Länger leben oder in Würde sterben?

Seelsorger Hartmut Uebach referierte in Erndtebrück über das Thema »Patientenverfügung«

vg Erndtebrück. »Immer mehr Menschen sagen: Ich möchte mein Leben nicht an Automaten oder an Schläuchen beenden«, stellte Hartmut Uebach vom Evangelischen Hospiz Siegerland fest. Sein Vortrag zum Thema »Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht« vor den Mitgliedern des Ausschusses für Familien, Senioren, behinderte Menschen und Soziales im Rathaus Erndtebrück rückte die möglicherweise letzten Lebenstage eines Menschen in den Fokus. Hier knüpfe die Patientenverfügung an. »Sie greift in dem Falle, wenn ein Mensch sich nicht mehr verständigen kann«, so der Seelsorger. Die schriftliche Willenserklärung sei in dem Fall von Nutzen, wenn man seinen Willen nicht mehr aus eigener Kraft kundtun könne.

»Unsere Einstellung zum Bereich Medizin hat sich verändert«, fügte der Leiter des Netzwerkes Hospiz hinzu, »es gibt Menschen, die haben Angst vor einem Zuviel an Medizin.« Mancher Betroffene sei einfach im Hinblick auf die Vielzahl der medizinischen Möglichkeiten letztlich vor die Frage gestellt: »Habe ich überhaupt noch ein Mitspracherecht?« Die Patientenverfügung sei in diesem Zusammenhang eine nicht zu unterschätzende Stütze. »Bei uns trifft am Ende immer noch der Mediziner die endgültige Entscheidung, wenn keine Willenserklärung vorliegt oder geäußert wird.« Juristisch sei das Thema »Patientenverfügung« auch noch nicht abgesichert. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) plane zwar, durch einen Gesetzesentwurf die rechtlichen Grundlagen für eine Patientenverfügung zu schaffen, wann dies aber passiere, sei noch nicht absehbar. »Ich möchte mich dennoch für die Patientenverfügung aussprechen, da sie eine Hilfe bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patienten ist«, so Hartmut Uebach.

Viele Menschen seien heutzutage bereit, die kompletten Angebote der Intensiv-Medizin für sich in Anspruch nehmen, andere stehen den einen oder anderen Behandlungsformen aber skeptisch gegenüber. Daher sei es wichtig, seine eigene Meinung zu diesem komplexen Thema frühzeitig in schriftlicher Form festzuhalten. Dabei könne man von vornherein eines feststellen: »Je detaillierter eine Patientenverfügung verfasst ist, umso eher ist ein Arzt auch bereit, darauf Rücksicht zu nehmen.« In diesem Zusammenhang sei es ratsam, auf jeden Fall den Hausarzt zu Rate zu ziehen. »Er kann mir genau sagen, was es bedeutet, wenn ich bestimmte Dinge von vornherein ablehne«, so der Referent. Schließlich gehe es um zahlreiche Fragen, zum Beispiel darum, ob man im Falle einer schlimmen Erkrankung eine Schmerzbehandlung in Anspruch nehmen wolle, und wenn ja, in welcher Form. Das Thema »Künstliche Ernährung« müsse mit angedacht werden, aber auch andere Fragen: »Wie steht man zum Beispiel einer Wiederbelebung gegenüber? Möchte man am Ende künstlich beatmet werden? Welche Meinung vertritt man im Hinblick auf die Verabreichung von Antibiotika?« All dies gelte es, zu berücksichtigen. »Eine Patientenverfügung ist aber nicht nur für Senioren wichtig, sie betrifft jeden von uns.« Wichtig sei auch, dass man mit dem Ausfüllen der Willenserklärung zugleich auch einen Menschen bestimme, der im Ernstfall den eigenen Willen vertrete, falls man ihn selbst nicht mehr äußern könne. Hier schließe sich auch die »Vorsorgevollmacht« an. Idealerweise solle eine Patientenverfügung jährlich oder alle zwei Jahre aktualisiert werden, mit Datum und Unterschrift. Auch sei es ratsam, die Menschen im unmittelbaren Bekanntenkreis wissen zu lassen, dass man ein solches Schriftstück verfasst habe und wo man dieses im Bedarfsfall finden könne. »Außerdem sollte der Hausarzt immer eine Kopie der Willenserklärung besitzen«, so der Referent.

Letztlich bedeute die Patientenverfügung auch eine Entlastung für den behandelnden Mediziner. »Oft befinden sich viele Ärzte in der Klemme, wenn sie in einer kritischen Situation eine Entscheidung über den Patienten treffen müssen, mit der Patientenverfügung wissen sie: Wir entscheiden gemeinsam.« Irmlind Laues (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Familien, Senioren, behinderte Menschen und Soziales, dankte dem Referenten abschließend für den aufschlussreichen Vortrag.

Die Geschäftstelle der Siegener Zeitung in Bad Berleburg, Poststraße 34, bietet ein entsprechendes Nachschlagewerk zum Thema an. Weitere Informationen gibt es darüber hinaus unter der Adresse »www.bmj.bund.de«.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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