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Der "Lumbricus" zu Gast auf dem Giller
Kinder erforschen den Waldboden

Um mehr über die Bodenbeschaffenheit im Wald auf dem Giller bei Lützel zu erfahren, kam ein sogenannter Bohrstock zum Einsatz. Für die Kinder ein absoluter Höhepunkt.
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ako Lützel/Erndtebrück. Drei Stunden Walderlebnis und Erforschen: Der „Lumbricus“ – ein Umweltbus der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) – war am Donnerstag zu Gast auf dem Giller bei Lützel. Insgesamt zwölf Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren hatten dort im Rahmen des Kinder- und Jugendprogramms „Natur-Detektive“ der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein – das zusätzlich auch als Programmpunkt der Erndtebrücker Ferienspiele angeboten wurde – die Möglichkeit, den Waldboden und alle seine Bewohner genauer unter die Lupe zu nehmen. Die beiden Umweltpädagoginnen Regina von Oldenburg und Stefanie Horn sowie Sabine Portig von der Biologischen Station standen den jungen Entdeckern dabei als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite.

ako Lützel/Erndtebrück. Drei Stunden Walderlebnis und Erforschen: Der „Lumbricus“ – ein Umweltbus der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) – war am Donnerstag zu Gast auf dem Giller bei Lützel. Insgesamt zwölf Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren hatten dort im Rahmen des Kinder- und Jugendprogramms „Natur-Detektive“ der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein – das zusätzlich auch als Programmpunkt der Erndtebrücker Ferienspiele angeboten wurde – die Möglichkeit, den Waldboden und alle seine Bewohner genauer unter die Lupe zu nehmen. Die beiden Umweltpädagoginnen Regina von Oldenburg und Stefanie Horn sowie Sabine Portig von der Biologischen Station standen den jungen Entdeckern dabei als Ansprechpartner mit Rat und Tat zur Seite.
Bei feuchtem und nebeligem Wetter ging es für die Gruppe nach einer kurzen Begrüßung – bei der Stefanie Horn die Kinder über die wegen der Corona-Pandemie geltenden Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln aufklärte – ausgerüstet mit kleinen Schippen und Behältnissen etwa 250 bis 300 Meter tief in den Wald. Dort angekommen wartete schon der erste Höhepunkt auf die „Natur-Detektive“.
Regina von Oldenburg hatte einen Bohrstock – ein hohles, unten spitz zulaufendes Stahlrohr, das an der Seite etwa zu einem Drittel in der Länge aufgeschlitzt ist – mitgebracht, der nun zur Anwendung kam. Mit einem speziellen Hammer aus Kunststoff durften die Kinder abwechselnd das Instrument zur Entnahme von Bodenproben in die Erde schlagen. „Aber nicht zu feste, sonst bekommen wir den Bohrstock später nicht mehr heraus“, merkte Stefanie Horn an, die anschließend zusammen mit ihrer Kollegin in einem kleinen Kraftakt den Bohrstock aus der Erde zog.
Als Regina von Oldenburg den Kindern dann das Ergebnis der Proben des oberflächennahen Grundes präsentierte, fingen diese an zu staunen: „Das hier oben ist Humus, sehr gut zu erkennen. Der ist immer dunkelbraun.“ Die Schicht darunter wies eine viel hellere Farbe auf. Sie sei rostig und enthalte Spuren von Eisen, betonte die Umweltpädagogin. Mit einem Bohrstock können „Bodenkundler“ die Bodenbeschaffenheit und die einzelnen Bodenhorizonte bestimmen. Der mineralische Oberboden bildet den A-Horizont, eine Durchmischung findet sich im B-Horizont wieder. Das Ausgangsgestein lässt sich im C-Horizont erkennen. „Bodenkundler können anhand dieser Schichten ganz viel über den Boden erfahren, ohne ins Labor zu müssen“, erklärte Regina von Oldenburg der aufmerksamen Gruppe.
Danach waren die Kinder selbst an der Reihe. In vier Dreier-Teams verteilten sie sich im Wald und suchten nach allem, was auf dem Boden, zwischen Baumstümpfen oder unter der Laubschicht und Steinen umherkrabbelte oder -kriechte. Die jungen Entdecker fanden unter anderem Laufkäfer, Spinnen, Regenwürmer, Tausendfüßler, Asseln, Weberknechte oder Springschwänze. Aber auch im Boden selbst tummelt sich das Leben: „In einer Handvoll Erde können sich mehr Lebewesen befinden als es Menschen auf der Welt gibt“, betonte Regina von Oldenburg im Hinblick auf die zahlreichen im Boden lebenden Bakterien und Pilze.
Das Ziel der Exkursion sei es, den Kindern die Natur näher zu bringen und sie für diese zu sensibilisieren: „Die Vielfalt im Boden ist sehr wichtig. Die Kinder sollen ihr Wissen stärken und eine Ahnung von den wunderbaren Kreisläufen bekommen“, sagte Regina von Oldenburg, die mittlerweile seit 28 Jahren mit dem Umweltbus unterwegs ist: „Es ist so spannend, ich könnte den ganzen Tag im Laub buddeln. Man lernt immer wieder etwas Neues.“
Der Umweltpädagogin zufolge sei es auch „gut“, dass die Kinder nun wieder die Möglichkeit haben, trotz Pandemie diese Erfahrung zu machen: „Dieses Erlebnis berührt sie emotional. Digital wäre das nicht zu schaffen.“ Diese Ansicht teilte auch Sabine Portig, die an dieser Stelle darauf verwies, dass der „Lumbricus“ schon seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des Kinderprogramms „Natur-Detektive“ der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein sei.
Zurück am Umweltbus ging es für die Kinder an die Stereolupen – mit denen sie ihre gesammelten Tierchen in bis zu 40-facher Vergrößerung betrachten konnten. Wegen Corona durfte der Innenraum des Busses aber nicht genutzt werden: „Wir können im Bus die Abstände nicht einhalten“, erklärte Stefanie Horn die Umstände. Die mobile Laborausrüstung wurde deshalb draußen aufgebaut. Am Ende der Veranstaltung wurde das „Lieblingstier“ jeder Gruppe noch auf einen Bildschirm projiziert und genau bestimmt. Die Käfer, Würmer und anderen Tierchen wurden danach wieder im Wald ausgesetzt.

„Lumbricus“ – mit dem Umweltbus auf Entdeckungstour

Mit dem „Lumbricus“ – dem Umweltbus der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) kann die Umgebung „im Großen und im Kleinen“ unmittelbar erforscht werden. Seit 1992 ist er als mobile Umweltstation und rollendes Klassenzimmer im ganzen Bundesland unterwegs – seit 2001 mit zwei Fahrzeugen. In den Jahren 2014 und 2015 wurden die Erst-Fahrzeuge durch zwei neue Busse mit modernster Motortechnik ersetzt. Die Busse fahren klimaneutral. Die an Bord erforderliche elektrische Energie wird regenerativ durch Solaranlagen auf dem Dach der Fahrzeuge erzeugt. 28 Arbeitsplätze und eine mobile Laborausrüstung mit Mess- und Analysegeräten, Arbeitsmaterialien für den Naturkundeunterricht sowie Dokumentations- und Präsentationsgeräte gehören zur Ausstattung. Die Fahrzeuge verfügen auch über einen mobilen Internetzugang. Wasser-, Boden- und Lärmuntersuchungen können somit direkt im Gelände erfolgen und dokumentiert werden. Jugend- und Erwachsenengruppen oder Schulklassen weiterführender Schulen können den Umweltbus für einen Tag kostenlos anfordern. Unter Anleitung von Umweltpädagogen aus dem „Lumbricus“-Team untersuchen die Gruppen mit ihren Betreuern oder Lehrern einen Lebensraum im direkten Umfeld. Jede Gruppe kann die Ergebnisse ihrer Untersuchungen – vor allem die bewegten Bilder von millimetergroßen Tieren – auf digitalen Medien oder in Form von selbstverfassten Berichten mitnehmen. Die Untersuchungen mit dem „Lumbricus“ – dessen Symboltier ein Regenwurm ist – sind in drei Phasen aufgebaut: Entdecken im Gelände oder Ortsteil, Analyse der Funde und Daten im Bus und schließlich Zusammenfügen aller Informationen zu einem „komplexen Puzzle“ mit oft überraschenden Schlussfolgerungen und Handlungsperspektiven. Mehr Informationen gibt es dazu auch im Internet unter www.nua.nrw.de/lumbricus-der-umweltbus.

Um mehr über die Bodenbeschaffenheit im Wald auf dem Giller bei Lützel zu erfahren, kam ein sogenannter Bohrstock zum Einsatz. Für die Kinder ein absoluter Höhepunkt.
Was krabbelt denn da? Von Umweltpädagogin Regina von Oldenburg erfuhren die Kinder viel Wissenswertes über das spannende Leben im Waldboden.
Autor:

Alexander Kollek

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