»Uns fehlen die Generationen«

Schülerinnen erfassen Altersstruktur von Balde / Ergebnis: Nur 16 Prozent sind jünger als 20

AKM Balde. Dass es junge Menschen weniger auf's Land, sondern eher in die Stadt zieht, ist allseits bekannt. Auch in Wittgenstein kann man diese Entwicklung mitverfolgen. Die kleinen Orte am Rande werden immer älter und immer weniger junge Leute und Familien entscheiden sich, in die abgelegenen Ortschaften zu ziehen. Ein besonders extremes Beispiel dafür ist das zur Gemeinde Erndtebrück zählende Dörfchen Balde. Auch hier weiß man, dass der eigentliche Ortsteil fest in der Hand der älteren Bevölkerung liegt, doch das genaue Zahlenverhältnis zwischen Jung und Alt lieferten jetzt die beiden Schülerinnen des Gymnasiums Schloss Wittgenstein, Melanie Wetter und Ann Kathrin Müsse, in Bad Laasphe.

Der aus einem Schülerwettbewerb entstandene Arbeitsauftrag kam aus dem Fachbereich der Geographie. Die Schülerinnen sollten eine sozio-geographische Analyse ihres Heimatortes vornehmen, das heißt, sie sollten unter anderem Alters-, Berufs- und Infrastuktur des Ortes erfassen und die Ergebnisse graphisch in Diagrammen und auch in schriftlicher Form in Texten festhalten. Um genaue Zahlen darüber zu erhalten, wurde ein spezieller Fragebogen angefertigt, der alle zu erledigenden Bereiche abdeckte. Man befragte die Bevölkerung zu ihren Lebensumständen, die Ergebnisse von allen Häusern wurden anschließend zusammengetragen. Schon vorher war klar, dass die Älteren gegenüber den Jüngeren in der Überzahl sind, doch dass fast über 40 Prozent älter sind als 60 Jahre, hatte man dann doch nicht erwartet. Dementsprechend hoch ist mit 35 Prozent auch die Zahl der Rentner gegenüber der Zahl der berufstätigen oder noch lernenden Bewohner. Bei der Analyse stach ebenfalls heraus, dass Balde so gut wie gar keine Kinder und Jugendlichen mehr verzeichnen kann. Die sind nämlich erst wieder im benachbarten Ortsteil Leimstruth zu finden. Nur etwa 16 Prozent der Einwohner befinden sich im Alter zwischen null und 20 Jahren.

Und auch Nachwuchs oder Zuwachs ist vorerst mal nicht in Sicht. Im Gegenteil: Von den 16 Prozent wird in den nächsten Jahren der eine oder andere bestimmt seinen Heimatort verlassen, um die große weite Welt zu erforschen. Um es anders auszudrücken: Balde wird immer älter. Eine Tatsache, die auch bei den Bewohnern großes Missfallen hervorruft. Mit der letzten Frage des Fragebogens wollte man persönliche Bedürfnisse oder Wünsche der Einwohner für den Ort erfahren.

Nicht selten war der Wunsch nach mehr jungen Leuten und jungen Familien zu hören. »Uns fehlen die Generationen, wenn wir davon mehr hätten, das wäre schön«, so ein Bürger. Eine andere Dorfbewohnerin erwähnte gegenüber den beiden Schülerinnen: »Balde stirbt langsam aber sicher aus.« Doch wie kann man diesem Problem Abhilfe verschaffen? Vorschläge zu Angeboten, mit welchen man wieder junge Leute in den Ort locken könnte, waren zum Beispiel preisgünstiges Bauland, noch bessere Freizeitangebote für Jugendliche in Bereichen wie Sport, Spiel und Miteinander und noch näheren Kontakt zu Erndtebrück, was sich allerdings aufgrund der Lage von Balde als nicht so einfach darstellen dürfte.

Gute Ansätze sind aber auf jeden Fall da. »Dass diese Projekte – sollte man sie in Angriff nehmen – nicht von heute auf morgen zu verwirklichen sind und dass die ganze Sache relativ viel Aufwand, Arbeit und Zeit erfordern wird, ist klar. Doch nach Ansicht Einiger würde es sich lohnen, die Strapazen auf sich zu nehmen, um den Ort für unsere jungen Mitmenschen wieder attraktiv zu gestalten«, so Melanie Wetter und Ann Kathrin Müsse.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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