Pfarrer aus Erndtebrück
Stefan Berk verabschiedet sich nach 22 Jahren

Seite an Seite und Hand in Hand mit seiner Ehefrau Uli – an vielen Stellen erfuhr Stefan Berk so Unterstützung, wie zum Beispiel beim ökumenischen Kreuzweg im vergangenen Jahr. Stefan Berk verlässt Erndtebrück und damit auch Wittgenstein.
  • Seite an Seite und Hand in Hand mit seiner Ehefrau Uli – an vielen Stellen erfuhr Stefan Berk so Unterstützung, wie zum Beispiel beim ökumenischen Kreuzweg im vergangenen Jahr. Stefan Berk verlässt Erndtebrück und damit auch Wittgenstein.
  • Foto: Kirchenkreis
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Erndtebrück/Bad Berleburg. Wenig mehr als 22 Jahre ist es her, dass Stefan Berk als neuer Pfarrer in der ev. Kirchengemeinde Erndtebrück ins Amt eingeführt wurde. Üblicherweise assistierten dem Superintendenten bei diesem feierlichen Akt zwei weitere Pfarrer, bei Stefan Berk waren es damals stattdessen ganz bewusst zwei Erndtebrücker Presbyteriumsmitglieder: Aus den alten Traditionen heraus neue Wege des gelebten Christseins zu finden, so erläuterte der Neue damals den Bruch mit dem Althergebrachten. Ganz praktisch wollte er mit und in seiner Arbeit vermitteln, dass es in erster Linie darauf ankomme, die Botschaft des Evangeliums im alltäglichen Eintreten für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit zu leben.

Stefan Berk wollte neue Wege gehen

Neun Jahre später wurde jener Erndtebrücker Gemeindepfarrer Stefan Berk in ein neues Amt eingeführt. Bei der Wittgensteiner Kreissynode war er zum Superintendenten und damit zum Nachfolger von Hans-Jürgen Debus gewählt worden, als dessen Stellvertreter er zuvor Synodalassessor im Kirchenkreis gewesen war. Die feierliche Amtseinführung des neuen Superintendenten Stefan Berk und die Verabschiedung des scheidenden Hans-Jürgen Debus war eine lange Veranstaltung mit vielen Gästen und Grußworten, wo Stefan Berk seine Zukunftsperspektive ganz einfach und kurz auf den Punkt brachte: Er wolle neue Wege gehen, ohne das Alte schlecht zu machen.
Stefan Berk blieb auch Erndtebrücker Gemeindepfarrer, denn Superintendent ist man hier nebenamtlich, daran ändern auch generell weitere Wege im ländlichen Raum und 930 Quadratkilometer Fläche im ziemlich evangelischen Wittgenstein und im eher katholischen Hochsauerland, wo die protestantischen Esloher, Schmallenberger und Winterberger in ihrer Diaspora-Situation leben und zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehören, nichts. Einer der neuen Wege von Stefan Berk war dabei gar kein ganz neuer, aber ein neuerdings viel öfter genutzter – nämlich der nach Bielefeld. Dort, wo man Wittgensteiner ansonsten gern als „Schneewittchensteiner“ und ganzjährig mit der Frage nach Schnee begrüßte, rückte der kleinste Kirchenkreis mit ihm neu in den Blickpunkt.

Stefan Berk ging es immer um das große Ganze

Das seit Jahren bestehende Jugendaustausch-Programm „Young Ambassadors“ mit der Church of Christ in Indiana und Kentucky wurde deutlicher als das Aushängeschild der ev. Kirche von Westfalen beachtet, das es stets war. Stefan Berk brachte sich mit viel Energie auf landeskirchlicher Ebene ein und sprach dort von dem Kirchenkreis, in dem Pfarrer Dr. Ralf Kötter hinter den vermeintlichen sieben Bergen zusammen mit dem Diakonischen Werk vor Ort das alte Gemeindeschwester-Modell neu belebte und Pfarrerin Claudia Latzel-Binder das Salutogenese-Konzept anstieß, das hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeitenden in Gesundheitsfragen ganz auf der Höhe der Zeit Unterstützung garantierte. Und die Landeskirche nahm es wahr, wie man in unserem Kirchenkreis auf dem Land für das 21. Jahrhundert Kirche neu buchstabiert.
Dabei ging es Stefan Berk auch immer ums große Ganze: So wie er zu Beginn seiner Zeit in Wittgenstein die Erlassjahr-Idee, die eine Entschuldung der Entwicklungsländer wollte, ins Bewusstsein der Menschen gerückt hatte, besuchte er als Superintendent den Wittgensteiner Partnerkirchenkreis Ngerengere in Tansania und natürlich die United Church of Christ (UCC) in den USA, und hob schon vorher als Gemeindepfarrer die Arbeit der Regionalen-Agenda-21-Gruppen im Wittgensteiner Zweckverband mit aus der Taufe, die unter anderem bei Fairen Frühstücken nicht nur die typischen Produkte aus dem fairen Teil des Welthandels anboten, sondern gezielt hier vor Ort nach fairen und biologischen Produkten in Metzgereien und Bäckereien suchten.

Die Musik als wichtiger Begleiter

Schnell fällt den Erndtebrückern dann die Arbeit von Stefan Berk und seiner Ehefrau Uli im Klöneck ein, außerdem sein Engagement in der Fortsetzung der Kirchengemeinde-Partnerschaft mit Berlin-Müggelheim, das einst in der DDR lag. Bei alledem war die Musik Stefan Berk immer ein wichtiges Anliegen: Von anderen Leuten gemacht (wie beim Judy-Bailey-Konzert in der Erndtebrücker Kirche zum 100-jährigen Bestehen des Gebäudes) – aber bei wie vielen Erndtebrücker Abendgottesdiensten spielte der Pfarrer auch selbst Klavier, bei wie vielen ökumenischen Kreuzwegen hatte er unter freiem Himmel seine Gitarre zur Untermalung der einzelnen Stationen dabei?
Sein Einsatz für den Neustart des Freizeitzentrums Wemlighausen als Abenteuerdorf Wittgenstein mit einem modern überarbeiteten Konzept, als stellv. Vorsitzender der lokalen Aktionsgruppe Wittgenstein für das EU-Leader-Fördergelder-Projekt, für die Vereinigung der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein auf Augenhöhe, bevor der kleinere zu ausgezehrt ist, der Wittgensteiner Kirchenwald beim Dortmunder Kirchentag als eine Idee von Stefan Berk sind da nur ein paar wenige Schlaglichter.

Ein Abschied in Zeiten von Corona

Genau wie sein Engagement auf übergeordneten kirchlichen Ebenen: Er arbeitet im Netzwerk „Kirchen im ländlichen Raum“ der ev. Kirche in Deutschland und im landeskirchlichen UCC-Unterausschuss, im ständigen Ausschuss für Mission, Ökumene und Weltverantwortung der Landeskirche ist er seit 2016 Vorsitzender. Auch damit ist der Wittgensteiner Kirchenkreis in Bielefeld sichtbarer geworden.
Große Veranstaltungen wie die am Anfang erwähnten kann es in diesem Jahr nicht geben. Aber am Sonntag, 20. September, genau 22 Jahre und eine Woche nach seiner Einführung in Erndtebrück findet ab 10.30 Uhr der letzte Gottesdienst von Stefan Berk in der ev. Kirche Erndtebrück statt – mit all den derzeit gültigen Abstands- und Hygieneregelungen. Aufgrund der Corona-Einschränkungen gibt es beim offiziellen Entpflichtungs-Gottesdienst für den Superintendenten Stefan Berk tags drauf mit Präses Annette Kurschus sogar einen noch kleineren Rahmen mit einer sehr beschränkten Teilnehmerzahl.

Autor:

Redaktion Wittgenstein aus Bad Berleburg

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