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Kreisverwaltung erweitert Fahrzeugflotte
Rettungswagen stoßen im Wald ans Limit

Die Rettungswagen im Kreis Siegen-Wittgenstein haben abseits von asphaltierten Straßen mit Problemen zu kämpfen. Weil die Fahrzeuge nicht geländegängig sind, verlieren sie auf Waldwegen oft wertvolle Zeit, um zur verunfallten Person zu gelangen.
  • Die Rettungswagen im Kreis Siegen-Wittgenstein haben abseits von asphaltierten Straßen mit Problemen zu kämpfen. Weil die Fahrzeuge nicht geländegängig sind, verlieren sie auf Waldwegen oft wertvolle Zeit, um zur verunfallten Person zu gelangen.
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ako Wittgenstein. Ein Naherholungs- und Wandergebiet wie der Altkreis Wittgenstein lockt jedes Wochenende oder während der Ferien zahlreiche Menschen in die Natur. Passiert allerdings dort ein Unfall, bekommen es die Rettungskräfte meist mit erschwerten Bedingungen zu tun. Die Fahrzeuge kommen im Wald oft ans Limit. Sie verlieren im unwegsamen Gelände wertvolle Zeit, um zur verunfallten Person zu gelangen. Wie schnell das passieren kann, hat vor Kurzem ein Rettungseinsatz am Rothaarsteig bei Zinse gezeigt.

Ein Wanderer hatte am Wegekreuz Dreiherrenstein einen Bandscheibenvorfall erlitten.

ako Wittgenstein. Ein Naherholungs- und Wandergebiet wie der Altkreis Wittgenstein lockt jedes Wochenende oder während der Ferien zahlreiche Menschen in die Natur. Passiert allerdings dort ein Unfall, bekommen es die Rettungskräfte meist mit erschwerten Bedingungen zu tun. Die Fahrzeuge kommen im Wald oft ans Limit. Sie verlieren im unwegsamen Gelände wertvolle Zeit, um zur verunfallten Person zu gelangen. Wie schnell das passieren kann, hat vor Kurzem ein Rettungseinsatz am Rothaarsteig bei Zinse gezeigt.

Ein Wanderer hatte am Wegekreuz Dreiherrenstein einen Bandscheibenvorfall erlitten. Der alarmierte DRK-Rettungswagen der Wache in Womelsdorf eilte zwar schnell zur Hilfe, hatte bei der Anfahrt im schwer zugänglichen Gelände aber ein Problem: Der Waldweg war durch den ergiebigen Regen der vorangegangen Tage durchweicht. Das Fahrzeug blieb im schlammigen Boden stecken – und musste kurze Zeit später selbst gerettet werden. Ein geländegängiger Unimog der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück zog den Rettungswagen frei (die SZ berichtete).

Mit geländegängigem Rettungswagen nicht festgefahren

Festgefahren hätten sich die DRK-Retter wohl nicht, wenn sie in einem geländegängigen Rettungswagen zum Einsatzort gefahren wären. Vor allem Bergwachten in der Alpen-Region verfügen oft über solche Gefährte, die mit den schwierigen Bedingungen abseits von geteerten Straßen deutlich besser zurechtkommen.

Im Kreis Siegen-Wittgenstein gibt es so ein geländegängiges Rettungsfahrzeug aber noch nicht, wie Manuel Freudenstein auf Anfrage der SZ bestätigte. Dem Kreispressesprecher zufolge sind geländetaugliche Rettungsfahrzeuge für Einsätze in unwegsamen Gelände auch „nicht zwingend“ erforderlich: „Abgeleitet von der Definition der Hilfsfrist, sehen die rettungsdienstlichen Regelungen in NRW vor, dass ein geeignetes Rettungsmittel an der dem Einsatzort nächst gelegenen Stelle an einer öffentlichen Straße eintreffen muss. Dieser Grundsatz entspricht auch dem Wirtschaftlichkeitsgebot im Rettungsdienst.“

Waldwege deutlich verschlechtert

Ob es überhaupt sinnvoll wäre, wenn es im „großen“ Altkreis Wittgenstein ein oder zwei geländetaugliche Rettungswagen geben würde, stellte Karl Friedrich Müller infrage: „Was hilft es denn, wenn wir ein geländegängiges Fahrzeug haben, der Fahrer sich aber vor Ort nicht auskennt?“, so der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Erndtebrück im Gespräch mit der SZ. Die Waldwege hätten sich zuletzt durch den Borkenkäferbefall und die damit einhergehenden Waldarbeiten deutlich verschlechtert.

Gepaart mit dem starken Niederschlag der vergangenen Wochen bedeute das für die DRK-Rettungswagen folglich kaum mehr ein Durchkommen. „Der Weg, der heute noch gut befahrbar ist, ist morgen vielleicht schon nicht mehr zu erreichen“, merkte Karl Friedrich Müller an.

Mit seinen 16 Jahren Erfahrung als Wehrführer machte er darauf aufmerksam, dass Einsätze in unwegsamem Gelände „auch nicht so oft“ vorkämen. Deshalb sollte bei Rettungseinsätzen im Wald auch immer „direkt“ die Feuerwehr hinzugerufen werden. Die Feuerwehrleute sind ortskundig und der Unimog – „die Logistik“ – komme überall hin, betonte Karl Friedrich Müller.

"Was hilft es denn, wenn
wir ein geländegängiges Fahrzeug haben,
der Fahrer sich aber vor Ort nicht auskennt?"

Karl Friedrich Müller
Leiter der Feuerwehr Erndtebrück

Dass die Feuerwehr ortskundige Leute in ihren Reihen hat, ist auch dem Kreis bekannt. Sofern die „Notwendigkeit“ im Rahmen der Notrufabfrage festgestellt werde, erfolge unmittelbar auch eine Alarmierung der örtlichen Feuerwehreinheiten: „Die Hinzuziehung der örtlichen Einheiten erfolgt nicht nur bei unwegsamen Gelände, sondern auch bei Unklarheiten über den Einsatzort, da die örtlichen Kräfte über gute Ortskenntnisse verfügen“, sagte Manuel Freudenstein.

Der Kreis weitet gegenwärtig die aktuelle Fahrzeugflotte von derzeit elf auf 16 aus. Am 1. Juli wurden fünf neue Rettungswagen mit Allradantrieb bei der Firma Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH in Wietmarschen (Niedersachsen) abgenommen und anschließend nach Siegen überführt. „Die (noch weißen) Fahrzeuge werden derzeit im üblichen RD-Design des Kreises Siegen-Wittgenstein foliert und mit dem notwendigen medizinischen Equipment ausgestattet“, erklärte der Kreissprecher. Die fünf Rettungswagen im Eigentum des Kreises werden durch das DRK betrieben und sollen – nach jetzigem Stand – in den Siegerländer Kommunen Netphen, Burbach und Freudenberg sowie den beiden Wittgensteiner Kommunen Bad Laasphe und Bad Berleburg stationiert werden.

Autor:

Alexander Kollek

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