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Kreis Olpe hält Projekt für unrealistisch
Radweg durch Heinsberger Tunnel?

Der Heinsberger Tunnel im Verlauf der einstigen Bahnstrecke Altenhundem-Birkelbach wurde von 1911 bis 1913 erbaut und 1945 stillgelegt. Es besteht der Wunsch, den 1,3 Kilometer langen Eisenbahntunnel für einen Radweg zu öffnen – allerdings sieht der Kreis Olpe dieses von Henning Gronau und Andreas Reinéry angestoßene Zukunftsprojekt als nicht realistisch an.
  • Der Heinsberger Tunnel im Verlauf der einstigen Bahnstrecke Altenhundem-Birkelbach wurde von 1911 bis 1913 erbaut und 1945 stillgelegt. Es besteht der Wunsch, den 1,3 Kilometer langen Eisenbahntunnel für einen Radweg zu öffnen – allerdings sieht der Kreis Olpe dieses von Henning Gronau und Andreas Reinéry angestoßene Zukunftsprojekt als nicht realistisch an.
  • Foto: Gemeinde Erndtebrück
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Erndtebrück/Kirchhundem. Mit dem Rad durch den Heinsberger Tunnel von Heinsberg nach Röspe: Eine spannende Idee, die Henning Gronau und Andreas Reinéry im Juli offenbarten. Die Bürgermeister der Gemeinden Erndtebrück und Kirchhundem trafen sich an Ort und Stelle, um über ein solches Zukunftsprojekt zu reden (die Siegener Zeitung berichtete im Juli).
Idee: Mit dem Rad durch den Heinsberger Tunnel
Eine direkte Verbindung durch den stillgelegten und zugemauerten Heinsberger Tunnel werde im Vergleich zur bereits ausgewiesenen Radroute über den Rhein-Weser-Turm rund zehn Kilometer einsparen, argumentierten die beiden Amtskollegen.

bw Erndtebrück/Kirchhundem. Mit dem Rad durch den Heinsberger Tunnel von Heinsberg nach Röspe: Eine spannende Idee, die Henning Gronau und Andreas Reinéry im Juli offenbarten. Die Bürgermeister der Gemeinden Erndtebrück und Kirchhundem trafen sich an Ort und Stelle, um über ein solches Zukunftsprojekt zu reden (die Siegener Zeitung berichtete im Juli).

Idee: Mit dem Rad durch den Heinsberger Tunnel

Eine direkte Verbindung durch den stillgelegten und zugemauerten Heinsberger Tunnel werde im Vergleich zur bereits ausgewiesenen Radroute über den Rhein-Weser-Turm rund zehn Kilometer einsparen, argumentierten die beiden Amtskollegen. So hätte eine mögliche Strecke Heinsberg-Röspe eine Länge von nur 5,7 Kilometer und eigne sich aufgrund der geringen Steigung und der naturnahen Streckenführung auch besonders als Radweg, so die Überlegung.

Kreis Olpe warnt vor Einsturzgefahr

Ein sehr faszinierender Vorschlag – allein: Der Kreis Olpe, zu dessen Besitz der Heinsberger Tunnel gehört, hält eine Umsetzung des Projekts nicht für realistisch, wie Pressesprecher Hans-Werner Voß auf Anfrage unserer Zeitung klarstellt. Es sei richtig, dass die Tunneleingänge auf beiden Seiten auch deshalb zugemauert worden seien, weil in dem 1,3 Kilometer langen Tunnel Einsturzgefahr besteht. Es sei aufwendig, allein zu untersuchen, ob und wie das Bauwerk gesichert werden könne. Damit nicht genug: Der Tunnel ist nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht verschlossen, sondern auch wegen des Natur- und Artenschutzes. Denn: Im Heinsberger Tunnel haben sich verschiedene Fledermausarten und auch Amphibien angesiedelt, denen auch ein besonderer Schutz gilt.
Der Naturschutz würde aber nicht nur der Nutzung des Tunnels als Radweg widersprechen: Auf Heinsberger Seite ist das auch auf der Zuwegung zum Tunnel nicht möglich. Hans-Werner Voß spricht davon, dass es dort Biotope sowie Naturschutzgebiete mit Betretungsverbot gebe. Deutlich ist auch das, was der NABU-Kreisverband Olpe zu der Idee sagt: „Eine Nutzung des Tunnels und des Taleinschnitts auf Heinsberger Seite verbietet sich in jeder Hinsicht“, betont der stellvertretende NABU-Vorsitzende Matthias Klein. Im Falle des Krenkeltals bei Heinsberg seien es nicht nur Bäume und Gestrüpp, die dort wachsen. Seit der Stilllegung habe sich auf der alten Bahnstrecke ein artenreicher, einzigartiger Lebensraum entwickelt. Matthias Klein: „Nicht umsonst steht das Gebiet unter strengem Schutz.“ Die Erlebbarkeit des geschützten Ortes sei durch die Aussichtsplattform und die dort installierten Schautafeln und Geländemodelle für alle Interessierten gegeben, so Matthias Klein.

Zurückhaltende Töne aus Erndtebrück

Alles also eine Luftnummer der beiden Bürgermeister oder führte der Wahlkampf etwa zum Tunnelblick? Aus dem Rathaus der Gemeinde Erndtebrück gibt es auf Anfrage unserer Zeitung den Hinweis, dass es sich nur um „einen ersten Gedankenaustausch“ gehandelt habe. Dieser habe sich ergeben, da immer wieder Bürger auf die beiden Verwaltungen zugekommen seien und diese Idee vorgebracht hätten. Zudem sei in der Pressemitteilung formuliert worden, „dass nach der Einbindung weiterer Akteure eine Machbarkeitsstudie ein möglicher nächster Schritt sein könnte“. Diese Studie müsse natürlich Aspekte wie Naturschutz, Eigentumssituation und finanziellen Einsatz (etwa in Bezug auf den baulichen Zustand) berücksichtigen.

Kommentar: „PR-Maschinerie“ mit Geschmäckle Eine zunächst spannend klingende Idee war es, die Henning Gronau und Andreas Reinéry im Juli mit einer Pressemitteilung der Öffentlichkeit präsentierten: ein Radweg durch den Heinsberger Tunnel. Dazu standen die beiden Bürgermeister aus Erndtebrück und Kirchhundem lächelnd und sichtbar zuversichtlich auf dem Bild. Sicher war es nur eine erste Idee, aber ein Anruf im Olper Kreishaus hätte genügt, dass sich die beiden Rathaus-Chefs ihre Pressemitteilung hätten sparen können. Sicher hatten sie darauf verwiesen, dass erst im nächsten Schritt eine Machbarkeit geprüft werden solle. Mit einem einzigen Wort macht der Kreis Olpe diese Prüfung allerdings quasi obsolet. Frage der SZ: „Ist eine Umsetzung dieser Idee aus Sicht des Kreises Olpe realistisch?“ Die Antwort aus Olpe: „Nein.“ Denn es besteht nicht nur akute Einsturzgefahr, auch Naturschutz und Artenschutz sprechen gegen das Vorhaben – von der Finanzierung mal ganz abgesehen. Das hätten Gronau und Reinéry sicherlich schnell in Erfahrung bringen und sich als Konsequenz ihre Pressemitteilung schenken können. Haben sie aber nicht, weil sie vielleicht nicht damit gerechnet hatten, dass jemand nachhakt. In Ordnung, Fehler passieren. Deckel drauf und es ganz schnell abhaken? Nicht so schnell, denn es führt zu einer grundsätzlichen Frage: Wie ausgiebig nutzt denn der Erndtebrücker Bürgermeister momentan die Pressestelle im Rathaus für seinen Wahlkampf? Der Blick auf die öffentlichkeitswirksamen Pressemitteilungen aus dem Rathaus zeigt, dass deren „PR-Maschinerie“ gerade seit Mitte Juli – exakt zwei Monate vor der Wahl am 13. September – erheblich an Fahrt aufgenommen hat. Am 14. Juli heißt es: Freies W-LAN und Smart Pole werden dauerhaft den Kernort bereichern und darüber hinaus gab es eine Videokonferenz mit der Initiative „Plant for the Planet“ und Bundesministerin Svenja Schulze. Eine Woche später folgt besagte Pressemitteilung mit dem Amtskollegen Reinéry und mit dem „Zukunftsprojekt Erndtebrück-Kirchhundem“ – wie wir jetzt wissen: eher ein Projekt ohne Zukunft. In der Woche drauf sieht man Gronau bei der Feuerwehr und beim Besuch der Kaserne, wiederum einige Tage später bei Dr. Oliver Haas zum Thema kostenlose Corona-Tests. Schließlich in der letzten Woche der Höhepunkt: Henning Gronau beim Poetry Slam, Henning Gronau vor einer neuen Ruhebank und Henning Gronau mit dem Vorstand der Energiegenossenschaft. Und zwischendurch kamen noch Leader-Pressemitteilungen zu der Übergabe von Förderbescheiden – mit Gronau im Bild. Keine Frage: Es sind alles legitime Mitteilungen mit einem mal höheren, mal sicher auch niedrigeren Nachrichtenwert – aber es hat in der aktuellen Häufung zumindest ein Geschmäckle, wie man so schön sagt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und sagt, das sei womöglich ein unlauterer Wettbewerbsvorteil im Wahlkampf. Die Gemeindeverwaltung antwortete auf SZ-Anfrage folgendermaßen: „Wir freuen uns sehr, dass sich viele Projekte im Gemeindegebiet positiv entwickeln. Gerne möchten wir die Bürgerinnen und Bürger über diese Projektstände auf dem Laufenden halten, da uns hierzu ein großes Informationsinteresse erreicht. Je nach Anzahl der laufenden Projekte kann sich also auch die Anzahl der entsprechenden Pressemitteilungen unterscheiden.“ Konsequenz für unsere Zeitung aus der Causa „Heinsberger Tunnel“ ist, dass wir noch kritischer solche Pressemitteilungen hinterfragen werden. Übrigens: Schon zur Halbzeitbilanz seiner Amtszeit hatte Henning Gronau die eigene Pressestelle im Rathaus dazu genutzt, ein Interview mit sich zu führen. Das hat unsere Zeitung seinerzeit bereits kritisch hinterfragt und kommentiert. Björn Weyand

Edergemeinde gibt die Idee nicht auf

„Der Verweis auf eine Machbarkeitsstudie begründete sich vor allem darauf“, teilt die Gemeinde Erndtebrück mit, „dass bei vielen Fragestellungen zunächst geklärt sein sollte, ob eine Umsetzung möglich ist. Die Fragestellungen müssen ernst genommen werden.“ Gleichwohl gibt die Edergemeinde die Idee nicht auf – trotz der deutlichen Absage aus dem Olper Kreishaus: „Die vielen positiven Reaktionen auf die Idee zeigen, dass der Wunsch nach einer solchen Route sehr groß ist. Auch wissentlich der besonderen Herausforderungen, die das Projekt birgt und bergen kann, ist gerade deshalb eine ergebnisoffene Prüfung der Machbarkeit wünschenswert, um aufzuzeigen, ob die aufgezeigten Fragestellung lösbar sind.“

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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