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Szenarien für das Wild
Lebensraum hat sich verändert

Das größere Wild, wie etwa Rehe, sucht tagsüber die Einstände auf. Das sind geschützte Bereiche, die die Tiere regelmäßig nutzen. Fallen diese etwa durch Rodung weg, beginnen die Wanderschaft und die Suche der Tiere.
  • Das größere Wild, wie etwa Rehe, sucht tagsüber die Einstände auf. Das sind geschützte Bereiche, die die Tiere regelmäßig nutzen. Fallen diese etwa durch Rodung weg, beginnen die Wanderschaft und die Suche der Tiere.
  • Foto: damo
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vc Benfe. Am Anfang standen die trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2020. Es folgte der Borkenkäfer, der die geschwächten Bäume nun befallen konnte. Das großflächige Verschwinden ganzer Wälder hat Folgen, von denen auch der Benfer Ortsvorsteher Matthias Althaus, seines Zeichens Geschäftsführer im Hegering Erndtebrück, berichten kann. Er sieht die Problematik differenziert.

„So lange es sich um kleinflächige Abholzungen handelt, macht es den Wildtieren so gut wie nichts aus, wenn der Wald verschwindet, weil ja dann ausreichend...

vc Benfe. Am Anfang standen die trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2020. Es folgte der Borkenkäfer, der die geschwächten Bäume nun befallen konnte. Das großflächige Verschwinden ganzer Wälder hat Folgen, von denen auch der Benfer Ortsvorsteher Matthias Althaus, seines Zeichens Geschäftsführer im Hegering Erndtebrück, berichten kann. Er sieht die Problematik differenziert.

„So lange es sich um kleinflächige Abholzungen handelt, macht es den Wildtieren so gut wie nichts aus, wenn der Wald verschwindet, weil ja dann ausreichend Ausweichmöglichkeiten im näheren Umfeld vorhanden sind“, unterstreicht Matthias Althaus, der aber anfügt: „Wenn es sich allerdings um wirklich großflächige Abholzungen handelt, und da sehen wir ja jetzt einige momentan, dann sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. Insbesondere unserer größten heimischen Wildart, dem Rotwild, macht das schon zu schaffen. Die verlieren ihre Tageseinstände (schützende Aufenthaltsorte des Wilds, Anm. d. Red), die einfach weg sind. Die Tiere müssen dann in Randbereiche ausweichen, die unter Umständen gar nicht die Qualität haben wie die alten Einstände, die das Wild ja mühsam gesucht hat.“ In der Folge könnte es zu neuen Wildkonzentrationen kommen, was wiederum für die noch stehen gebliebenen Wälder durchaus eine Belastung bedeuten kann, sprich Schälschäden oder zusätzlichen Verbiss.

Kein Thema für Verbände oder Vereinigungen

Diese Probleme müssten von den Betroffenen vor Ort besprochen werden, meint Matthias Althaus. „Das ist jetzt kein Thema für Verbände oder Vereinigungen. Da ist in der Regel der enge Kontakt des örtlichen Jägers mit dem Eigentümer von Grund und Boden in erster Linie gefragt. Das geht nur, wenn man dabei wirklich eine enge Kooperation sucht und zusammen Lösungsansätze bespricht.“

Die neue Situation werde dazu führen, so befürchtet der Ortsvorsteher, dass die Flächen, die jetzt wieder neu bepflanzt werden, mit ihren Jungpflanzen gefährdet seien. Örtlich verstärkte Bejagung sei dann wohl erforderlich. Eine kritische Phase sieht Matthias Althaus in den kommenden Jahren, angefangen beim Pflanzstadium bis zu einem Alter der Pflanzen von sieben oder acht Jahren. „Dann ist so eine Fläche für Reh- oder Rotwild genau das, was für uns eine frische Erdbeerplantage ist. Das ist für Wild ein Magnet, eben lecker und schmackhaft. Im späteren Stadium bieten die Anpflanzungen auch noch Deckung“, betont der Jäger. Da fühlten sich die Tiere sicherlich wie im Paradies. Das führe dann zu einer Konzentration von Wild an diesen Plätzen, was wiederum verstärkten Schaden an den jungen Pflanzen zur Folge habe.

Änderung des Landesjagdgesetzes

Matthias Althaus berichtet, dass aktuell eine Änderung des Landesjagdgesetzes unter dem Überbegriff „Waldstrategie 2050“ beraten werde. „Dabei sollen im Interesse einer störungsfreien Wiederbewaldung die über Jahrzehnte bewährten Jagd- und Schonzeiten großzügig über Bord geworfen werden. Diese Entwicklung sehe ich wirklich kritisch, wobei gegen lokal vorhandene überhöhte Wildbestände tatsächlich etwas unternommen werden muss. Was nach dem Abholzen kommt, entscheidet sich danach, wem der Wald gehört.“ Er kenne einige Fälle, bei denen das Gelände einzelnen, schon betagten Personen gehöre, die sich natürlich fragten, was sie dort noch großartig investieren sollten.

Dass diese Wälder vielleicht einfach der Natur überlassen würden, sieht der Geschäftsführer des Hegerings als große Chance an: „Das könnte durchaus dazu führen, dass man auf kleineren Flächen ein Stück weit von diesen Mono-Fichtenkulturen wegkommt. Die Natur könnte da gewinnen.“

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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