CJD Birkelbach
Kinder- und Jugendhilfe gerade in Corona-Zeiten wichtig

Angelika Weber (oben links), Thalia Krug (unten links) und Verena Santos (unten rechts) berichten im SZ-Gespräch über die Arbeit des CJD in Corona-Zeiten.
  • Angelika Weber (oben links), Thalia Krug (unten links) und Verena Santos (unten rechts) berichten im SZ-Gespräch über die Arbeit des CJD in Corona-Zeiten.
  • Foto: Björn Weyand
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Birkelbach. Wenn es um Themen wie Homeschooling, Distanzunterricht und familiäre Probleme in der Corona-Krise geht, dann liegt häufig die Befürchtung nahe, dass besonders die Kinder und Jugendlichen darunter leiden, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben, benachteiligt sind und auf Hilfe angewiesen sind. Ob das tatsächlich so ist, wissen vor allem die Mitarbeitenden der ambulanten und stationären Kinder- und Jugendhilfe im Christlichen Jugenddorf (CJD) in Birkelbach. Verena Santos ist hier Leiterin des ambulanten Bereichs, der etwa die sozialpädagogische Familienhilfe, aber auch Schulsozialarbeit und Angebote der Lerntherapie umfasst. Sie findet, dass durch die Pandemie bestehende Probleme auf jeden Fall sichtbarer geworden seien: „Unsere Arbeit war und ist aktuell notwendiger denn je.“

Für Kinder und Jugendliche wirkt der Verlust der Strukturen schwer

Deshalb haben die Mitarbeitenden trotz aller Corona-Einschränkungen ihre Arbeit während der Pandemie zwar unter veränderten Bedingungen, aber inhaltlich letztlich wie gewohnt weitergeführt, Familien sowie Kinder und Jugendliche weiter auch mit Kontakten begleitet, wenn es das Wetter zugelassen hat, auch draußen. Online-Kontakte waren nur in den Situationen erforderlich, wenn es Corona-Fälle in Familien gab. Das habe allerdings gut funktioniert, berichtet Angelika Weber, die in der Schulsozialarbeit tätig ist. Sie weiß nur zu gut, dass für die Kinder und Jugendlichen vor allem der Verlust von Strukturen und Bezugspersonen während des Distanzlernens schwierig ist. Gerade deshalb sei es wichtig gewesen, die ambulante Hilfe auch in der Corona-Krise weiterzuführen. Denn es gebe Eltern, die die Aufgaben gut mit ihren Kindern durcharbeiten könnten – aber eben auch andere Eltern, die damit erhebliche Schwierigkeiten hätten. „Kinder sind darauf angewiesen, dass ein Erwachsener die Aufgabenstellungen mit ihnen durchgeht“, betont die Schulsozialarbeiterin. In dem Fall sei es überaus wichtig, so Verena Santos, dass jederzeit eine Notbetreuung in den Schulen angeboten werde – gerade unerlässlich für Jungen und Mädchen mit Unterstützungsbedarf.

Kinder bekommen die Ängste ihrer Eltern mit

Natürlich bekommen Kinder auch Existenzängste ihrer Eltern mit, die Pandemie ist eine besonders belastende Situation für zahlreiche Familien. Auch deswegen sind die Unterstützungsangebote gerade in dieser Zeit wichtig. Inwieweit die Pandemie für eine höhere Ungleichheit sorgen wird, müsse aber erst die Zeit zeigen, meint Angelika Weber. Die kompletten Folgen seien noch nicht abzusehen. Es sei wichtig, nicht nur die Probleme zu sehen, die die Pandemie mit sich gebracht habe, sondern auch die dadurch entstandenen Chancen: „Die Krise bringt uns auch näher zusammen.“ Dem stimmt Thalia Krug zu: „Wir müssen nach der Pandemie auch weiter dran bleiben, Kinder fördern und unterstützen. Das muss im Bewusstsein bleiben.“
Thalia Krug ist derzeit in der stationären Arbeit im Jugenddorf in Birkelbach in einer Gruppe mit fünf Kindern tätig. Die Pandemie hat für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen vor allem eine Änderung der Dienszeiten mit sich gebracht: Da die Kinder nicht die Schule oder den Kindergarten besuchen konnten, und dies auch jetzt teils nur eingeschränkt können, muss eine Kraft rund um die Uhr für sie da sein, außerdem kommt tagsüber eine zweite Fachkraft hinzu. „Wir wollen den Kindern einen sicheren Ort zum Leben bieten“, verrät Thalia Krug im SZ-Gespräch, das sei ja gerade in der Corona-Zeit noch mal wichtiger geworden. „Auch wir als Bezugspersonen sind für die Kinder noch wichtiger geworden“, fügt sie hinzu.

Kontakte zu den Eltern per Chat oder Telefon

Kontakte zu den Eltern seien in der Regel telefonisch oder per Videochat möglich gewesen, um eben die Zahl der Kontakte wie in allen Bereichen möglichst zu verringern. „Wir wollen die Kinder in alltäglichen Dingen begleiten und unterstützen“, erklärt Thalia Krug, eines allerdings kann trotz aller Bemühungen eben nicht ersetzt werden: die sozialen Kontakte, sei es in der Schule oder auch im Sportverein. Das CJD hat in Birkelbach aktuell drei stationäre Gruppen und eine Außengruppe in Bad Berleburg.
Ein großes Lob hat Thalia Krug für die Kinder, die diese besondere, ungewohnte Situation bravourös meistern, wenn es natürlich ab und zu Lagerkoller gebe. Angelika Weber bringt die Herausforderung für sie treffend auf den Punkt: In der Pandemie seien Kinder sehr oft wie Erwachsene behandelt worden.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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