SZ

Wenig Fortschritt bei "Route 57"
Massive Kritik an Straßen NRW

Die „Route 57“ in ihrer Gesamtheit soll Wittgenstein besser an die HTS bis hinauf zu den Autobahnen anbinden. Dass das Vorhaben aber nur langsam voranschreitet, ärgert die Politik in Erndtebrück maßlos. Unverständnis herrscht darüber, dass auch eine Nordvariante, die eigentlich schon ausgeschlossen war, nochmal geprüft werden soll.
  • Die „Route 57“ in ihrer Gesamtheit soll Wittgenstein besser an die HTS bis hinauf zu den Autobahnen anbinden. Dass das Vorhaben aber nur langsam voranschreitet, ärgert die Politik in Erndtebrück maßlos. Unverständnis herrscht darüber, dass auch eine Nordvariante, die eigentlich schon ausgeschlossen war, nochmal geprüft werden soll.
  • Foto: Straßen NRW
  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

bw Erndtebrück. Die Mitglieder des Bauausschusses in Erndtebrück hatten am Montag ja eigentlich schon beim Regionalplan mächtig Dampf abgelassen (die SZ berichtete ausführlich) – allerdings war später auch beim Thema „Route 57“ noch viel Druck auf dem Kessel. Angesichts der minimalistisch wirkenden Fortschritte bei der Ortsumgehung Erndtebrück redeten sich die Kommunalpolitiker regelrecht in Rage. Bürgermeister Henning Gronau erläuterte zunächst, dass der Suchraum für die anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung (also die gewählte Fläche für die Artenschutzkartierung) relativ groß sei. Die Konsequenz: Die Erstellung des Gutachtens müsse wegen seiner Größenordnung nun auch europaweit ausgeschrieben werden. Mit einer Vergabe ist damit erst im Jahr 2022 zu rechnen.
Mehr Druck auf Straßen.

bw Erndtebrück. Die Mitglieder des Bauausschusses in Erndtebrück hatten am Montag ja eigentlich schon beim Regionalplan mächtig Dampf abgelassen (die SZ berichtete ausführlich) – allerdings war später auch beim Thema „Route 57“ noch viel Druck auf dem Kessel. Angesichts der minimalistisch wirkenden Fortschritte bei der Ortsumgehung Erndtebrück redeten sich die Kommunalpolitiker regelrecht in Rage. Bürgermeister Henning Gronau erläuterte zunächst, dass der Suchraum für die anstehende Umweltverträglichkeitsprüfung (also die gewählte Fläche für die Artenschutzkartierung) relativ groß sei. Die Konsequenz: Die Erstellung des Gutachtens müsse wegen seiner Größenordnung nun auch europaweit ausgeschrieben werden. Mit einer Vergabe ist damit erst im Jahr 2022 zu rechnen.

Mehr Druck auf Straßen.NRW

Dieser wenig erbauliche Sachstand war Wasser auf die Mühlen der Ausschussmitglieder. Karl Ludwig Völkel (SPD) sah keinerlei Bewegung bei der „Route 57“. Es sei notwendig, mehr Druck auf Straßen NRW aufzubauen, forderte der frühere Erndtebrücker Bürgermeister: „Es kann so nicht weitergehen. Ich habe den Eindruck, dass der Landesbetrieb bewusst so langsam arbeitet, um dieses Vorhaben gar nicht umsetzen zu müssen.“ Allein der dreispurige Ausbau der Bundesstraße 62 von Erndtebrück bis Lützel „müsste doch längst stehen“, meinte Karl Ludwig Völkel und fügte hinzu: „Unsere Menschen und unsere Betriebe warten auf diese Straße.“ Bislang sei der Verkehr noch auf Strecken unterwegs, die einst für Pferdegespanne angelegt und später nur ausgebaut worden seien.

Kritik nach ganz oben?

Seiner Forderung, auf den Besuch eines Vertreters von Straßen NRW in einer Ausschusssitzung zu bestehen, schlossen sich Vertreter aller Fraktionen an. Markus Killer (CDU) ging noch einen Schritt weiter: Wenn vom Landesbetrieb keiner kommen wolle, dann müsse die Gemeinde eben die Vorgesetzten nerven – bis hinauf zu NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. So könnte Erndtebrück etwa mit einem Brief an die Ministerien „noch einmal ein echtes Zeichen setzen“, fand der CDU-Fraktionsvorsitzende.

Unmut ist verständlich

Besonders sauer stieß der Politik in Erndtebrück auf, dass offenbar eine Nordvariante noch einmal untersucht werden soll. „Was soll diese Prüfung im Norden? Da kann doch eh niemals eine Straße gebaut werden“, ärgerte sich Lothar Menn (SPD). Mit Blick auf die laufenden Untersuchungen zum Bau einer Talsperre im Elberndorftal merkte Markus Killer an: „Bei dem Tempo ist die Talsperre eher gebaut als eine Umgehungsstraße.“ Dann könnten dort ja ohnehin nur noch Wasserfahrzeuge verkehren. Karl Ludwig Völkel brachte die Einschätzung auf den Punkt: „Die Nordvariante ist doch längst tot.“

Wittgenstein zu unwichtig?

Heinz-Georg Grebe (FDP) erinnerte indes daran, dass eine Trasse im Süden bereits vor Jahren feststand: „Wieso hat man damit nicht angefangen?“ Fritz Hoffmann (CDU) hatte da einen konkreten Verdacht: In Berlin und in Düsseldorf interessiere es niemanden, ob diese Straße nach Wittgenstein gebaut werde. „Das ist denen einfach zu teuer und die 40 000 Wittgensteiner mit gerade mal 25 000 Wählerstimmen sind zu unbedeutend.“ Für Guido Schneider (FDP) hat „das langsame Arbeiten beim Landesbetrieb“ dagegen Tradition, die von unterschiedlichsten Ministern seit Jahrzehnten toleriert worden sei. Insofern könne NRW nur neidisch nach Bayern blicken, wo solche Projekte eben ganz anders abgearbeitet würden, betonte der Freidemokrat.

"Ich habe den Eindruck, dass der Landesbetrieb bewusst so langsam arbeitet, um dieses Vorhaben gar nicht umsetzen zu müssen."
Karl Ludwig Völkel (SPD)
Vorsitzender im Bauausschuss

Henning Gronau erinnerte daran, dass NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst zuletzt bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Siegen ein Bekenntnis zur „Route 57“ abgegeben habe, so dass es nicht mehr um das „Ob“, sondern eben nur noch um das „Wie“ gehen werde. Solchen Worten müssten dann aber auch die entsprechenden Handlungen folgen, fügte der Rathaus-Chef hinzu.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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