»Mit Kanonen auf Spatzen schießen«

Erndtebrück: Unverständnis über Grüne / Treude-Krönert sieht Wander-Tourismus in Gefahr

Zinse. Großes Kopfschütteln erntete eine Pressemitteilung der Erndtebrücker Bündnis-Grünen, die gestern Morgen auf dem SZ-Redaktionstisch landete. In ihrem Schreiben sieht das Erndtebrücker Ratsmitglied Almut Treude-Krönert den Wander- und Radwander-Tourismus im Bereich von Zinse akut gefährdet. Die Förderung des Tourismus als wirtschaftliches Standbein stehe auf fast allen politischen Fahnen. Durch den Rothaarsteig habe die Region ohne Zweifel einen enormen Zuwachs an Übernachtungszahlen, Wanderern und an Bedeutung gewonnen.

»Doch was passiert in Erndtebrück? Seit Anfang August, also in der Hauptwanderzeit, wird der offizielle Zubringer (gelb gekennzeichnete Zuwegung zur Hauptstrecke Rothaarsteig) kurz vor dem Hausberg von Zinse, dem Dreiherrnstein, über mehrere hundert Meter systematisch mit Straßenabraum – Schotter, Felsbrocken, usw. – zugekippt.« Die Schotterberge würden nicht planiert – sie blieben unpassierbar liegen. Wanderer in Richtung Zinse »genießen«, so Almut Treude-Krönert wörtlich, den abenteuerlichen Abstieg, indem sie etwa nach einer langen Wanderung gezwungen seien, den bisher gut passierbaren Wanderweg zu verlassen und in den gerade durchforsteten Wald über Reste abgeholzter Fichten stolpernd ausweichen müssten. Schimpfend erreichten sie die Gaststätte oder Pensionen. Fahrräder, selbst stabile Mountainbikes, hielten den Strapazen nicht stand, »Ketten reißen und Speichen brechen«. »Ob diese Wanderer noch mal kommen?«, fragt die Bündnis-Grüne.

»Zahlreiche Anfragen« zu diesem Ärgernis beim Rothaarsteigverein, dem Kreis Siegen-Wittgenstein, der Rentkammer Wittgenstein und der Gemeinde Erndtebrück seien bisher erfolglos geblieben! Es sei lakonisch mitgeteilt worden, dass die in Zinse für den Bau der Kanalisation arbeitende Firma die Erlaubnis der Eigentümerin, der Rentkammer Bad Laasphe, eingeholt habe. Und weiter: »Alle glaubten zunächst an einen Irrtum, denn wie kann ein Eigentümer dem offiziellen Rothaarsteigzubringer zustimmen, um ihn dann zukippen zu lassen?« Die Grünen bezweifelten, dass dies im Schmallenberger Land oder andernorts möglich gewesen wäre. Es sei einfach unfassbar, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

»Wir hatten eine klare Absprache mit der Rentkammer und dem Ortsvorsteher, dass der als Erdaushub anfallende Schotter aus der aktuellen Kanalbaumaßnahme zur Ausbesserung von Waldwegen Verwendung findet«, erklärte gestern Volker Bernshausen, Inhaber des Bauunternehmens Bernshausen in Feudingen. Dies gehe dann logischerweise mit einer Verbesserung des Wanderweges einher. Diese Lösung halte er in Zeiten knapper Kassen für ideal, schließlich müsse dann nicht neuer Schotter für die Waldwege angekarrt werden, ergänzte der Feudinger Unternehmer. Seines Wissens nach seien Anlieger und die Gemeinde Erndtebrück mit dem Verlauf der Arbeiten absolut einverstanden. Überdies habe er ohnehin geplant, den Schotter am kommenden Wochenende zu planieren. »Dies hätte ich Frau Treude-Krönert auch sagen können, wenn sie mich denn gefragt hätte.«

Adrian Busch, zuständiger Revierförster der Rentkammer Wittgenstein, ging sprichwörtlich auf die Palme, als er gestern von der Grünen-Beschwerde erfuhr. Man habe auch im Interesse der Gemeinde Erndtebrück eine kostengünstige Lösung gefunden, wie der Waldweg – und damit eben auch der Wanderweg – auszubessern sei. Die jetzigen Beschwerdeführer seien die ersten, die sich beschwerten, wenn der alte Schotter zur Deponie gefahren und neuer Schotter aus dem Steinbruch herangekarrt werde. »Wir unterhalten uns über nichts anderes als über Schotter«, betonte Adrian Busch. Natürlich müssten Wanderer und Radwanderer momentan einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, doch das Ende sei ohne Zweifel absehbar.

»Wir haben sicher nichts gegen die Vereinbarung, die Unternehmer und Rentkammer getroffen haben«, erklärte Björn Fuhrmann vom Erndtebrücker Bauamt. Der »stark ausgewaschene Wirtschaftsweg« habe ohnehin eine Ausbesserung benötigt. Insgesamt unterhalte man sich über eine Wegstrecke von 200 bis 250 Metern.

»Hier wird mit Kanonen auf Spatzen gerschossen«, meinte Zinses Ortsvorsteher Lorenz Benfer. Gemeinsam sei eine sehr günstige Variante gefunden worden, um einen Waldweg auszubessern, »und genau über den schlechten Zustand der Waldwege hatten wir uns erst vor kurzem im Ausschuss für Gemeindeentwicklung unterhalten«. Das Ende der Maßnahme sei doch absehbar, »es ist doch auch logisch, dass das Bauunternehmen nicht jeden Tag in den Wald fahren kann, um den Schotter zu planieren«. Die Firma Bernshausen leiste in Zinse eine sehr gute Arbeit, so dass die Aufregung nicht nachvollziehbar sei, argumentierte Lorenz Benfer. Nicht zuletzt hätten alle Wanderer durchaus Verständnis für eine laufende Baumaßnahme.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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