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Volkstrauertag-Gedenken in Erndtebrück
Stiller Appell für den Frieden

Mit genügend Abstand und mit dem Schutz einer Maske gedachten einige Vertreter der Gemeindeverwaltung, der Kirche, von Vereinen und Institutionen in Erndtebrück den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft.
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  • Mit genügend Abstand und mit dem Schutz einer Maske gedachten einige Vertreter der Gemeindeverwaltung, der Kirche, von Vereinen und Institutionen in Erndtebrück den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft.
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  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

tika Erndtebrück.  In sich gekehrt und langsamen Schrittes lief am Sonntag ein Mann über den Friedhof „Ederfeld“ in Erndtebrück. Hie und da blieb er an einem Grab stehen, hielt inne und ging langsamen Schrittes weiter, um an einer anderen, aber keinesfalls zufällig ausgewählten Ruhestätte zu gedenken. Vor manchen Gräbern lagen kleine Kränze, niedergelegt von Angehörigen oder Freunden. Direkt daneben, an der Kriegsgräberstätte, waren zwei große Kränze aufgebahrt. Es waren Zeichen des Gedenkens und gegen das Vergessen. Ebenso wie der Besuch des Mannes auf dem Friedhof – ein Sinnbild für diesen Tag, für den Volkstrauertag.

tika Erndtebrück.  In sich gekehrt und langsamen Schrittes lief am Sonntag ein Mann über den Friedhof „Ederfeld“ in Erndtebrück. Hie und da blieb er an einem Grab stehen, hielt inne und ging langsamen Schrittes weiter, um an einer anderen, aber keinesfalls zufällig ausgewählten Ruhestätte zu gedenken. Vor manchen Gräbern lagen kleine Kränze, niedergelegt von Angehörigen oder Freunden. Direkt daneben, an der Kriegsgräberstätte, waren zwei große Kränze aufgebahrt. Es waren Zeichen des Gedenkens und gegen das Vergessen. Ebenso wie der Besuch des Mannes auf dem Friedhof – ein Sinnbild für diesen Tag, für den Volkstrauertag.
In einem gänzlich kleineren Rahmen als üblich ging am Sonntag in Erndtebrück die Gedenkveranstaltung über die Bühne – ohne Gottesdienst, mit stillen Kranzniederlegungen am Ehrenmal in der Ortsmitte sowie an der Kriegsgräbergedenkstätte auf dem Friedhof. Nur einige wenige Vertreter der Gemeinde Erndtebrück, der Bundeswehr, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Vereine waren vor Ort – stets mit Maske und ausreichend Abstand. Vor dem Ehrenmal hatten die Gemeinde Erndtebrück, die Reservistenkameradschaft Wittgenstein, die Kyffhäuser Kameradschaft, die Freiwillige Feuerwehr Erndtebrück und der Heimatverein Erndtebrück – stellvertretend für alle Vereine – jeweils einen Kranz niedergelegt. Die beiden weiteren Kränze an der Kriegsgräberstätte stammten von der Gemeinde sowie der Reservistenkameradschaft, die für die Stätte eine Patenschaft übernommen hat.

 Volkstrauertag ist "kein Heldengedenken“

„Der Volkstrauertag ist ein weltliches Gedenken, aber ein urbiblisches Erinnern – es geht darum, das Gedenken weiterzugeben“, erklärte Kerstin Grünert. Die evangelische Gemeindepfarrerin von Erndtebrück hatte den stillen Kranzniederlegungen bewusst beigewohnt. „Diesen Tag gibt es, damit wir von damals lernen, dass so etwas heute oder morgen nicht mehr passieren darf. Der Volkstrauertag ist ein Friedensappell, kein Heldengedenken“, rief die Pfarrerin den Sinn dieser Aktion ins Gedächtnis. Der Volkstrauertag soll an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft erinnern – gerade deshalb fand die Kranzniederlegung trotz Pandemie und „Wellenbrecher-Lockdown“ im Rahmen des Möglichen statt. „Es geht auch darum, der jüngeren Generation zu zeigen, dass es wichtig ist, den Frieden in der heutigen Zeit zu bewahren. Für mich, für meine Generation ist es unvorstellbar, dass es in Europa Krieg gibt – und dazu muss jeder seinen Teil beitragen“, konstatierte Henning Gronau. Der Bürgermeister der Gemeinde Erndtebrück bedauerte einerseits, dass das Gedenken nicht in größerem Rahmen möglich war, andererseits sei es aus seiner Sicht „das falsche Signal“, das Gedenken gar nicht stattfinden zu lassen. Zumal die Thematik als solche überaus aktuell ist. „Gerade wenn man am Abend zuvor in den Nachrichten von sogenannten Querdenkern hört, ist dieses Gedenken besonders wichtig. Denn die ,Querdenker’-Demonstrationen zeigen, was Gewalt und Brutalität auslösen können – das gilt es zu verhindern“, forderte Kerstin Grünert mit Nachdruck.

Bürgermeister kritisiert Leipzig-Demo scharf

Dem schloss sich Henning Gronau an: „Es ist in keinster Weise nachvollziehbar, dass Menschen in Leipzig ohne Maske herumlaufen und demonstrieren, wenn gleichzeitig Menschen auf Intensivstationen ums Überleben kämpfen“, kritisierte der Bürgermeister mit Blick auf die Eskalation in Leipzig eine Woche zuvor, wo das „Querdenken“-Bündnis – ein Konglomerat unter anderem von Corona-Leugnern und Maskenverweigerern, Esoterikern sowie Nazis – eine Großkundgebung veranstaltet hatte, die vollends im Chaos geendet war.
Eine Aktion, die in Zeiten wie diesen ebenso weltfremd wie unsolidarisch wirkt – und in strengem Kontrast zum Gedenken am Volkstrauertag steht, zugleich aber die Notwendigkeit desselben unterstrich. Der Mann auf dem Friedhof sprach darüber nicht, er hielt während der Kranzniederlegung ein weiteres Mal inne. „Persönliche Schicksale gibt es auch nach so vielen Jahren noch heute in Erndtebrück. Da sind Menschen, so wie dieser“, sagte Henning Gronau und blickte hinüber zu dem Mann, „die am Volkstrauertag ganz persönlich zurückdenken – an ein trauriges Ereignis.“

Mit genügend Abstand und mit dem Schutz einer Maske gedachten einige Vertreter der Gemeindeverwaltung, der Kirche, von Vereinen und Institutionen in Erndtebrück den Opfern von Kriegen und Gewaltherrschaft.
Am Ehrenmal fanden insgesamt fünf Kränze einen entsprechenden Platz.
Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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