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Umwelt-Kita in der Breslauer Straße
Räumliche und thematische Vielfalt bilden große Einheit

Unweit des Neubaugebietes in der Roger-Drapie-Straße (Hintergrund) soll die neue Umwelt-Kita an der Breslauer Straße in Erndtebrück entstehen. Im kommenden Winter soll der Betrieb starten.
  • Unweit des Neubaugebietes in der Roger-Drapie-Straße (Hintergrund) soll die neue Umwelt-Kita an der Breslauer Straße in Erndtebrück entstehen. Im kommenden Winter soll der Betrieb starten.
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tika Erndtebrück. Noch ist die Fläche eine grüne Wiese. Im Frost des Morgens deutet nichts darauf hin, dass in kaum einem Jahr bis zu 55 Kinder täglich einen großen Teil ihres Tages verbringen. Denn unweit des Neubaugebiets in der Roger-Drapie-Straße in Erndtebrück plant der Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe der Arbeiterwohlfahrt (AWo) eine Umwelt-Kita – die insgesamt vierte Kindertagesstätte im Kernort Erndtebrück. Derzeit sind es noch derer drei – zwei in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde, eine in der der AWo.

An der Breslauer Straße soll auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern und auf zwei Etagen die kreisweit erste Kita ihrer Art entstehen.

tika Erndtebrück. Noch ist die Fläche eine grüne Wiese. Im Frost des Morgens deutet nichts darauf hin, dass in kaum einem Jahr bis zu 55 Kinder täglich einen großen Teil ihres Tages verbringen. Denn unweit des Neubaugebiets in der Roger-Drapie-Straße in Erndtebrück plant der Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe der Arbeiterwohlfahrt (AWo) eine Umwelt-Kita – die insgesamt vierte Kindertagesstätte im Kernort Erndtebrück. Derzeit sind es noch derer drei – zwei in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde, eine in der der AWo.

An der Breslauer Straße soll auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern und auf zwei Etagen die kreisweit erste Kita ihrer Art entstehen. Anika Saßmanshausen – beim AWo-Kreisverband zuständig für die wirtschaftliche Fachberatung im Bereich Kinder, Jugend und Familie – stellte das Konzept der Umwelt-Kita am Dienstag in der AWo-Geschäftsstelle in Siegen detailliert vor.

„Wir haben das Projekt bewusst als Umwelt- und Klima-Kita ausgeschrieben. Wir wollen die Kinder pädagogisch mit diesem Schwerpunkt weiterbilden. Unser Ziel ist es, dass jede Kita ihr eigenes Profil entwickelt. Entsprechend wollen wir das geplante Gebäude in seiner Bauweise in die Natur und die Gegebenheiten einbetten“, erklärte Anika Saßmannshausen. Im Alltag sollen Klimaschutz und Umwelt eine zentrale Rolle spielen. Ernährung ist dabei etwa eines der Themenfelder, daher entsteht in dem Gebäude unter anderem ein Bistro, in dem auch ein gemeinsames Kochen möglich sein soll. Ebenso geplant ist ein Außenbereich, auf dem die Kinder Obst, Gemüse und andere Gewächse anpflanzen können. Und denkbar sind Aktionstage, die dem Konzept entsprechen, etwa ein Kita-Betrieb, der einen Tag ohne Strom auskommt.

„Die Kinder sollen auf diese Weise gemeinsam ein Umweltbewusstsein entwickeln“, verriet Anika Saßmannshausen, die die geplante Kindertagesstätte mit ihrem Konzept „am Puls der Zeit“ sieht: „Seitdem Greta auf die Straße geht, ist der Klimaschutz in aller Munde. Nicht umsonst gibt das Land NRW ein Zertifikat für die Umwelt-Kita heraus“, berichtete die wirtschaftliche Fachberaterin. Und deshalb hat die AWo im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens auch bewusst das Konzept einer Umwelt-Kita geschrieben. Dies war der erste Schritt, inzwischen ist viel passiert. In der vergangenen Woche etwa hat der zuständige Architekt die Pläne für die Kita fertiggestellt, die nun dem Landesjugendamt zur Überprüfung vorliegen. Doch selbst nach Abschluss des Baus ist das Konzept nicht fertiggestellt. Im Gegenteil: „Das ist ja nichts Starres. Das Konzept wird im Alltag – bewusst und unbewusst – weiterentwickelt. Betrachtet man das Themenfeld der erneuerbaren Energien, stehen wir da alle noch am Anfang. Da wird sich in den kommenden Jahren sicherlich noch einiges tun“, erklärte Anika Saßmannshausen vielsagend.

Aufgrund der Themenvielfalt, die der Gesamtkomplex einer Umwelt- und Klima-Kita bietet, richten die Verantwortlichen verschiedene Differenzierungsräume ein. So spielt das Bistro ebenso eine Rolle wie etwa eine Werkstatt, in der die Kinder sich handwerklich betätigen können. Insofern unterscheidet sich die geplante Kita deutlich vom Konzept einer Wald-Kita, wie sie in Benfe besteht – ebenfalls unter AWo-Trägerschaft.

„Die Kinder dort sind die meiste Zeit draußen, der Schwerpunkt liegt auf der Natur. In Erndtebrück soll dieser Schwerpunkt eben mehr auf dem Naturschutz- und Umweltaspekt liegen“, verdeutlichte Anika Saßmannshausen die Unterschiede – und die Tatsache, dass jede Kita ihr eigenes Profil entwickeln soll. „Schön ist, dass eine Kita mit diesem Schwerpunkt der Nachhaltigkeit dieses Mal einen Platz direkt in der Kerngemeinde findet.“ Apropos Schwerpunkt: Ein Kita-übergreifender Schwerpunkt, den die AWo in sämtlichen Einrichtungen peu à peu verankern will, ist politischer Natur. So ist die geplante Kita auch ein „Haus der Demokratie“. „Wir wollen die Kinder an Entscheidungsprozessen beteiligen. Es geht darum, die Partizipation in den Fokus zu rücken“, erklärte Anika Saßmannshausen.

Will heißen: In gewisser Weise erfolgt eine sehr frühe Form der spielerischen politischen Bildung – und auch damit bewegt sich die AWo wie auch mit dem Aspekt des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit „am Puls der Zeit“. „Jede Kita hat eine eigene Verfassung. Darin steht, was für die Einrichtung und vielmehr für die Kinder wichtig ist und was für sie zählt“, erläuterte die AWo-Verantwortliche das Konzept der basisdemokratischen Pädagogik. „Wir integrieren diesen Aspekt in allen unseren Kitas. Es geht darum, den Kindern ein Gehör zu verschaffen. Das Ganze soll nach außen kommunizieren: „Hört her, hört auf uns! Wir sind die Zukunft’“, berichtete Anika Saßmannshausen. Will heißen: Auf rund 500 Quadratmetern am Hachenberg – Außenflächen und Funktionsräume inklusive – entsteht nicht nur räumlich, sondern auch thematisch eine enorme Vielfalt, mit der sich die Kinder der Einrichtung beschäftigen. Zugleich ist es das Gesamtpaket, das in sich stimmig ist und das in sich geschlossen eine große Einheit bildet. Und das die Kita in ihrer Konzeption kreisweit zumindest vorerst einzigartig macht.

Geplant ist eine dreigruppige Kita, die eine U-3- sowie Ü-3-Betreuung bieten soll. Genau deshalb sind auch zwei Etagen geplant, auf denen die Altersgruppen jeweils bedarfsgerechte Räumlichkeiten vorfinden. Während es für die jüngeren Jahrgänge etwa genügend Schlafmöglichkeiten geben soll, ist auf der Etage der Älteren der Bau einer Turnhalle geplant, um die Kinder zur Bewegung zu animieren. Bis zu 55 Kinder finden künftig in der Einrichtung am Erndtebrücker Hachenberg einen Platz. Denkbar ist dabei auch, dass die Kita erweiterte Öffnungszeiten anbietet, um eine Betreuung zu Randzeiten zu ermöglichen. Den entsprechenden Bedarf will die AWo gemeinsam mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein eruieren. Wann der Bau des Gebäudes starten kann ist offen. Geplanter Start des Betriebs ist im kommenden Winter. „Wenn der Frost aus dem Boden ist, dann sollen die Bauarbeiten losgehen. Wir befinden uns derzeit mit dem Kreis in der Bedarfsplanung und werden dann sehen, wie viele Kinder genau einen Platz benötigen“, erklärte Anika Saßmanshausen. Klar ist, dass der Bau vor dem Hintergrund starker Geburtenjahrgänge zwingend erforderlich ist.

„Wir haben bereits jetzt einen deutlichen Überhang in Erndtebrück, was die Belegungszahlen angeht“, berichtete die wirtschaftliche Fachberaterin mit Blick auf die geplante Realisierung der Kita nach einem Investorenmodell. Sollte im August – mit Beginn des neuen Kindergartenjahres – ein akuter Platzbedarf bestehen, will die AWo in Absprache mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein sowie in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Erndtebrück entsprechende Übergangslösungen schaffen. „Wir werden sehen, ob dies nötig ist. Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Erndtebrück funktioniert da sehr gut. Klar ist nur, dass wir Abstand von einer Containerlösung für den Übergang nehmen“, konstatierte die AWo-Verantwortliche.

Dass die Klima-Kita künftig in weiteren Kommunen im Kreisgebiet Schule machen könnte, ist derweil durchaus denkbar. Aber: „Bislang planen wir konkret keine weiteren Klima-Kitas“, verriet Anika Saßmannshausen. Zunächst einmal muss ohnehin die erste ihrer Art in Siegen-Wittgenstein an den Start gehen. Und angesichts des einkehrenden Winters mit strengem Nachtfrost, müssen sich die Verantwortlichen zumindest in den kommenden Wochen und Monaten wohl noch ein wenig in Geduld üben.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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