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Neues Gesetz stützt Kampf für Wasserkraftanlage in Womelsdorf
Steuerungsanlage soll Bedenken nehmen

Achim Wickel und Bernd Föllmer sind stolz auf die neue Steuerungsanlage am Zulauf von der Eder in den oberen Mühlgraben. Diese Technik soll dafür sorgen, dass die Eder nicht trockenfahren kann.
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  • Achim Wickel und Bernd Föllmer sind stolz auf die neue Steuerungsanlage am Zulauf von der Eder in den oberen Mühlgraben. Diese Technik soll dafür sorgen, dass die Eder nicht trockenfahren kann.
  • Foto: Björn Weyand
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bw Womelsdorf. Wenn Achim Wickel und Bernd Föllmer das neue Landeswassergesetz lesen, dann haben sie ein breites Grinsen im Gesicht. Die beiden Betreiber der Wasserkraftanlage in der Womelsdorfer Mühle fühlen sich durch die Inhalte in ihrer Position massiv gestärkt, kämpfen die beiden doch seit neun Jahren selbst um ihr Projekt und dabei gegen die Windmühlen der Bürokratie an. Wenn das Land nun per Gesetz feststellt, dass Erhalt und Ausbau der Wasserkraft ein öffentliches Interesse seien, ist das Rückenwind für ihre Anlage.
Theoretisch genug...

bw Womelsdorf. Wenn Achim Wickel und Bernd Föllmer das neue Landeswassergesetz lesen, dann haben sie ein breites Grinsen im Gesicht. Die beiden Betreiber der Wasserkraftanlage in der Womelsdorfer Mühle fühlen sich durch die Inhalte in ihrer Position massiv gestärkt, kämpfen die beiden doch seit neun Jahren selbst um ihr Projekt und dabei gegen die Windmühlen der Bürokratie an. Wenn das Land nun per Gesetz feststellt, dass Erhalt und Ausbau der Wasserkraft ein öffentliches Interesse seien, ist das Rückenwind für ihre Anlage.

Theoretisch genug Strom für alle Haushalte

„Wir sehen uns seit Jahren den Widersprüchen der Genehmigungsbehörde ausgesetzt und sind deshalb heilfroh, dass der Gesetzgeber den großen Wert der Wasserkraft erkannt hat“, berichtet Achim Wickel und merkt an: „Das war auch unabdingbar notwendig. Die Wasserkraft ist lang genug stiefmütterlich behandelt und reihenweise in den Ruin getrieben worden.“ Denn nicht jeder hat die Ausdauer, wie sie Wickel und Föllmer bewiesen haben: Seit 2012 arbeiten sie an der Umsetzung der Wasserkraftanlage, die allerdings seit ihrer Installation noch kein Jahr vollständig gelaufen ist, wie Bernd Föllmer anmerkt. Dabei könnte die 34-kW-Anlage sicherlich mehr als 150.000 Kilowattstunden Strom im Jahr liefern, der nach wie vor nicht ausgestandene Verwaltungsprozess, der vor dem Verwaltungsgericht gelandet ist, hat jedoch dafür gesorgt, dass die Wasserkraftanlage ihr volles Potenzial noch gar nicht ausschöpfen konnte. Rechnerisch, sagt Bernd Föllmer, kann die Anlage alle Haushalte in Womelsdorf vollständig mit Strom versorgen. Noch immer ist der Prozess nicht abgeschlossen, nach wie vor gibt es keine Rechtssicherheit für das kleine Kraftwerk.

Steuerungsanlage reguliert Zulauf automatisch

Sensoren in der Eder und im Mühlgraben steuern die Anlage und damit den Zulauf in das kleine Wasserkraftwerk.
  • Sensoren in der Eder und im Mühlgraben steuern die Anlage und damit den Zulauf in das kleine Wasserkraftwerk.
  • Foto: Björn Weyand
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Nun könnte jedoch eine aktuelle technische Neuerung dazu beitragen, dass diese Anlage vollständig grünes Licht vom Kreis als Genehmigungsbehörde bekommt und der Wasserzulauf aus der Eder in den oberen Mühlgraben keinen Anlass mehr gibt für Auseinandersetzungen. Mit Fördergeldern aus dem Leader-Programm und dank fachlicher Expertise von Wissenschaftlern und Ingenieuren der Universität Siegen ist eine Steuerungsanlage entstanden, mit der der Zulauf automatisch reguliert wird, um gleichzeitig ein Trockenlaufen der Eder zu verhindern. Genau das war immer wieder Gegenstand im Rechtsstreit, der Zufluss in den Mühlgraben wurde beschränkt. Achim Wickel bringt das Ganze so auf den Punkt: „Wir sind in unserem Wasserrecht kolossal eingeschränkt.“

„Pilotprojekt“ für Nordrhein-Westfalen

Die nun neu installierte Anlage sei eine Technik, die es in Nordrhein-Westfalen so zum ersten Mal gebe, erläutert der Feudinger und spricht deshalb ganz bewusst von einem Pilotprojekt. Die Steuerungsanlage hat das Ziel, eine Mindestwassermenge im Flussbett der Eder zu belassen. Führt sie viel Wasser, fährt die Schleuse ganz automatisch hoch, damit mehr Wasser in den Mühlgraben fließt. Führt die Eder dagegen wenig Wasser, senkt sich das „Tor“ ebenfalls automatisch. Das System wird gesteuert durch die Sensoren in der Eder und im Mühlgraben. Die Daten bekommen Bernd Föllmer und Achim Wickel auf ihre Smartphones geschickt und haben damit immer im Blick, ob genug Wasser in der Eder verbleibt. Wobei ein Problem bleibt: Noch hat der Gesetzgeber die Mindestwassermenge nicht definiert, „das ist eine Grauzone“, betont Bernd Föllmer. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben jedoch zur Programmierung der Steuerungsanlage geführt. „Damit können wir einen Mindestpegel in der Eder gewährleisten“, erklärt der Womelsdorfer Bernd Föllmer. „Das Ausschlaggebende ist: Die Eder kann jetzt nicht mehr trockenfahren.“ Klar sei jedoch auch, dass Erfahrungswerte notwendig sind, „im Moment geben wir noch mehr Wasser ab, als mir müssten“, so Föllmer.

Mit Wasserkraft: Die alte Mühle neu gedacht

Im Jahr 2016 wurde die Kaplan-Turbine in der alten Mühle installiert.

bw Womelsdorf/Düsseldorf. Seit neun Jahren läuft der Verwaltungsprozess rund um die Wasserkraftanlage in der Womelsdorfer Mühle, ein so langes Verfahren soll es nach dem neuen Landeswassergesetz in Zukunft nicht mehr geben. Das neue Landeswassergesetz in NRW betont nicht nur das öffentliche Interesse am Ausbau der Wasserkraft. Es vereinfacht und beschleunigt zudem die Verwaltungsverfahren. So muss die zuständige Behörde zukünftig innerhalb bestimmter Fristen über die Genehmigung einer Wasserkraftanlage entscheiden. Die NRW-Wasserkraftverbände begrüßen die Beschlüsse der Landesregierung und fordern jetzt von den Genehmigungsbehörden eine Aufwertung der Wasserkraft im wasserrechtlichen Vollzug: Die Wasserkraft werde als wichtiger Baustein der notwendigen und dringlichen Energiewende gestärkt.
Die neuen Regelungen beinhalten auch, dass die Genehmigungsverfahren binnen bestimmter Fristen durchgeführt werden müssen. Für kleine Anlagen muss die Behörde innerhalb von einem Jahr, bei größeren Anlagen innerhalb von zwei Jahren entscheiden. Dass in Nordrhein-Westfalen rund 13 000 Querbauwerke und Staustufen in Gewässern stehen, aber nur knapp 450 Wasserkraftanlagen betrieben werden, ist für Achim Wickel ein Beweis, wie viel Potenzial in der Wasserkraft steckt, das bislang noch gar nicht genutzt werde. Mit der 34-kW-Anlage in der alten Womelsdorfer Mühle betreibt die Hydro-Strom Wittgenstein GmbH ein kleines Kraftwerk.

Wasserentnahme 700 Meter flussaufwärts

Damit erhält das Gebäude seine historische Bedeutung durch modernste Technik zurück. Eine Mühle stand hier bereits seit dem Jahr 1696. Bei einem großen Brand im Jahre 1931 wurden die drei alten Mühlräder zerstört, anschließend lief der Betrieb mit einer Francis-Turbine weiter, sogar bis in die 1990er-Jahre. Im Jahre 2016 ließen Achim Wickel und Bernd Föllmer die neue Kaplan-Turbine einbauen. Das Wasser für den Betrieb dieser Turbine wird der Eder etwa 700 Meter flussaufwärts entnommen. Genau dort ist die neue Steuerungsanlage installiert, um die Mindestwassermenge in der Eder zu gewährleisten. Nachdem das Wasser durch die Mühle gelaufen ist und dort die Turbine angetrieben hat, fließt es durch den Mühlgraben zurück in die Eder.
Das Laufrad der neuen Kaplan-Turbine gleicht einem Schiffspropeller mit verstellbarem Flügel. Das Leitwerk lenkt das einströmende Wasser so, dass es in einem optimalen Winkel auf die Schaufeln des Laufrads trifft. Dadurch kann auf Schwankungen in der Wasserzufuhr bestens reagiert werden. Gemeinsam wandeln Turbine und Generator bis zu 90 Prozent der nutzbaren Wasserkraft in Strom um.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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