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Jahresinterview mit Bürgermeister Henning Gronau
Über Corona, Steuern, KAG und die Grundschule

Henning Gronau erteilt den Spekulationen über einen Abgang nach Berlin oder nach Düsseldorf eine klare Absage.
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  • Henning Gronau erteilt den Spekulationen über einen Abgang nach Berlin oder nach Düsseldorf eine klare Absage.
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bw Erndtebrück. Zwischen den Jahren ist es Zeit, auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und einen ersten kleinen Ausblick zu wagen auf die Dinge, die im kommenden Jahr wichtig werden. Die Siegener Zeitung befragt dazu immer in der Woche vor dem Jahreswechsel die Wittgensteiner Bürgermeister. Im dritten Teil steht heute der Erndtebrücker Rathaus-Chef Henning Gronau Rede und Antwort.
Das Jahr 2020 war geprägt durch die Corona-Pandemie. Wie fällt Ihr persönliches (Zwischen-)Fazit als Gemeindeoberhaupt aus? Wie gut kommt Erndtebrück durch diese Krise?
Zusammenhalt wird bei uns groß geschrieben. Dieses Jahr hat das noch einmal in besonderem Maße bestätigt. Wie stark sich die Menschen hier bisher unterstützt haben, war schon außergewöhnlich.

bw Erndtebrück. Zwischen den Jahren ist es Zeit, auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und einen ersten kleinen Ausblick zu wagen auf die Dinge, die im kommenden Jahr wichtig werden. Die Siegener Zeitung befragt dazu immer in der Woche vor dem Jahreswechsel die Wittgensteiner Bürgermeister. Im dritten Teil steht heute der Erndtebrücker Rathaus-Chef Henning Gronau Rede und Antwort.
Das Jahr 2020 war geprägt durch die Corona-Pandemie. Wie fällt Ihr persönliches (Zwischen-)Fazit als Gemeindeoberhaupt aus? Wie gut kommt Erndtebrück durch diese Krise?
Zusammenhalt wird bei uns groß geschrieben. Dieses Jahr hat das noch einmal in besonderem Maße bestätigt. Wie stark sich die Menschen hier bisher unterstützt haben, war schon außergewöhnlich. Der Rückblick auf das Jahr fällt deshalb mit zwei wesentlichen Gefühlen aus. Einerseits mit sorgenvollem Blick auf die Corona-Pandemie, die uns noch weiter begleitet. Andererseits mit großem Stolz auf die Erndtebrückerinnen und Erndtebrücker, die so hervorragend mit der Situation umgehen. Übrigens ist hier auch ein großes Lob an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu richten, die diese besondere Herausforderung klasse lösen.

Herausforderung Altschulden

Corona wirkt sich auch auf die ohnehin unterfinanzierten Haushalte der Kommunen aus. Wir haben dieser Tage berichtet, dass Erndtebrück im letzten Jahrzehnt ein Minus von fast 20 Millionen Euro zu beklagen hatte. Wie kann die Überschuldung eigentlich noch verhindert werden? Ist allein aus eigener Kraft ein ausgeglichener Haushalt überhaupt zu erreichen?
Letztlich beobachten wir in vielen Kommunen ein ganz ähnliches Bild. Es ist daher wichtig, dass die seit vielen Jahren strukturell unterfinanzierten Kommunen besser ausgestattet werden. Ein Weg dahin wäre eine kommunale Altschuldenregelung des Landes. Diese ist seit langer Zeit auf Landesebene in der Diskussion – allerdings erfolgt bisher keine Umsetzung. Dabei sind viele Ampeln auf Grün. Der Bund bietet seine Unterstützung an, und die Zinsen sind historisch niedrig. Schade, dass das Land nicht reagiert. Übrigens ist die Schuldensituation der Gemeinde seit langer Zeit nahezu unverändert. Die Gesamtverschuldung lag Ende 2006 bei 23,8 Millionen Euro und Ende 2019 bei 21,7 Millionen Euro. Das verdeutlicht noch einmal, dass im Wesentlichen die Herausforderung der Altschulden und der Finanzierungsstruktur gelöst werden muss.
Sind 2021 Steuererhöhungen in Erndtebrück notwendig?
Wir werden Anfang des kommenden Jahres mit den Fraktionen Gespräche über die Haushaltssituation führen und dann schauen, wie sich das Zahlenwerk darstellt. Davon ist auch immer abhängig, ob wir reagieren müssen oder nicht.

Haus der Vereine

Im Gemeinderat besteht grundsätzlich Einigkeit für einen Umzug der Grund- in die ehemalige Hauptschule. Was sind jetzt die nächsten Schritte? Wann könnte die Grundschule am neuen Standort ihre Arbeit aufnehmen?
Der nächste Schritt ist, dass die Gemeinde als Schulträger den Umzug formell beschließen muss. Für den Ratsbeschluss ist unter anderem eine anlassbezogene Schulentwicklungsplanung erforderlich. Ein Fachbüro ist mit dieser Planung beauftragt. Sobald deren Ergebnis diskussionsfähig ist, bereitet der Schulausschuss unter Einbeziehung weiterer Eckdaten den Ratsbeschluss vor. Nach dem Ratsbeschluss wird dann die Genehmigung für den Umzug bei der Bezirksregierung Arnsberg beantragt. Die weiteren Schritte bis zum tatsächlichen Umzug werden dann ebenfalls transparent mit Schule, Politik und Verwaltung abgestimmt. Thomas Müsse und sein Team bearbeiten dieses zukunftsweisende Thema für Erndtebrück nach einem klaren Plan.
Und was passiert mit der alten Grundschule? Die Rede ist zwar von einem „Haus der Vereine“ – aber welche Vereine sollen dort einziehen? Der TuS hat keinen Bedarf, der Heimatverein hat sein Museum im alten Rathaus. Droht dort nicht der nächste Leerstand, wenn ein Verkauf von allen Seiten ausgeschlossen wird?
Aus meiner Sicht besteht hier durchaus Bedarf von einigen Vereinen – dies ist allerdings auch nur eine der denkbaren Ideen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass hier ein aktiver und offener Beteiligungsprozess über die zukünftige Nutzung entstehen sollte. Es gibt bestimmt viele gute Ideen, und die sollten wir sammeln. Ich setze mich daher auch hier für eine Beteiligung der Bürger ein. Es wird uns ganz sicher gelingen, eine gute Zukunftsperspektive aufzubauen – das Gebäude liegt uns allen sehr am Herzen.

KAG und Bauplätze

Stichwort KAG: Wie lange kann es die Gemeinde Erndtebrück durchhalten, keine Straßen nach KAG auszubauen? Der Sanierungsstau wächst von Jahr zu Jahr.
Das ist richtig. Menschen wegen eines Straßenbaus in existenzielle Schwierigkeiten zu bringen, ist allerdings keine Option. Dies fasst die Herausforderung auch bereits gut zusammen. Das veränderte Landesgesetz funktioniert leider nicht. Ich bin daher gespannt auf die ersten Auswertungen des Landes, wie viele Fördermittel tatsächlich abgerufen und wie viele Anträge gestellt wurden. Dann müsste das Land nachsteuern, wenn es an einer Lösung interessiert ist.
In Schameder wird im kommenden Jahr ein neues kleines Baugebiet erschlossen. Bedarf gibt es offenbar aber auch in Birkelbach und im Kernort. Wann entstehen dort weitere Bauplätze?
Es ist sehr schön anzusehen, wie sich unser letztes Baugebiet in der Roger-Drapie-Straße entwickelt hat. Daher ist es auch weiterhin unser Ziel, jungen Menschen die Möglichkeit zu schaffen, dass sie in ihrer Heimat bleiben und ein eigenes Haus bauen können. Im Kernort sind die Überlegungen schon recht weit. In Birkelbach führen wir viele Gespräche mit Grundstückseigentümern. Einige haben bereits signalisiert, dass sie ihre Flächen verkaufen würden. Der Zeitpunkt steht natürlich mit vielen Faktoren in Zusammenhang. Insgesamt sehe ich uns auf einem guten Weg, auch zukünftig jungen Familien hier eine attraktive Zukunftsaussicht zu bieten. 

Bürgermeister bleiben

Sie haben mit fast 80 Prozent die Wahl im September gewonnen – schon werden Sie für höhere Posten ins Gespräch gebracht (so etwa als Bundestagskandidat), denn in der SPD sind Politiker, die Wahlen gewinnen, momentan eher rar. Mal Hand aufs Herz: Können Sie den Erndtebrücker Bürgern versprechen, dass Sie definitiv bis 2025 ihr Bürgermeister bleiben?
Ja, das kann ich versprechen. Das Wahlergebnis ist ein sehr vertrauensvoller Auftrag der Bürger für die kommenden Jahre. Übrigens ist jedes Wahlergebnis ein Teamerfolg, weshalb ich mich nur immer wieder bei allen Unterstützern und Mitstreitern bedanken kann. Ich habe große Freude an meiner Aufgabe in Erndtebrück und noch viele Ideen, die ich umsetzen möchte. Zudem ist die Familie für mich ein sehr wichtiger Faktor. Wir haben tiefe Wurzeln geschlagen und fühlen uns wohl.
Und 2025 treten Sie wieder zur Bürgermeisterwahl in Erndtebrück an?
Ja, mir fallen nur Gründe ein, die dafür sprechen. Um Bürgermeister zu bleiben ist man natürlich immer davon abhängig, dass auch die Bürger sich das wünschen. Dafür werde ich den kommenden fünf Jahren wieder alles tun.

Autor:

Björn Weyand (Redakteur) aus Bad Laasphe

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