Vom Gaffen zur Begegnung

25 Konfirmanden besuchten AWo-Werkstatt in Schameder, um Vorurteile abzubauen

sk Schameder. Wie verhält man sich gegenüber behinderten Mitmenschen? Kann man ganz normal mit ihnen umgehen, oder muss man auf etwas Bestimmtes achten? Wie gehen sie mit uns um? Diesen Fragen sind die 25 Konfirmanden und Konfirmandinnen des Pfarrbezirks Raumland jetzt auf den Grund gegangen. Unter der Leitung Dr. Dirk Spornhauers besuchten sie, in zwei Gruppen aufgeteilt, die Arbeiterwohlfahrt-Werkstätte in Schameder.

Dirk Spornhauer ist seit zwei Jahren in der Kirchengemeinde Raumland tätig und beschäftigt sich in seinem Konfirmandenunterricht unter anderem mit dem Thema »Diakonische Projekte in der Praxis«. In den vorherigen Jahren lag der Schwerpunkt des Unterrichts bei Alters- sowie Geistesbehindertenheimen oder der Obdachlosenarbeit. Praktische Erlebnisse auf ein Ereignis bezogen blieben den Kindern besser im Gedächtnis, so Spornhauer.

Dieses Jahr sollten Erfahrungen im Umgang mit Behinderten gemacht werden. Das Thema lag nahe, da unter den Konfirmanden auch ein querschnittgelähmter Schüler ist. Werkstattleiter Michael Bald war von der Idee, die halbe Gruppe jeweils in Zweier-Teams zu einer behinderten Arbeitsgruppe zu führen, begeistert. Jugendliche zwischen 13 und 14 Jahren sind in dem besten Alter, Vorurteile abzubauen. Für Bald war es wichtig, dass es keine Besichtigung der AWo im »trockenen« Sinne war. Er begrüßte diese Art von Besuchen und dieser Möglichkeit zur Integration. Die Kinder würden ihre Hemmschwelle leichter überwinden, wenn sie in einer Gruppe gemeinsame Ergebnisse erzielten. Diese Hemmungen erkannte der Pfarrer bei der ersten Begegnung der Schüler mit den Behinderten. Bei der Aufteilung der Gruppen drängten sich alle in die letzte Reihe, wohl mit dem Hintergedanken, dass sie behinderte Mitmenschen auf der Straße meist nur angaffen. Und jetzt mit ihnen Zusammenzuarbeiten? Ein komische Gefühl breitete sich aus im Bauch. Nach einer Stunde wurden die Gruppen getauscht und bei der erneuten Frage »wer zu wem?«, war die letzte Reihe weniger gut besucht: die Angst vor der Begegnung mit den Behinderten war verflossen. Und was kam unterm Strich dabei raus? Auf die Frage, wie es den Konfirmanden gefallen hatte, kam aus fast jedem Mund das typische Adjektiv »cool«. Die Kinder räumten auch ein, dass es für sie auch erstmal ein komisches Gefühl gewesen sei, da sie nicht wussten, wie sie sich jetzt genau verhalten sollten. Aber nach ein paar Minuten war die Angst, etwas falsch zu machen, weg. Das lag vor allem daran, dass die Behinderten direkt auf sie zugegangen waren. Für einige zeigte diese Praxis orientierte Form des Konfirmandenunterrichts, dass für sie ein zukünftiger Ferienjob oder berufsorientiertes Praktikum nicht ausgeschlossen sei. Aber diese positive Resonanz verzeichnete nicht nur die Seite der Konfirmandengruppe.

Auch den Behinderten hatte es sehr viel Spaß gemacht. Nach der ersten Gruppe fragten sie eine Woche später beim Besuch der zweiten Gruppe: »Sind die Mädchen vom letzten Mal wieder da? Die waren so nett.« Aufgrund des erfreulichen Feedbacks veranstaltet Michael Bald zusammen mit Pfarrer Dirk Spornhauer für die 25 Konfirmanden ein Grillfest, zu dem die Behinderten, die in der Kirchengemeinde wohnen, eingeladen werden. Dieser Anlass dient dazu, die Bekannten aus der Zusammenarbeit wiederzusehen, um gemeinsam den Abend Revue passieren zu lassen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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