Nach der Kommunalwahl
So steht es um die Ortsvorsteher-Posten in Erndtebrück

Blick auf Schameder: Hier wird Tim Saßmannshausen Ortsvorsteher bleiben, in anderen Dörfern von Erndtebrück dagegen ist die Personalie offen.
  • Blick auf Schameder: Hier wird Tim Saßmannshausen Ortsvorsteher bleiben, in anderen Dörfern von Erndtebrück dagegen ist die Personalie offen.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

bw Erndtebrück. Die Verhältnisse im Gemeinderat in Erndtebrück sind klar. Die SPD ist der große Gewinner, die CDU der Verlierer und für die „kleinen“ Fraktionen FDP und UWG ändert sich nicht viel, abgesehen von ihrer personellen Zusammensetzung. Eigentlich könnten auch die Ortsvorsteher weitermachen, aber ganz so einfach ist es nicht, wie der genaue Blick auf die einzelnen Dörfer beweist. Die SZ fragte nach.

Überblick über die Dörfer in Erndtebrück

  • Benfe: Hier könnte es besonders spannend werden, denn die Wahl im Stimmbezirk Benfe hat ein Patt ergeben. Hier liegt der bisherige Ortsvorsteher Matthias Althaus (UWG) mit dem von der SPD aufgebotenen Marc Stöcker, der das Direktmandat im Wahlbezirk über seine Mehrheit im Erndtebrücker Stimmbezirk geholt hat, mit jeweils 98 Stimmen gleichauf. „Wenn die SPD bei ihrem Wort bleibt, werde ich wohl Ortsvorsteher bleiben“, sagt Matthias Althaus, „ich hätte allerdings auch nichts gegen eine Bürgerversammlung.“ Genau die hat Marc Stöcker im Sinn und er wäre mittlerweile, so SPD-Fraktionschef Tim Saßmannshausen, dazu bereit, als Ortsvorsteher zu fungieren. Ursprünglich habe sich der Benfer als Politneuling zunächst vorgenommen, sich erstmal im Rat einzufinden. Er sei aber im Dorf gefragt worden, ob er nicht auch Ortsvorsteher werden wolle. Angesichts der Pattsituation wird nun eine Bürgerversammlung über die künftige Besetzung entscheiden.
  • Birkefehl: Die Bürgermeisterwahl hat Steffen Haschke zwar krachend verloren, übrigens auch deutlich in seinem eigenen Heimatort. Seinen Wahlkreis hat er dagegen gewonnen und das Direktmandat für den Gemeinderat geholt. Auch in Birkefehl erhielt der CDU-Mann eine Mehrheit und könnte damit Ortsvorsteher bleiben. 
  • Birkelbach: Ein ganz ähnliches Bild im Nachbarort, hier bleibt Fritz Hoffmann von der CDU weiter Ortsvorsteher. Er hat seinen Wahlkreis gewonnen und die meisten Stimmen im Dorf erhalten. 
  • Balde: Neu ist die Situation in Balde, da hier in der Vergangenheit eigentlich stets die CDU die Mehrheit hatte. Diesmal holte die SPD mit Ratsmitglied Lothar Menn den Wahlsieg in der Ortschaft und hat damit ja das Vorschlagsrecht. Allerdings hat Lothar Menn keine Ambitionen, das Amt zu übernehmen. SPD-Fraktionsvorsitzender Tim Saßmannshausen sieht daher auch keinen Anlass, an der Besetzung etwas zu ändern. Wenn Reinhild Saßmannshausen das Amt auch weiterhin ausüben möchte, dann hat sie die Unterstützung der SPD. 
  • Röspe: Auch hier gibt es keinen Grund für einen Wechsel, denn Olaf Kettler von der UWG erhielt die meisten Stimmen mit einem größeren Abstand als vor sechs Jahren. Insofern wird er weiter Ortsvorsteher bleiben, denn die Rösper sind offenkundig zufrieden mit seiner Arbeit. Er hat ja etwa auch maßgeblich den Gehweg entlang der L 553 angestoßen, der bald gebaut wird. 
  • Schameder: Deutliche Rückendeckung aus dem Dorf erhielt auch Tim Saßmannshausen mit 66,47 Prozent der Stimmen. Er wird deshalb auch weiterhin Ortsvorsteher in Schameder bleiben. 
  • Womelsdorf: Anders ist die Situation in Womelsdorf. Hier hat zwar SPD-Ratsmitglied Andreas Nölling wieder das Direktmandat und die meisten Stimmen geholt, er hatte aber schon im Vorfeld gesagt, dass er den Posten des Ortsvorstehers abgeben möchte. Deswegen werde es hier auch eine Bürgerversammlung geben, kündigte Tim Saßmannshausen im SZ-Gespräch an. 
  • Zinse: Hier hat Lorenz Benfer entgegen dem allgemein schlechten Trend für die Erndtebrücker CDU sein bisher bestes Ergebnis eingefahren mit 89,69 Prozent. Für ihn ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit, Ortsvorsteher zu bleiben.
Kommentar: Zugpferd Henning Gronau Für alle, die bisher noch keine Ratssitzung in Erndtebrück besucht haben, vorab eine kurze Erklärung: Im Ratssaal gibt es zwei Flügel mit Tischen und Stühlen für die Ratsmitglieder, jeweils mit der gleichen Zahl an Sitzgelegenheiten. Vom Eingang gesehen links quetschten sich bisher die Ratsherren und -frauen von SPD, UWG und FDP auf die Stühle, von denen nur einer frei blieb, wenn alle teilnahmen. Vom Eingang aus gesehen rechts war dagegen noch Platz, dort saß nur die CDU. Links 16 Personen, rechts acht. Dass die CDU auf der rechten Seite des Saales alleine saß, rührt noch aus Zeiten her, als sie eine absolute Mehrheit hatte. Das war 1999 bis 2004. Nach der jüngsten Wahl wird es sich nicht vermeiden lassen, dass eine der kleinen Fraktionen nach rechts umzieht. Denn nach dem Erfolg der SPD und bei gleichbleibender Zahl an Mandaten für FDP und UWG ist links einfach nicht mehr genug Platz für alle. Zumal die geschrumpfte und gerupfte CDU noch mehr Platz hergibt. Erndtebrück ist zu einer SPD-Hochburg geworden. Das lag früher am Zugpferd Karl Ludwig Völkel, die Älteren erinnern sich noch daran, wie deutlich schon die Niederlage für Dankwart Schlinke und die CDU vor elf Jahren war. Henning Gronau ist zu diesem Zugpferd geworden. 2015 siegte er im ersten Wahlgang, auch damals war das Ergebnis für seinen Mitbewerber Heinz-Josef Linten desaströs. Das setzte sich nun fort mit der Klatsche für Steffen Haschke. Die SPD täte gut daran, Henning Gronau von allen höheren Parteifreunden fern zu halten. Denn Wahlgewinner sind in der Partei selten und wecken womöglich Begehrlichkeiten, künftig an höherer Stelle Aufgaben oder Ämter zu übernehmen. Wenn Henning Gronau der Gemeinde Erndtebrück erhalten bleibt, scheint derzeit nichts dagegen zu sprechen, dass hier eine Ära à la Bernd Fuhrmann in Bad Berleburg entstehen könnte. Aber er ist jung, er könnte seitens der Partei bald andere Möglichkeiten bekommen. Und er wird sich messen lassen müssen, wie er sein Haus personell für die Zukunft aufstellt, denn perspektivisch hört ja Thomas Müsse auf. Für seine SPD hätte es beinahe zu einer absoluten Mehrheit gereicht. Ein Sitz mehr und dazu die Stimme des Bürgermeisters – schon hätte die SPD gar keine andere Fraktion gebraucht, um im Rat „durchzuregieren“. Sie sollten jedoch froh sein, dass diese scheinbar verlockende Aussicht nicht eingetreten ist und sie weiterhin auf die Zusammenarbeit angewiesen sind. Die CDU ist damals mit der absoluten Mehrheit auf die Nase gefallen und scheint mit den Folgen bis heute nicht klar zu kommen. Die Christdemokraten werden sich in den kommenden Wochen – trotz einer kleineren Fraktion – personell ganz neu aufstellen und das umsetzen müssen, was eigentlich schon nach dem Wahldebakel 2015 nötig gewesen wäre: ein Wechsel im Amt des Fraktionsvorsitzenden. Heinz-Josef Linten ist fachlich gar nichts vorzuwerfen. Im Rat trägt er mit vielen bohrenden Fragen dazu bei, dass die Verwaltung schon mal unter Erklärungsdruck gerät. Solch ein Korrektiv ist wichtig. Aber er ist in der Öffentlichkeit eben das Gegenteil eines Zugpferds. Die CDU hat viele wichtige Entscheidungen im Rat mitgetragen, hat also zu positiven Entwicklungen beigetragen. Trotzdem ist sie abgestraft worden. Steffen Haschke hat trotz seiner Schlappe das Direktmandat in seinem Wahlkreis geholt. Das ist für ihn eine Verpflichtung weiterzumachen, falls er denn über einen Rückzug aus der Politik nachdenken sollte. Überhaupt hat der Rat ja in vielen Fragen der vergangenen Jahre einmütig entschieden. Daran haben auch FDP und UWG kräftigen Anteil. Beide Fraktionen haben zwar prozentual verloren, aber ihre absoluten Stimmen fast halten können. Das lag am kräftigen Zuspruch für die SPD bei einer sehr hohen Wahlbeteiligung. In den beiden kleineren Fraktionen hat es personelle Wechsel gegeben, mit Willi Flender und Heinrich-Wilhelm Wörster sind zwei kommunalpolitische Schwergewichte ausgeschieden. In diese Fußstapfen müssen ihre Nachfolger Guido Schneider und Benjamin Lübbert erstmal reinwachsen. In den kleinen Fraktionen ist es nämlich weniger möglich, dass die Ratsmitglieder „unter dem Radar fliegen“.
Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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