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Wenn es zum Schwur kommt:
Klimaschutz ja – aber nicht vor meiner Tür

Lothar Schneider. Foto: privat
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vö Birkelbach. Als über das Wort Klimawandel nur in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert wurde, war dieser Mann bereits in Sachen regenerative Ideen unterwegs: Lothar Schneider hielt Vorträge über erneuerbare Energien, grünen Strom und die Reduzierung von Kohlendioxid. Kurz nach der Jahrtausendwende war der Birkelbacher mit der ersten Windenergieanlage auf der Konzentrationszone Osterholz zwischen Sassenhausen und Weidenhausen Erfinder des ersten Bürger-Windrades in der Region. Die Einleger profitierten unmittelbar von den Erlösen, die die Windmühle erwirtschaftete. Lothar Schneider ist Gesprächspartner im sechsten Teil der Weltretter-Interviewreihe.

Mitte der 1980er Jahre waren Sie bereits in Sachen regenerative Energien unterwegs.

vö Birkelbach. Als über das Wort Klimawandel nur in wissenschaftlichen Kreisen diskutiert wurde, war dieser Mann bereits in Sachen regenerative Ideen unterwegs: Lothar Schneider hielt Vorträge über erneuerbare Energien, grünen Strom und die Reduzierung von Kohlendioxid. Kurz nach der Jahrtausendwende war der Birkelbacher mit der ersten Windenergieanlage auf der Konzentrationszone Osterholz zwischen Sassenhausen und Weidenhausen Erfinder des ersten Bürger-Windrades in der Region. Die Einleger profitierten unmittelbar von den Erlösen, die die Windmühle erwirtschaftete. Lothar Schneider ist Gesprächspartner im sechsten Teil der Weltretter-Interviewreihe.

Mitte der 1980er Jahre waren Sie bereits in Sachen regenerative Energien unterwegs. Wie kam es zu Ihrem Interesse in einer Zeit, in der viele Menschen das Wort noch nicht einmal kannten?

• Damals war es zunächst meine Abneigung gegenüber der unverantwortlichen Atomenergie, die mich auf die Spur setzte. Während meines Maschinenbaustudiums habe ich in Fachzeitschriften und Büchern – Internet gab es ja noch nicht – gelesen, wie in Dänemark bereits nennenswerte Windenergieprojekte umgesetzt wurden und auch deutsche Hersteller sich an Windkraftanlagen versuchten. Diese Technologien haben mich fasziniert.

Hat Sie der sprichwörtliche Gegenwind aus dieser Zeit getroffen oder mehr angespornt, genau da weiter zu machen?

• Den Gegenwind gab es weniger aus der Bevölkerung als aus den Reihen der politischen Entscheidungsträger, man wurde schnell als „grüner Spinner“ einsortiert. Das hat mich manchmal getroffen, alles in allem aber eher angespornt. Schließlich wurde auch damals schon von Wissenschaftlern gefordert, in Verantwortung für nachfolgende Generationen unbedingt den Verbrauch fossiler Rohstoffe zu reduzieren und möglichst weitgehend erneuerbare Energien zu nutzen.

Empfinden Sie Genugtuung, dass in der heutigen Zeit selbstverständlich über regenerative Energien diskutiert und gesprochen wird?

• Was heißt Genugtuung? Ich war von meinem Weg immer überzeugt und bin natürlich froh, dass das Thema – leider erst mit 30 Jahren Verspätung – endlich ernst genommen wird, wenn auch nicht von allen. Es gibt heute einen gut vernetzten Kreis bis in höchste Regierungsämter, die gegen die Energiewende arbeiten. Aber auf der anderen Seite freut es mich besonders, dass vor allem viele junge Menschen aufstehen und für ihre Zukunft auf die Straße gehen. Sie haben den Ernst der Lage begriffen.

Sind Sie mit dem Anteil der regenerativen Energien an der Gesamtproduktion zufrieden oder müsste deutlich mehr getan werden?

In den vergangenen Jahren hat unsere Bundesregierung alles getan, um den Ausbau zu bremsen und damit massiv die Kohleverstromung gefördert. Um das 1,5- oder auch nur das 2-Grad-Ziel zu erreichen, müsste weitaus mehr getan werden. Das Ziel sollte eigentlich heißen, in etwa 15 Jahren klimaneutral zu sein und nicht erst im Jahr 2050.

Wie ist Ihre Meinung zum Thema Elektromobilität?

• Grundsätzlich sind Elektroautos heute deutlich umweltfreundlicher als Verbrenner, aber ein großer SUV wird nicht dadurch klimafreundlich, wenn er elektrisch fährt. Und leider geht die Tendenz weiterhin zu großen Autos. Ansonsten freue ich mich, dass die E-Autos jetzt endlich einen nennenswerten Anteil an den Neuzulassungen haben. Die Reichweite der Autos ist heute so groß, dass dies für die meisten Nutzer kein Gegenargument mehr sein kann. Leider herrscht hier aber noch viel Unkenntnis und Falschinformation vor.

Vertreten Sie persönlich die Meinung, dass unser Planet sprichwörtlich noch zu retten ist?

• Ehrlich gesagt, bin ich da ziemlich skeptisch. Denn bisher ist die Bereitschaft zum notwendigen Wandel für mich nicht ernsthaft erkennbar. Alle reden zwar mit, umsetzen sollen das dann aber erst mal andere. Weltweit warnen Klimawissenschaftler, dass alle bisherigen Maßnahmen nicht ansatzweise ausreichen, unser Klima noch zu retten. Bereits heute gibt es schon so viele irreversible Schäden, die viel schneller eingetreten sind, als vorhergesagt. Bei Corona hören Politiker durchaus auf Wissenschaftler, warum bitte nicht beim Klimaschutz?

Oft wird über die Versorgungssicherheit von erneuerbaren Energien diskutiert. Berechtigte Fragestellungen oder aus der Luft gegriffen?

• Hier liegen genügend Konzepte bereit, mit denen auch bei 100 Prozent erneuerbaren Energien die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann. Wer das bezweifelt, stellt den Ingenieuren und Wissenschaftlern ein Armutszeugnis aus. Im Stromsektor haben die erneuerbaren Energien mittlerweile einen Anteil von 50 Prozent. Skeptiker haben noch vor wenigen Jahren einen solchen Anteil für unmöglich gehalten und völlig instabile Verhältnisse vorausgesagt. Aber wer nicht bereit ist, sein Verhalten zu ändern, der findet immer wieder vermeintliche Gründe, das Neue abzulehnen.

Ist das Thema Windenergie bundesweit – auch mit Blick auf unsere Region – gerecht verteilt?

• Keineswegs. Aufgrund der Windverhältnisse über Deutschland war die Entwicklung logisch, dass die Anfänge im windreichen Norden lagen und dass dort in der Folge der Großteil der Windenergieanlagen installiert wurde. Mittlerweile ist das aber zusammen mit der Offshore-Erzeugung in der Nordsee so viel, dass man neue Netztrassen braucht, um diesen Strom nach Süden zu bringen, wo er gebraucht wird. Die will dann auch wieder niemand. Sinnvoller wäre es, die Stromerzeugung viel dezentraler über Deutschland zu verteilen. In den Braunkohlerevieren haben viele Anwohner wenig Verständnis dafür, dass man in anderen Regionen schon den Anblick einer Windkraftanlage als unerträglich sieht, während man ihnen ihre Dörfer wegbaggert – auch für unseren Strombedarf.

Lothar Schneider. Foto: privat
Der Birkelbacher Energie-Fachmann Lothar Schneider ist skeptisch, was die Rettung des Planeten angeht. Ihm fehlt eine ernsthafte Bereitschaft der politisch Verantwortlichen, um den dringend erforderlichen Wandel einzuleiten.  Foto: Archiv
Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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