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SPD putzt Stolpersteine
Starke Geste gegen das Vergessen

Gemeinsam mit Initiator Bernd Härtel und Bürgermeister Henning Gronau (hinten, v. l.) reinigten Karl Ludwig Völkel, Michael Rothenpieler und Antje Laues-Oltersdorf (vorne, v. l.) die Erndtebrücker Stolpersteine.
  • Gemeinsam mit Initiator Bernd Härtel und Bürgermeister Henning Gronau (hinten, v. l.) reinigten Karl Ludwig Völkel, Michael Rothenpieler und Antje Laues-Oltersdorf (vorne, v. l.) die Erndtebrücker Stolpersteine.
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tika Erndtebrück. Die Dankbarkeit stand Bernd Härtel ins Gesicht geschrieben. Ob seines Alters war der Erndtebrücker „nur“ Zuschauer im Rahmen der Reinigungsaktion der Stolpersteine in der Edergemeinde. Aber zumindest diese Rolle war dem einstigen Initiator der Verlegung der Stolpersteine in Erndtebrück eine Herzensangelegenheit. Die Steine erinnern an ehemalige jüdische Erndtebrücker, die die Nationalsozialisten während ihrer rechten Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 deportiert und grausam ermordet hatten.

„Ich bin froh über diese Aktion – und darüber, dass Ihr daran gedacht habt“, wandte sich Bernd Härtel an die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Erndtebrück, die die Stolpersteine am Montag reinigten.

tika Erndtebrück. Die Dankbarkeit stand Bernd Härtel ins Gesicht geschrieben. Ob seines Alters war der Erndtebrücker „nur“ Zuschauer im Rahmen der Reinigungsaktion der Stolpersteine in der Edergemeinde. Aber zumindest diese Rolle war dem einstigen Initiator der Verlegung der Stolpersteine in Erndtebrück eine Herzensangelegenheit. Die Steine erinnern an ehemalige jüdische Erndtebrücker, die die Nationalsozialisten während ihrer rechten Terrorherrschaft von 1933 bis 1945 deportiert und grausam ermordet hatten.

„Ich bin froh über diese Aktion – und darüber, dass Ihr daran gedacht habt“, wandte sich Bernd Härtel an die Mitglieder des SPD-Ortsvereins Erndtebrück, die die Stolpersteine am Montag reinigten. Der ehemalige Gymnasiallehrer hatte die Verlegung der Steine in Erndtebrück anlässlich seines 70. Geburtstags vor sieben Jahren nicht nur initiiert, sondern auch finanziert. Der Anlass der Reinigung am Montag war symbolträchtig: der 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz . Es war eine starke Geste der Sozialdemokraten gegen das Vergessen.

Mit Tüchern, Schwämmen, Wasser und Reinigungsmittel polierten Michael Rothenpieler, Antje Laues-Oltersdorf, Karl Ludwig Völkel und Bürgermeister Henning Gronau die Steine im Beisein von Bernd Härtel. Auf diese Weise sind sie ab sofort wieder besser lesbar und deutlich auffälliger für Passanten. „Das waren Nachbarn, die damals von den Nazis abgeholt wurden“, erläuterte Michael Rothenpieler die Motivation für die Aktion in Erndtebrück.

Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins verdeutlichte zugleich, warum derartige Aktionen immer wieder notwendig seien: „Ein solcher Tag muss sein, weil es Leute gibt, die immer noch danach fragen, warum es einen solchen Tag geben muss“, spielte der Erndtebrücker auf jene Verblendeten an, die rechte Hetze verbreiten und sich mit ihren Äußerungen oft weit jenseits der Grenzen des Grundgesetzes bewegen. Und die grausamen Morde jüdischer Mitbürger auf offener Straße und in den Konzentrationslagern des NS-Regimes mitunter sogar bis dato leugnen. „Es ist ein schlimmer Tonfall, der inzwischen salonfähig ist“, bedauerte Michael Rothenpieler. Ein Tonfall, der ebenso in der realen wie auch virtuellen Welt längst arriviert ist – bis in höchste politische Gremien, in denen vermeintliche „Alternativen“ nichts anderes als rechte Hetze betreiben. „Wenn man sieht, aus welchen Richtungen die Hetze kommt, ist es notwendig, immer wieder auf die Nazi-Zeit aufmerksam zu machen. Es ist unmöglich, was manche sagen oder im Internet posten – gerade auch an einem solchen Tag. Das gehört sich nicht. Hetze und Ausgrenzung sind immer falsch und schlecht, aber heute geht es ausschließlich um die Nazi-Vergangenheit und -Opfer“, konstatierte Karl Ludwig Völkel.

Entsprechend ordnete Henning Gronau die Aktion ein: „Das Ganze hat zwei Ebenen: Einerseits geht es um die Reinigung der Steine, andererseits soll die Aktion noch einmal besonders auf die Nazi-Opfer aufmerksam machen“, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Erndtebrück. Insofern war die Reinigungsaktion der Stolpersteine gewissermaßen auch ein Protest gegen rechte Hetze und Gewalt, gegen das Unrecht, gegen das Vergessen des wohl dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte – und eine starke Geste, ein Symbol für die Erinnerung an Menschen, die ohne jeden Grund Opfer grausamer Morde waren.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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