»Nicht reich, aber glücklich«

Erndtebrück: Politiker und Landwirt Clemens Große Macke forderte kämpferische Bauern

Erndtebrück. Clemens Große Macke ist vielseitig: Er sitzt für die CDU im niedersächsischen Landtag, betreibt einen ökologischen Bauernhof in Addrup – mit einer kleinen Mutterkuhherde und 10000 Hühnern – und ist seit zehn Jahren als Unternehmensberater für die Lebensmittelindustrie, Verbände und Versicherungen tätig. Ein Mann mit einer geregelten 80- bis 90-Stunden-Woche. Umso bemerkenswerter, dass der Landespolitiker am Donnerstagabend den Weg nach Erndtebrück fand. »Wenn du Bauer bleiben willst, kämpfe« – so war der Vortrags- und Diskussionsabend überschrieben, zu dem der Rinderzuchtverein Siegen-Wittgenstein die heimischen Landwirte in die Pulverwaldhalle eingeladen hatte. Der Vortragende wolle den einen oder anderen Zuhörer aus seiner Lethargie wecken, mutmaßte Bernd Neumann vom Rinderzuchtverein eingangs der Veranstaltung, »wir möchten eigentlich, dass die Kollegen heute mit einem größeren Selbstvertrauen und gesteigertem Selbstwertgefühl nach Hause gehen.« So viel sei vorab verraten: Die Sache mit dem Selbstvertrauen lässt sich schwer überprüfen, fest steht aber, dass der über einstündige Vortrag des Niedersachsen bleibenden Eindruck hinterließ. Es wurde gegrübelt und diskutiert.

»Ich bin Landwirt«, verriet Clemens Große Macke zu Beginn seiner Kampfansage. Das war noch nicht wirklich neu, das stand nämlich bereits in der Einladung. Doch der Landwirtschaftsmeister legte nach: Sehr oft habe er als junger Mensch den Satz gehört, dass der Betrieb ohnehin zu klein sei, um überleben zu können. »Wenn man das oft genug gesagt bekommt, fängt man irgendwann an, es zu glauben.« Doch er habe, so Große Macke, gekämpft um den elterlichen Betrieb, heute setze man auf ökologische Legehennenhaltung mit 10000 frei laufenden Hühnern. Der CDU-Mann machte kein Geheimnis daraus, »dass wir natürlich auch von allen Skandalen betroffen waren, die irgendwann einmal Schlagzeilen machten«.

Der Vater von drei Söhnen appellierte an die Ehre seiner Berufskollegen: »Wer nicht dieses Leuchten in den Augen hat, wenn er über seinen landwirtschaftlichen Betrieb spricht, der sollte es am besten sein lassen.« Nicht jeder Bauer könne Bauer bleiben, das sei unbestritten. Doch wer die nötige Portion Leidenschaft und Leidensfähigkeit mitbringe, der habe ganz sicher eine realistische Chance. Wenn der letzte Vollerwerbslandwirt aus einem Dorf verschwunden sei, dann sei es zu spät, warnte Clemens Große Macke. »Die Postagentur schließt, Kindergarten und Schule sind nicht zu halten, der Tante-Emma-Laden gibt auf. Erst dann sagen die Leute, dass sie es wohl versäumt haben, etwas für den Erhalt der Infrastruktur zu unternehmen.«

Der Niedersachse legte durchaus provozierend den Finger in die Wunde: Er kenne keine andere Berufsgruppe, die so gut klage »wie wir Bauern«. Aber: »Klagen und stöhnen bringt uns keinen Schritt weiter.« Er habe großen Respekt vor den Ameisen unter den Landwirten, die den ganzen Tag arbeiteten. Es gebe allerdings auch die Enten unter den Bauern, »die den ganzen Tag quaken«. Für Letztere gebe es nur eine Lösung: »Abschießen«, wenn dies auch bitte nicht wörtlich zu verstehen sei.

Jungen Landwirten riet der Landtagsabgeordnete zu Praktika auf anderen Höfen, um über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Denn wer zu spät auf wirtschaftliche Veränderungen reagiere, der setze unter Umständen seinen Betrieb aufs Spiel. Ganz wichtig sei auch, so der Landwirtschaftsmeister weiter, die Kommunikation des Hofes nach Außen. Es gehe darum, ein Image aufzubauen, Emotionen zu zeigen und für ein positives Betriebsklima zu sorgen: »Der Banker, der auf den Hof kommt, stellt sich doch letztlich nur eine entscheidende Frage: Ist der Kerl in der Lage, den Kredit zurückzuzahlen oder nicht?«

Clemens Große Macke forderte »das Feuer in den Augen« der Landwirte und erinnerte daran, dass der Respekt vor dem Alter ebenso wichtig sei wie die Tatsache, »dass junge Leute anders und quer sein müssen«. Landwirtschaftlicher Unternehmer zu sein, das sei keine leichte Aufgabe. Für sich persönlich könne er in Anspruch nehmen, durch den Beruf »nicht reich, aber glücklich und zufrieden geworden« zu sein. Wer Veränderungen haben wolle, der müsse sie auch mit aller Konsequenz anpacken, forderte der Landwirtschaftsmeister abschließend.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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