Vier-Punkte-Plan für Erndtebrücker Eisenwerke (EEW)
Standortsicherung kostet Stellen

Am Standort der EEW-Gruppe in Erndtebrück sind aktuell 417 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Am Dienstag fand hier eine Betriebsversammlung statt, um den Standorterhaltungstarifvertrag vorzustellen.
  • Am Standort der EEW-Gruppe in Erndtebrück sind aktuell 417 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Am Dienstag fand hier eine Betriebsversammlung statt, um den Standorterhaltungstarifvertrag vorzustellen.
  • Foto: EEW
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

vc Erndtebrück. Die Umstrukturierung des Energiesektors – weg von Öl und Gas und hin zu regenerativen Energien – geht auch am Standort Erndtebrück des Erndtebrücker Eisenwerks (EEW) nicht spurlos vorbei. Ein Stellenabbau im niedrigen zweistelligen Bereich und für die übrigen Mitarbeiter weniger Geld in der Lohntüte – das sind zwei der Maßnahmen, die auf die Belegschaft in Erndtebrück zukommen. Was am Dienstagnachmittag in zwei Betriebsversammlungen verkündet wurde, ist das Ergebnis langer Verhandlungen von Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall. Während in der Produktion mit der Fortführung der Altersteilzeitmodelle gearbeitet wird, sei das Unternehmen im Verwaltungsbereich leider dazu gezwungen, die Zahl der Mitarbeiter im niedrigen zweistelligen Bereich abzubauen, heißt es in einer Mitteilung der EEW-Gruppe.
Mit den Mitarbeitern Lösung finden

Mit den Mitarbeitern Lösung finden

Geschäftsführer Christoph Schorge betont: „Uns liegt besonders viel daran, den Abbau der Arbeitsplätze so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. Wir hoffen, mit den betroffenen Mitarbeitern eine einvernehmliche Lösung in Form von Aufhebungsverträgen oder dem Übergang in eine Transfergesellschaft zu finden.“
Die Auszubildenden seien nicht von den Maßnahmen betroffen. Man wolle zudem auch weiter ausbilden, versicherte Christoph Schorge. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bis ins Jahr 2024 vermieden werden.

Viele Aufträge storniert

Bereits 2019 hatte EEW mit einem Zukunftskonzept umfassende Maßnahmen eingeleitet, um die Standorte, die überwiegend im Öl- und Gasgeschäft unterwegs sind, zukunftsfähig aufzustellen. Ein Kostensenkungs- und Effizienzprogramm wurde realisiert – und dann kam Corona. Dies habe den Strukturwandel nochmals befeuert, heißt es seitens EEW. Viele Aufträge seien komplett storniert worden. Christoph Schorge: „Wir wussten, dass wir etwas machen müssen.“ Es sei unumgänglich gewesen, das bestehende Zukunftskonzept fortzuführen und um weitere Maßnahmen zu erweitern. So setzten sich EEW-Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall an einen Tisch und verhandelten einen Standortsicherungstarifvertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2024.
Der erwähnte Stellenabbau ist nur eine der Maßnahmen. Auch bei den Gehältern und Zulagen wird die Stellschraube angezogen. Zwar bleiben die tariflichen Hauptbestandteile wie beispielsweise Weihnachts- oder Urlaubsgeld unangetastet. Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter einigten sich aber darauf, bestimmte Zusatzleistungen und Tariferhöhungen bis 2024 auszusetzen. Dritter Baustein ist ein neues Konzept mit Arbeitszeitkonten. Bei den Eisenwerken fallen nicht selten Arbeitsspitzen an, auf die nicht selten Phasen folgen, in denen eine Unterauslastung auftritt.

Kurzarbeit möglichst vermeiden

„Die neue Arbeitszeitkontenregelung wird helfen, diese beiden Extreme in Einklang zu bringen und Kurzarbeit künftig möglichst zu vermeiden“, erklärte Personalleiterin Jessica Becker. Letzte Stellschraube ist ein Bündel von Maßnahmen, um Kosten einzusparen und das die Abläufe der Produktion verbessern soll. Über alle Maßnahmen wurde die Belegschaft am Dienstagnachmittag informiert. Zuvor hatten die IG-Metall-Mitglieder im Betrieb mit 80 Prozent für die Vereinbarung gestimmt. Christoph Schorge dazu: „Obwohl natürlich in der Sache intensiv verhandelt wurde, war jederzeit erkennbar, dass Betriebsrat, IG Metall und die Geschäftsführung sowohl für das Unternehmen als auch für die Mitarbeiter die bestmögliche Lösung erzielen wollten.“ Klar sei auch, dass der Strukturwandel in der Öl- und Gasindustrie nicht aufzuhalten sei. „Selbstverständlich sind die eingeleiteten Schritte einschneidend und unangenehm. Doch wenn jeder einen Beitrag leistet und wir es gemeinsam angehen, können wir den Wandel schaffen und gestärkt in die Zukunft gehen.“

Hoffnung auf sicheren Standort

In Erndtebrück hofft man nun, dass mit diesen Maßnahmen der Standort gesichert ist. „Wir wollen in Erndtebrück hochqualitative Spezialprodukte herstellen, deren Produktion technisch und organisatorisch immens aufwändig ist“, berichtete Christoph Schorge. Als Beispiel nannte er die Produktion der Clad-Rohre, die aus zwei Komponenten bestehen und langlebiger als hergebrachte Pipeline-Rohre sind. In der gesamten EEW-Gruppe steht eher die Spezialisierung im Vordergrund als die Produktion „für die Masse“.

Autor:

Christian Völkel

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