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Rundflug im BVB-Hubschrauber
Pilot erfüllt großen Wunsch eines Palliativpatienten

Peter Schroeter (l.) ist mit seinem BVB-Hubschrauber am Donnerstagmorgen vom Flugplatz in Schameder zu einem etwa 60-minütigen Rundflug über Siegen-Wittgenstein und Teile von Hessen gestartet. Mit an Bord sind Palliativpatient Bernd Pfeiffer und seine Betreuerin Petra Idem.
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  • Peter Schroeter (l.) ist mit seinem BVB-Hubschrauber am Donnerstagmorgen vom Flugplatz in Schameder zu einem etwa 60-minütigen Rundflug über Siegen-Wittgenstein und Teile von Hessen gestartet. Mit an Bord sind Palliativpatient Bernd Pfeiffer und seine Betreuerin Petra Idem.
  • Foto: René Traut
  • hochgeladen von Alexander Kollek

ako Schameder. Als Bernd Pfeiffer am Flugplatz in Schameder aus dem Hubschrauber aussteigt und sich wieder in seinen elektrischen Rollstuhl setzt, hat er ein breites Grinsen im Gesicht, seine Augen funkeln: „Das kann mir keiner mehr nehmen“, sagt er vor vielen Mitarbeitern der PK-Care-Einrichtung in Bad Berleburg. Sie waren am Donnerstag gekommen, um zu sehen, wie für ihren Palliativpatienten ein großer Wunsch in Erfüllung ging. Der 63-Jährige leidet an einer schweren Lungenerkrankung, er durfte bei einem etwa 60-minütigen Rundflug Eindrücke sammeln, die nicht jedem zuteil werden.

ako Schameder. Als Bernd Pfeiffer am Flugplatz in Schameder aus dem Hubschrauber aussteigt und sich wieder in seinen elektrischen Rollstuhl setzt, hat er ein breites Grinsen im Gesicht, seine Augen funkeln: „Das kann mir keiner mehr nehmen“, sagt er vor vielen Mitarbeitern der PK-Care-Einrichtung in Bad Berleburg. Sie waren am Donnerstag gekommen, um zu sehen, wie für ihren Palliativpatienten ein großer Wunsch in Erfüllung ging. Der 63-Jährige leidet an einer schweren Lungenerkrankung, er durfte bei einem etwa 60-minütigen Rundflug Eindrücke sammeln, die nicht jedem zuteil werden. Zusammen mit seiner Betreuerin Petra Idem und Berufshubschrauberpilot Peter Schroeter – der für die tolle Aktion mit seinem BVB-Heli extra von Dortmund nach Schameder gekommen war – flog Bernd Pfeiffer über seine Heimat Bicken (Gemeinde Mittenaar, Hessen), den Aartalsee bei Bischoffen und erlebte auf dem Rückweg bei einem Zwischenstopp am Siegerland-Flughafen live mit, wie ein Helikopter aufgetankt wird.

Das unvergessliche Erlebnis in die Wege geleitet hat Petra Idem. Die 63-jährige examinierte Altenpflegerin arbeitet seit Dezember 2018 in der PK-Care-Einrichtung für Beatmungs- und Wachkomapatienten in der Odebornstadt. In stationärer Intensivpflege werden dort derzeit sechs Bewohner – es gibt elf Plätze – rund um die Uhr von Fachpersonal betreut. Nach einem Klinikaufenthalt in Dillenburg, bei dem Bernd Pfeiffer wegen seiner Erkrankung eine Trachealkanüle gelegt werden musste, kam der gebürtige Hesse im Januar 2019 in die Beatmungs-WG in Bad Berleburg. Seitdem lebt er dort. Anfangs habe der 63-Jährige noch 24 Stunden beatmet werden müssen, er konnte nicht essen und trinken: „Das lief über eine Magensonde. Er konnte sich auch kaum bewegen“, erzählt Petra Idem im Gespräch mit der SZ. Durch die intensive Pflege und die „luxuriöse“ Eins-zu-Zwei-Betreuung vor Ort habe Bernd Pfeiffer „riesige Fortschritte“ machen können: Heute kann er selbständig essen und trinken, fährt im elektrischen Rollstuhl und „muss nur zwölf Stunden an die Beatmung.“

Weil Bernd Pfeiffer an COPD 4 Gold erkrankt ist, könnte sich sein Zustand aber jederzeit ändern. Wegen dem Fremdkörper in der Luftröhre bilde sich – „öfter als bei gesunden Menschen“ – ein Sekret. Der Patient könne dieses nicht selbstständig abhusten, weshalb es mehrmals am Tag abgesaugt werden müsse, erklärt Petra Idem. Bei Pfeiffer wurde das auf Dauer jedoch schwieriger. Im April habe es so große Probleme gegeben, dass es zu einem Zwischenfall kam: „Wir haben den Rettungswagen gerufen. Die mussten aber nichts mehr machen, wir haben es doch hinbekommen. Aber es war knapp“, erklärt Petra Idem. Nach dem Vorfall hätten sie und ihre Kollegen Bernd Pfeiffer dazu geraten, sich ein chirurgisches Tracheal–stoma anlegen zu lassen.

Bernd Pfeiffer unterzog sich Mitte April folglich einer Operation in einer Bad Berleburger Klinik. Zwar lief der Eingriff „gut ab“, nach der Wachphase habe der 63-Jährige aber reanimiert werden müssen: „Er war 17 Sekunden tot. Das ist eine Menge“, erklärte Petra Idem. „Ich habe es nicht gemerkt, hatte keine Schmerzen. Ich weiß nicht, wie es war“, so Bernd Pfeiffer gegenüber der SZ. Als er nach dem Klinikaufenthalt wieder in die PK-Care-Einrichtung kam, habe er bei seiner Ankunft noch gescherzt: „Bernd Pfeiffer 1.0 ist weg, das ist jetzt Bernd Pfeiffer 2.0.“ Einen Tag später sei seine Stimmung aber gekippt. Ihm sei bewusst geworden, dass das Leben schnell vorbei sein könnte. „Das hätte es gewesen sein können!“ In einem Gespräch mit Petra Idem äußerte der 63-Jährige, dass er noch viele Pläne und Wünsche gehabt hätte: „Ich würde gerne fliegen.“

Für sie Grund genug, Bernd Pfeiffer diesen Wunsch erfüllen zu wollen: „Ja, warum eigentlich nicht?“Auf Facebook habe sie in eine Gruppe für „außerklinische Pflege und Heimbeatmung“ gepostet: „Unser Beatmungspatient möchte gerne mal fliegen.“ Wie im Film meldete sich nur Minuten später Peter Schroeter. Er ist seit über 25 Jahren Berufshubschrauberpilot und Gesellschafter für mehrere Firmen – darunter auch das „Kinderhaus SpitzMichel“ in Bad Grönenbach, das ist eine ambulante Wohneinrichtung für intensivpflegebedürftige sowie dauerbeatmete Kinder und Jugendliche im Allgäu, und der „Reinoldus Rettungsdienst“ in Dortmund.

„Als ich das gelesen habe, bot ich direkt meine Hilfe an“, sagt Peter Schroeter und fügt an: „Mir geht es gesellschaftlich sehr gut. Deshalb will ich der Gesellschaft etwas zurückgeben.“ Schroeter kommt ursprünglich aus Dortmund und lebt seit über 25 Jahren im Allgäu. Wegen seines Rettungsdienstes fliegt er öfter von Südbayern ins Ruhrgebiet bzw. zurück. „Ich habe gesehen, dass der Patient in der Nähe von Siegen ist. Dort tanke ich immer auf. Ich dachte mir, ich kann ihm seinen Wunsch erfüllen.“ Und das ist dem Piloten definitiv gelungen. Der Rundflug über Siegen-Wittgenstein und Hessen kostete ihn um die 1000 Euro, doch für Bernd Pfeiffer war der Flug umsonst: „Ich habe das von Herzen gern gemacht“, betont Peter Schroeter nach der Landung. Als großen Dank überreicht Bernd Pfeiffer dem Piloten dennoch eine Spende für das „Kinderhaus SpitzMichel“ in Höhe von 250 Euro. „Keine Frage, ich würde das auf jeden Fall nochmal machen“, sagt der 63-Jährige.

Peter Schroeter (l.) ist mit seinem BVB-Hubschrauber am Donnerstagmorgen vom Flugplatz in Schameder zu einem etwa 60-minütigen Rundflug über Siegen-Wittgenstein und Teile von Hessen gestartet. Mit an Bord sind Palliativpatient Bernd Pfeiffer und seine Betreuerin Petra Idem.
Schon vor dem Flug ist Bernd Pfeiffer sichtlich gut gelaunt.
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Alexander Kollek

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