SZ

Kühe bald in Kurzarbeit?
Meinungen gehen bei der Milchmenge auseinander

Müssen die Kühe in Kurzarbeit? Erste deutsche Molkereien fordern, die Milchmengen zu reduzieren, die heimischen Bauern stehen (noch) nicht unter Druck. Foto: Björn Weyand
  • Müssen die Kühe in Kurzarbeit? Erste deutsche Molkereien fordern, die Milchmengen zu reduzieren, die heimischen Bauern stehen (noch) nicht unter Druck. Foto: Björn Weyand
  • hochgeladen von Björn Weyand (Redakteur)

bw Erndtebrück. Etwa 32 Cent erhalten Landwirte derzeit im Schnitt für den Liter Milch. Das ist schon zu wenig, die Produktionskosten liegen bei 43 Cent. Dass Milchbauern deshalb mit der Bezahlung für ihr Erzeugnis nicht zufrieden sind, ist kein Wunder. Nun droht aber noch mehr Ungemach, das neben der extremen Trockenheit für weitere Ängste sorgt: Die ersten deutschen Molkereien setzen Landwirte unter Druck, weniger Milch zu liefern – zwischen fünf und zehn Prozent. Droht jetzt auch den Kühen (und damit natürlich auch ihren Besitzern) etwa die Kurzarbeit?

Kreislandwirt Lothar Menn verrät, dass es bisher nur einzelne Molkereien sind, die diese Reduzierung der Milchmenge einfordern und die heimische Region ist bislang noch nicht betroffen.

bw Erndtebrück. Etwa 32 Cent erhalten Landwirte derzeit im Schnitt für den Liter Milch. Das ist schon zu wenig, die Produktionskosten liegen bei 43 Cent. Dass Milchbauern deshalb mit der Bezahlung für ihr Erzeugnis nicht zufrieden sind, ist kein Wunder. Nun droht aber noch mehr Ungemach, das neben der extremen Trockenheit für weitere Ängste sorgt: Die ersten deutschen Molkereien setzen Landwirte unter Druck, weniger Milch zu liefern – zwischen fünf und zehn Prozent. Droht jetzt auch den Kühen (und damit natürlich auch ihren Besitzern) etwa die Kurzarbeit?

Kreislandwirt Lothar Menn verrät, dass es bisher nur einzelne Molkereien sind, die diese Reduzierung der Milchmenge einfordern und die heimische Region ist bislang noch nicht betroffen. Die Probleme dahinter sind regional unterschiedlich: Im Norden etwa seien es Molkereien, die in erster Linie für Gastronomie und Großhandel in großen Gebinden produzieren. Ihnen fehlt nun der Absatzmarkt, da Restaurants, Hotels und Kantinen geschlossen sind. Eine Umstellung dieser Molkereien auf die Herstellung für den Einzelhandel sei nicht so einfach, erklärt Lothar Menn: Hierfür fehlt es etwa an Verpackungsmaterial. Dagegen ist im Süden der Milchexport nach Italien eingebrochen und China fiel ebenfalls als Absatzmarkt weg. Die Situation der Molkereien, die von den heimischen Landwirten beliefert werden, ist eine völlig andere: Sie könnten wohl noch mehr Milch abnehmen, da sie breiter aufgestellt sind und vor allem für den Einzelhandel produzieren, in dem die Nachfrage nach Milch eher sogar gestiegen sei, weil die Menschen selbst kochen müssten, gibt der Landwirt vom Hof Rohrbach zu bedenken. Unterm Strich sei noch kein Rückgang zu verzeichnen, „aber ich bin kein Prophet, das kann sich sicherlich morgen schon ändern“.

Chancen für eine deutschland- oder sogar EU-weite Reduzierung der Milchmengen sieht Lothar Menn nicht: „Das funktioniert nicht. Selbst wenn wir es in Deutschland hinbekommen würden, werden es die Holländer nicht machen.“ Es habe ja eine Milchquote gegeben, die habe jedoch letztlich nicht das Ziel erreicht, die Landwirte fairer zu entlohnen. Forderungen nach einer für alle Bauern geltenden Reduzierung der Milchmengen seien nichts anderes als „eine Milchmädchenrechnung“, findet der Kreislandwirt von Siegen-Wittgenstein.

Das sieht allerdings Michael Alterauge, einer der Landesvorsitzenden des Bundes deutscher Milchviehhalter, anders. Er plädiert für eine Reduzierung: „Es wäre sinnvoll, die Milchmenge dem Markt anzupassen und sie europaweit zurückzunehmen.“ Hier sei auch die Solidarität der Landwirte gefragt, über die deutsche Grenze hinaus. Sicher sei es so, dass die hiesigen Molkereien derzeit unter Preisdruck stünden, allerdings sei der noch stabil. „Ich sehe aber schwarze Wolken aufziehen“, berichtet der Drolshagener. „Es wäre ein Wunder, wenn der Milchpreis so bleiben würde.“

Vielmehr befürchtet der BDM-Landesvorsitzende einen fallenden Preis, wenn nicht an der Milchmenge nach unten geschraubt werde: „Das wäre eine absolute Katastrophe. Jeder Cent weniger tut den Bauern richtig weh.“ Der psychische Druck auf die Landwirte sei ohnehin groß, weil sie wohl durch die extreme Trockenheit dazu gezwungen sein dürften, Futter zuzukaufen. Deswegen fordert Michael Alterauge eine solidarische Reduzierung der Milchmengen. Das sei von einem Tag auf den anderen zu schaffen: Die eine oder andere Kuh sei sicherlich „über“ und könne zum Schlachter, das Kraftfutter könne von fünf auf viereinhalb Kilogramm reduziert werden und trächtige Kühe könnten acht bis zehn Wochen zum Kalben in Mutterschutz gehen statt der bislang sechs Wochen, also früher trockengestellt werden. Stellschrauben, die Mengen schnell um ein paar Prozent zu senken, gibt es aus seiner Sicht also. Allein: Bei diesem Thema fehlt der Konsens – für Michael Alterauge eine „absolute Fehlpolitik“.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen