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Ein Brasilianer in Birkelbach
Pfarrer Jaime Jung ist in Wittgenstein zuhause

Schlüsselaufgabe in der Gemeinde: Pfarrer Jaime Jung schließt das Tor zur Birkelbacher Kirche auf: "Es ist wie im richtigen Leben - wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf."
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  • Schlüsselaufgabe in der Gemeinde: Pfarrer Jaime Jung schließt das Tor zur Birkelbacher Kirche auf: "Es ist wie im richtigen Leben - wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf."
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ll Birkelbach/Erndtebrück. Das Erste, was man von Jaime Jung geschenkt bekommt, wenn man ihm begegnet, ist ein freundliches Lächeln. Der Gemeindepfarrer mit halber Stelle in Erndtebrück und Birkelbach steigt aus seinem kleinen, knallroten Flitzer – in der Hand ein Bilderbuch für Kinder und eine antike Bibel. "Die habe ich von einem Trauergespräch heute Morgen mitnehmen dürfen. Das Bilderbuch habe ich eigentlich immer dabei, weil mir gerade die Arbeit mit Kindern sehr am Herzen liegt. Diese Vielseitigkeit ist es auch, die mich als Pfarrer so sehr erfüllt", erläutert der 46-Jährige, der mit seiner schwarzen Lederjacke und den braunen Wildlederschuhen so gar nicht wie das konservativ-klischeebehaftete Abziehbild eines Geistlichen auf dem Land daherkommt.

ll Birkelbach/Erndtebrück. Das Erste, was man von Jaime Jung geschenkt bekommt, wenn man ihm begegnet, ist ein freundliches Lächeln. Der Gemeindepfarrer mit halber Stelle in Erndtebrück und Birkelbach steigt aus seinem kleinen, knallroten Flitzer – in der Hand ein Bilderbuch für Kinder und eine antike Bibel. "Die habe ich von einem Trauergespräch heute Morgen mitnehmen dürfen. Das Bilderbuch habe ich eigentlich immer dabei, weil mir gerade die Arbeit mit Kindern sehr am Herzen liegt. Diese Vielseitigkeit ist es auch, die mich als Pfarrer so sehr erfüllt", erläutert der 46-Jährige, der mit seiner schwarzen Lederjacke und den braunen Wildlederschuhen so gar nicht wie das konservativ-klischeebehaftete Abziehbild eines Geistlichen auf dem Land daherkommt. Und Jaime Jung ist auch alles – nur nicht gewöhnlich. Allein seine brasilianischen Wurzeln lassen den Wahl-Erndtebrücker wie einen Exoten im Kirchenkreis Wittgenstein erscheinen. Spontan, ein wenig chaotisch und nicht immer pünktlich sei er, räumt der Pfarrer freimütig ein. "Vom Temperament her bin ich dann aber wohl doch eher Deutscher", sagt Jung, der ausgeglichen, ein wenig zurückhaltend und nach eigenen Aussagen "manchmal etwas stur" wirkt, augenzwinkernd. 

Schlüsselaufgabe in der Gemeinde: Pfarrer Jaime Jung schließt das Tor zur Birkelbacher Kirche auf: "Es ist wie im richtigen Leben - wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere auf."
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Zusätzlich zu Theologie auch Deutsch studiert

Das allerdings ist gar nicht so verwunderlich, schließlich hat die Familie des 46-jährigen deutsche Wurzeln. Seine Vorfahren sind zwischen 1850 und 1870 aus dem Rheinland nach Brasilien aus- bzw. eingewandert. Deshalb beherrscht Jaime Jung die deutsche Sprache auch nahezu akzentfrei. Dazu hat der heutige Gemeindepfarrer, der als eines von vier Kindern im elterlichen Kleinbauernbetrieb in einem Dorf nahe Porto União groß geworden ist, in Brasilien zusätzlich zu Theologie auch noch Deutsch auf Lehramt studiert und war bereits 2002 für ein Austauschjahr in Deutschland. Diese Sprachkenntnis eröffnete dem gebürtigen Lateinamerikaner anschließend auch die Möglichkeit, drei Jahre lang in Deutschland zu leben und in Erlangen den Studiengang "Christliche Publizistik" zu belegen. Danach ging Jung zurück in sein Heimatland, wo er nicht nur sechs Jahre lang als Pfarrer tätig war, sondern nebenbei auch bei einem kirchlichen Radiosender arbeitete. "Da ich früher nicht nur Pfarrer, sondern unter anderem auch Journalist werden wollte, konnte ich beide Aufgabenbereiche wunderbar miteinander verknüpfen", erinnert sich der Brasilianer.

Wittgenstein zuvor nur als Philosoph gekannt

Letztlich war es der Tipp eines Freundes aus gemeinsamen Austauschtagen, der heute selbst als Pfarrer in Westfalen tätig ist, der Jaime Jung schließlich nach Wittgenstein verschlug. "Den Begriff kannte ich bis dahin eigentlich nur im Zusammenhang mit dem bedeutenden Philosophen Ludwig Wittgenstein. Deshalb habe ich mich natürlich erst mal gefragt: Wo liegt das eigentlich?", erinnert sich der 46-Jährige lachend an die ersten Berührungspunkte mit der Region. Dass er sich kurze Zeit später gleich auf zwei halbe Stellen in unterschiedlichen Ortschaften bewerben würde, hätte Jung dabei wohl selbst kaum gedacht. Doch nach dem Wechsel der Ortspfarrerin Simone Conrad ins Superintendentinnen-Amt wurde in Birkelbach im Oktober 2019 eine halbe Pfarrstelle frei, in Erndtebrück war das wiederum im Februar 2020 der Fall, nachdem der ehemalige Superintendent Stefan Berk Wittgenstein verlassen hatte. Dort wirkt der Brasilianer nun gemeinsam mit Pfarrerin Kerstin Grünert. Nach den einstimmigen Voten in den Presbyterien von Birkelbach und Erndtebrück wurde Jaime Jung im Februar 2021 ein ordentlich gewählter Pfarrer im Wittgensteiner Kirchenkreis. Corona-bedingt musste seine offizielle Einführung allerdings immer wieder verschoben werden – am Donnerstag, 26. Mai (Christi Himmelfahrt) soll diese nun mit einem feierlichen Gottesdienst unter freiem Himmel nachgeholt werden. 

Das Regenbogen-Beet, welches als Zeichen der Hoffnung in Corona-Zeiten von Gemeindemitgliedern angepflanzt wurde, ist der Lieblingsplatz von Pfarrer Jaime im Umfeld der Birkelbacher Kirche.
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,,Einfach eine andere Heimat''

An den beiden Gemeinden mit ihren 1150 (Birkelbach) beziehungsweise 3500 Mitgliedern (Erndtebrück) fasziniere ihn vor allem das enorme ehrenamtliche Engagement, berichtet der Wahl-Wittgensteiner. Natürlich habe er sich im Vergleich zu seinem Geburtsland auch an Vieles erst gewöhnen müssen. So sei die Trauerkultur eine ganz andere, auch müsse man die Menschen oft erst von neuen Impulsen überzeugen. Die Sonne und seine Familie fehle ihm selbstverständlich auch. Und "obwohl die Deutschen sich so unfassbar laut die Nase putzen", fühlt er sich in Wittgenstein pudelwohl . "Ich habe meine Heimat einfach mit in mein neues Zuhause genommen. Es ist nicht eine bessere oder eine schlechtere Heimat für mich, sondern nur eine andere", verdeutlicht Jaime Jung. 

Besonders freue er sich nun darauf, wenn die Kirchen endlich wieder voll sind und das Leben in Form von Dorf- und Schützenfesten auf das Land zurückkehrt. Dann ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Pfarrer sein tänzerisches Talent unter Beweis stellt. "Das habe ich bisher nämlich noch versteckt gehalten", sagt der 46-Jährige mit einem breiten Grinsen. Jaime Jung ist eben alles – nur nicht gewöhnlich.

Autor:

Lars Lenneper

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