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Gegenentwurf zur Großstadt
Konzept zum KoDorf vorgestellt

Die Informationsveranstaltung lockte am Samstag über 150 Besucher an, nicht wenige davon kamen von außerhalb. Das Erndtebrücker KoDorf-Projekt nimmt ordentlich Fahrt auf.
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  • Die Informationsveranstaltung lockte am Samstag über 150 Besucher an, nicht wenige davon kamen von außerhalb. Das Erndtebrücker KoDorf-Projekt nimmt ordentlich Fahrt auf.
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vö Erndtebrück. Die Gemeinde Erndtebrück ist drauf und dran, das Wohnen und Arbeiten im ländlichen Raum neu zu denken – und sprichwörtlich neu zu leben. Die Idee vom KoDorf auf dem Gelände des früheren Sägewerkes Belz lockte am Samstagnachmittag auf Anhieb mehr als 150 interessierte Menschen an – und das in Zeiten von Corona. Bemerkenswert dabei: Rund 30 bis 40 Leute waren jenseits der Kreisgrenzen Siegen-Wittgensteins angereist, vornehmlich aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. „Im Internet gelesen, spannend, sollte man sich anschauen“, sagte beispielsweise ein Familienvater aus dem Kölner Raum im SZ-Gespräch, der die über dreistündige Veranstaltung bis zum Schluss verfolgte. Dazu kamen viele Erndtebrücker, die den Blick über den Tellerrand wagten.

Erndtebrück. Die Gemeinde Erndtebrück ist drauf und dran, das Wohnen und Arbeiten im ländlichen Raum neu zu denken – und sprichwörtlich neu zu leben. Die Idee vom KoDorf auf dem Gelände des früheren Sägewerkes Belz lockte am Samstagnachmittag auf Anhieb mehr als 150 interessierte Menschen an – und das in Zeiten von Corona. Bemerkenswert dabei: Rund 30 bis 40 Leute waren jenseits der Kreisgrenzen Siegen-Wittgensteins angereist, vornehmlich aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet. „Im Internet gelesen, spannend, sollte man sich anschauen“, sagte beispielsweise ein Familienvater aus dem Kölner Raum im SZ-Gespräch, der die über dreistündige Veranstaltung bis zum Schluss verfolgte. Dazu kamen viele Erndtebrücker, die den Blick über den Tellerrand wagten.

Für ihre KoDorf-Idee hatten die Initiatoren in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv die Werbetrommel gerührt – vornehmlich natürlich im „Netz“, weil die Alternativen fehlten. Die Idee: Auf dem Areal des Sägewerks Belz, das seinen Betrieb im Jahr 2014 einstellte, soll ein Ort des Lebens und Arbeitens entstehen, der sowohl Raum für Individualität lässt, als auch Gemeinschaft bietet. Kleine Wohnhäuser sollen ein „Dorf“ bilden, zumindest große Teile des Sägewerks zu Gemeinschaftsräumen umfunktioniert werden.

Architekt Patric Meier kündigte an, dass man in eineinhalb Jahren mit dem Bau beginnen wolle. „Viele Menschen wollen auf dem Land leben, aber sie können es noch nicht, weil die Angebote fehlen“, machte KoDorf-Ideengeber Frederik Fischer deutlich. Dies sei der Ansatz des Projektes. Das erste KoDorf in Deutschland entsteht aktuell in Wiesenburg in Brandenburg, ebenfalls auf einem früheren Sägewerks-Gelände. Erndtebrück wäre damit bundesweit die Nummer zwei. Und Frederik Fischer, nach eigener Aussage „Journalist mit zwei linken Händen“, freute sich darüber, dass die Bevölkerung das Projekt in Erndtebrück so positiv trage. Natürlich könnten Projekte auch scheitern, deshalb müsse in die Entwicklung und bereits in die Bauphase viel Fingerspitzengefühl investiert werden.

Frederik Fischer stufte die Voraussetzungen für das Ko-Dorf als hervorragend ein. Vielleicht noch vor fünf Jahren sei die Situation so gewesen, dass sich Menschen vom Land dafür geschämt hätten, wenn sie in der Stadt von ihrem Leben erzählt hätten. Heute seien die ländlichen Regionen gegenüber den Städten längst im Vorteil: „Die Menschen auf dem Land werden beneidet. Stadtflucht manifestiert sich.“ Zumal sich speziell in Südwestfalen viel bewege. Das Sägewerks-Gelände in Erndtebrück versprühe eine tolle Atmosphäre. Zum einen sei man nah dran am Ortskern, zum anderen mitten in der Natur. Das passe genau zum Trend, dass Menschen ihre Zeit zunehmend „offline“ verbringen wollten, sie verfolgten die Idee, sich vor Ort zu engagieren.

Katrin Frische aus dem Projekt-Team verriet, dass es für das Projekt einige Interessenten in ganz Deutschland gegeben habe: „Aber in Erndtebrück sind wir hängen geblieben.“ Das Gelände spreche für sich. Und: „Wir wollen zeigen, dass wir nicht von Großstädten abhängig sind. Es geht auch weniger überhitzt und kostspielig.“ In Wiesenburg, wo aktuell das erste KoDorf Deutschlands entstehe, würden 40 Häuser gebaut. Gut 30 Reservierungen lägen vor, so Katrin Frische – die mit 3100 Euro zu buchen seien: „Uns als Initiatoren ist es ganz wichtig, dass die Menschen Teil des KoDorfs sind.“ Und: Die Menschen müssten sich erst einmal finden, sich kennenlernen.

Architekt Patric Meier räumte ein, „dass wir mit den Hausgrößen in Erndtebrück ziemlich radikal vorgegangen sind“. Das größte Haus auf dem Sägewerks-Gelände sei mit 64 Quadratmetern angedacht. Aber: „Je besser die Häuser durchgeplant sind, desto weniger Fläche brauchen sie.“ Alle Bewohner seien gut beraten, sich selbst zu beschneiden, um sich in der Genossenschaft mehr leisten zu können. Er sehe das Projekt als „Maßanzug für diesen Ort“. Es sei ein Privileg, hier zu bauen. Das KoDorf habe einen ökologischen Anspruch, selbstverständlich werde mit nachwachsenden Rohstoffen gebaut, „unter anderem mit Holz“.

Auch auf Zahlen kam der Architekt zu sprechen: In Wiesenburg sei man mit einem 60-Quadratmeter-Haus – inklusive aller Nebenkosten – mit rund 268 000 Euro dabei. In Erndtebrück schätze er den Tarif günstiger ein – zum einen gebe es keine Altlasten, zum anderen sei die Immobilie hier in Erndtebrück in einem deutlich besseren Zustand als in Brandenburg. Wichtig sei für ihn immer eines: „Der Hauptteil des Geldes soll in die Häuser fließen.“ Deshalb sehe er sein Team, so Patric Meier, auch nicht als Investoren, sondern als „Ermöglicher“. Wer viel Eigenkapital mitbringe, zahle weniger Wohngeld – und umgekehrt. Und: Wer von Beginn an dabei sei, habe natürlich das größte Mitspracherecht.

Und was sagt die Eigentümer-Familie Belz, die am Samstag nahezu komplett vertreten war, zu den Plänen auf ihrem Grundstück. Dirk-Ludwig Belz: „Wenn das Projekt wirklich umgesetzt wird und viel vom Sägewerk erhalten werden kann, wäre das optimal.“ Mehr Rückenwind geht aktuell nicht.

Autor:

Martin Völkel (Redakteur) aus Bad Berleburg

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