Und plötzlich war der Müllberg da

Unbekannter legte am Wochenende Schutt und anderen Unrat auf einer Wiese in Balde ab

vg Balde. Am Sonntagmorgen traute ein Bürger aus Balde seinen Augen nicht, als er in seinem Heimatort spazieren ging. Überall auf der Wiese nahe des Ortsausgangs tanzten hier und da einige Styroporteilchen im Wind. Als der Wanderer die Anhöhe hinaufkam, fand er schließlich die Wurzel des Übels: ein großer Müllberg lag dort im Gras. Schrankteile, Bauschutt, Glasplatten, ein Betttuch, eine Handvoll Fußmatten aus dem Auto und eben das weiße Styropor – alles war hier zusammen einfach so ausgekippt worden. Der Wind hatte mittlerweile dafür gesorgt, dass sich besonders leichte Teile des unansehnlichen Haufens selbstständig gemacht hatten. Sofort wurde die Polizei verständigt. Die richtete sich schließlich an den Pächter der Wiese, und der reagierte genau so wie der Wanderer: zunächst erstaunt und dann erbost.

»Ich habe sofort Anzeige gegen Unbekannt erstattet«, betont Albert Aryceus. Wie der unliebsame Müllberg schließlich dorthin kam, wo er jetzt liegt, bleibt ihm ein Rätsel: »Ich weiß, dass der Müll am Samstagabend noch nicht da war«, schildert er, »eine Frau aus der Nachbarschaft war abends noch um zehn im Kartoffelfeld, das ganz in der Nähe liegt. Sie hat nichts bemerkt.« Die Ordnungswidrigkeit muss sich demnach in tiefer Nacht ereignet haben. »Als man mich verständigt hat, habe ich mich sofort an unseren Ortsvorsteher gewandt«, so Albert Aryceus. Doch auch Walter Höse weiß sich keinen Rat. »Wie soll man jemandem eine solche Tat nachweisen?«, bedauert er. »Feststeht jedoch eines: Der, der hier den Müll abgeliefert hat, muss wohl mit einem Hänger hier hoch gefahren sein.« Die Autospuren hat er jedenfalls sichtbar im tiefen Gras direkt neben dem Müllhaufen zurück gelassen. Bereits in der Vergangenheit sei es durchaus schon mal vorgekommen, dass jemand Müll in den Wäldern um Balde herum abgestellt habe, so der Ortsvorsteher. »Dass aber einer seinen Müll so offensichtlich ablegt, an einer Stelle, wo man ihn so leicht sieht – das ist neu. Dabei ist es auch noch gefährlich, hier kaputte Glasplatten und Schutt einfach liegen zu lassen.«

Die Anzeige ist jedenfalls schon einmal erstattet. Doch jetzt stellt sich die Frage: Wie kommt der Müll wieder dahin, wo er eigentlich hingehört? Erhard Afflerbach, Leiter des Ordnungsamts Erndtebrück, verweist in diesem Zusammenhang auf den Paragraphen fünf des Landesabfallgesetztes. Dort heißt es: »Die kreisangehörigen Gemeinden haben als öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger die in ihrem Gebiet anfallenden und ihnen zu überlassenen Abfälle einzusammeln und zu den Abfallentsorgungsanlagen oder zu den Müllumschlagsstationen zu befördern.« Soweit wäre das Ganze kein Problem. Doch im Paragraph heißt es weiter: »Die Pflicht zur Einsammlung umfasst auch das Einsammeln der im Gemeindegebiet fortgeworfenen und verbotswidrig abgelagerten Abfälle, einschließlich der Auto-, Motorrad- und anderer Zweiradwracks von den der Allgemeinheit zugänglichen Grundstücken, wenn Maßnahmen gegen den Verursacher nicht möglich oder nicht vertretbar sind und kein anderer verpflichtet ist. Der Allgemeinheit zugänglich sind insbesondere solche Grundstücke, deren Betreten jedermann ungehindert möglich ist und bei denen der Grundstückseigentümer oder der Nutzungsberechtigte kraft besonderer gesetzlicher Vorschriften das Betreten des Grundstücks zu dulden hat.« Und diese Regelung macht nun die Frage nach der Müllbeseitigung ein wenig kompliziert.

»Die Gemeinde Erndtebrück geht davon aus, dass es sich bei der besagten Wiese um ein Grundstück handelt, dass eben nicht der Allgemeinheit zugänglich ist. Demnach müssten der Eigentümer oder der Pächter auch die Beseitigung des Abfalls vornehmen«, so Erhard Afflerbach. »Wir werden dies aber noch sehr genau prüfen.« Schließlich wolle man von Seiten der Gemeinde dem Betroffenen auch entgegen kommen. »Wenn es sich herausstellt, dass Pächter oder Eigentümer den Müll entsorgen müssen, werden wir ihnen den Bauhof der Gemeinde zur Verfügung stellen. Sollte die Gemeinde letztlich verantwortlich für die Entsorgung sein, so wird dies sehr zügig von statten gehen.«

»Diese Art der Müllentsorgung nimmt immer mehr zu«, kritisiert Uwe Weinhold, zuständig für die Einstellungsberatung und Öffentlichkeitsarbeit bei der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein. »In letzter Zeit sehe ich öfters neben den öffentlichen Tonnen einen Müllsack stehen, der dort einfach abgelegt wurde.« Es sei nicht immer leicht, jene eigenwilligen Müllentsorger dingfest zu machen. Für den Fall aber, dass man dem unbekannten Verursacher des Müllbergs in Balde auf die Schliche kommt, kann ein durchaus abschreckendes Bußgeld auf diesen zukommen. »Er kann damit rechnen, zwischen 300 und 400 e Bußgeld bezahlen zu müssen«, bringt es Hans-Peter Langer, Pressesprecher vom Kreis Siegen-Wittgenstein, auf den Punkt. Da ist die gewöhnliche Müllentsorgung doch durchaus billiger und auch weniger ärgerlich.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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