Gabelungen der Bäume, die als verstärkt bruchgefährdet gelten. Im Pulverwald – unterhalb des Stadions – seien diese betroffenen Bäume bereits teils mit Rissbildung versehen gewesen. „Dies bedingt auch, dass z. B. im zweitgenannten Fall nach einer Fällung dieses Krankheitsbild nicht mehr an der Schnittstelle vor Ort erkennbar ist, an der man aber oft die mögliche Vitalität eines gefällten Baumes versucht zu bemessen.“

Vor dem Hintergrund des Klimawandels und seiner Auswirkungen bedauerte es die Gemeindeverwaltung, „dass die Fällung dieser Bäume erforderlich war, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten“. Ein Erhalt von alten Bäumen müsse vor dem Hintergrund der Klimaproblematik ein Ziel der Gemeinde sein, da diese eine große Menge CO2 aufnehmen können. „Gerade weil es aber auch in Zukunft aufgrund sich ändernder Klimaverhältnisse, z. B. Trockenheit und Änderung der Standortverhältnisse immer wieder Situationen geben wird, in denen Bäume leider nicht erhalten werden können, setzt sich die Gemeinde ebenso für die Pflanzung neuer Bäume ein.“

Derzeit etwa werde geprüft, welche gemeindlichen Flächen sich eignen, um weitere Bäume zu pflanzen. Bereits im vergangenen Jahr habe die Gemeinde mehrere Wiesenflächen von insgesamt über 12 000 Quadratmetern festgelegt, die für die Entfaltung von Pflanzen und Insekten zur Verfügung gestellt wurden. „In einem ähnlichen Ablauf sollen nun auch Flächen festgelegt werden, die zur Baumpflanzung genutzt werden könnten“, teilte die Verwaltung mit.

Dieses Vorhaben wiederum dürfte ganz im Sinne von Irmlind Laues sein. Das ehemalige SPD-Ratsmitglied hatte gegenüber der Siegener Zeitung allerdings Kritik am grundsätzlichen Vorgehen der Verwaltung geübt. Die Baumfällungen im Pulverwald waren dabei der Tropfen, der das vielzitierte Fass zum Überlaufen brachte. „Ich rege mich schrecklich darüber auf, wenn überall Kahlschlag betrieben wird. Das fing nicht erst oberhalb des Park-and-Ride-Parkplatzes in der Berliner Straße an, sondern schon im Altenschlager Weg. Man geht da einfach mit einem schlechten Beispiel voran, wenn Kinder Bäume pflanzen und ihre Eltern und Großeltern Kahlschlag betreiben“, haderte Irmlind Laues im SZ-Gespräch. Dass etwa das Eschensterben auch in Erndtebrück ein Thema sei, verhehlte die Erndtebrückerin nicht.

Mit Blick auf den Pulverwald konstatierte sie allerdings: „Dann kann man auch warten, bis die Bäume tatsächlich tot sind. Denn sie können sich auch davon erholen. Meiner Ansicht nach sollte man großzügiger denken. Die Frage ist, ob die Bäume immer dem Verkehr weichen müssen. Denn gerade die Bäume sind ja verantwortlich für die Sauerstoffproduktion.“ Doch nicht nur das Vorgehen im Kernort ist für Irmlind Laues ein Unding. Konkret verärgert zeigte sie sich auch über die Fällung der Linde auf dem Friedhof in Zinse: „Wenn der Baum das Dach der Kapelle berührt, dann kann man ihn beschneiden. Stattdessen wurde er früh am Morgen gefällt“, haderte die Erndtebrückerin, die mehr Fingerspitzengefühl forderte. Denn während es aus ihrer Sicht durchaus einen Plan B für den Pulverwald gegeben hätte, waren die Fällungen aus Sicht der Gemeinde Erndtebrück alternativlos.

In der Grimbachstraße ließ die Gemeinde Erndtebrück dieser Tage einzelne Bäume und Äste aus Gründen der Verkehrssicherheit entnehmen. Foto: Gemeinde
Die Gemeinde veranschaulichte mit einigen Bildern die Notwendigkeit der Fällungen. Foto: Gemeinde
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Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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