Vom Urknall hin zu Sternenhaufen

Initiatoren des ersten Erndtebrücker Astronomie-Stammtisches sind weiter guter Dinge

db Erndtebrück. Mit wenig Resonanz hatten die beiden Initiatoren des ersten Astronomie-Stammtisches in Erndtebrück schon gerechnet, dass dann aber überhaupt niemand erschien, war für Udo Blöcher und Michael Röther dann doch überraschend und ein wenig enttäuschend zugleich. Mit dem Karnevalswochenende hätten sie sich aber auch den falschen Termin ausgesucht, so Harald Surauf, ein ebenfalls von den Sternen begeisterter Freund der Beiden. Man habe wohl auch zu wenig Werbung betrieben, gaben die Astronomen zu. Doch dies soll sich jetzt radikal ändern. So will das Duo die Sache nicht etwa auf sich beruhen lassen, sondern vielmehr in die Offensive gehen: »Es wird auf jeden Fall einen zweiten Versuch geben.« Dann werde man sich an Schulen wenden, da es sicherlich viele Astronomie begeisterte Schüler gebe. »Ich wäre auch bereit, in die Schulen zu gehen und einen Vortrag zu halten«, so Michael Röther. Auch Kindergärten dürfen mit dem Besuch der Astronomiefreunde rechnen.

Von den Zielen eines Stammtisches hatten Udo Blöcher und Michael Röther klare Vorstellungen: Auf jeden Fall soll Laien die Sternkunde näher gebracht werden. Sie haben sich auf ihre Fahne geschrieben, das »verschobene Bild eines einsamen Sternguckers, der nur bei Nacht aus dem Haus kommt« zu berichtigen. Sei dies doch absolut nicht der Fall, wie man nicht zuletzt an den Teleskoptreffen sehe. Auch bei einem Stammtisch würde neben dem Austausch von Wissen die Geselligkeit im Vordergrund stehen. Schließlich gehe es nicht darum, trockene wissenschaftliche Theorie zu pauken, sondern praktisch den Umgang mit den Sternen zu erlernen. Die monatlichen Treffen sollen langsam aufgebaut werden, später könne über eine Vereinsgründung nachgedacht werden. Die Initiatoren wollen interessante, aber weithin unbekannte Ereignisse publik machen. Wohl die Wenigsten wissen, dass im Moment der Venus am hellsten leuchtet, oder dass er dieses Jahr vor der Sonne herwandert. Dabei fängt Amateur- Astronomie schon bei einem nächtlichen Spaziergang und einem bewundernden Blick zum Firmament an. So sei die Wissenschaft ja auch erst entstanden. Denn schon die Chinesen betrieben 4000 vor Christus Astronomie und die Azteken waren in der Lage, bereits Tausende Jahre im Voraus zu sehen. Mit den einfachsten Mitteln sei es möglich, Sternenkunde zu betreiben.

Ein Fernglas – »das einfachste Teleskop überhaupt« – sei dafür geeignet, Doppelsternsysteme zu erkennen. Das wohl bekannteste und einfachste sei der Große Wagen, der aber eigentlich nur ein Ausschnitt eines viel größeren Bildes sei. »Viele Dinge lassen sich auch mit dem bloßem Auge beobachten«, so momentan zum Beispiel der Orion. Selbst in der Bibel sei schon von den Sternen die Rede gewesen, daher lasse sich die Kirche durchaus, wenn auch nur teilweise, mit der Sternkunde vereinbaren. Und das trotz Streitthemen wie der Entstehung des Lebens, bei der der Urknall der Schöpfung durch Gott gegenüber steht. Der Stammtisch wolle aber nicht nur praktische Dinge wie das Orientieren am Himmel, den Umgang mit der Sternenkarte oder Lektüren am wortwörtlichen Tisch behandeln. »Wir haben auch über Ausflüge und Führungen nachgedacht«, so Michael Röther. Und schon war der Laptop ausgepackt und eine virtuelle Tour vom Urknall bis hin zu Sternenhaufen zog die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Besuch in der Siegener Warte stehe genauso auf dem möglichen Plan wie eine Exkursion zur Anlage in Bochum. »Wir wären auch bereit, uns am Planetenweg zu beteiligen«, erklärte Udo Blöcher beim Treffen in gemütlicher Atmosphäre im Erndtebrücker Gasthof »Westfälischer Hof«. Der Bad Laaspher Lehrpfad sei nämlich längst nicht mehr auf dem aktuellsten Stand, da sich unter anderem die Jupitermonde geändert hätten. Ein weiteres Thema, mit dem sich vor allem Udo Blöcher beschäftigt, ist der Selbstbau. Der durch seine Schulzeit »infizierte Fan« baut derzeit ein Teleskop selber. Astronomie sei kein Kosten intensives Hobby und biete vielmehr als stures in die Nacht starren.

Schließlich biete die Sonne mit ihren Flecken schon ein großartiges Schauspiel, allerdings dürfe man nie mit dem Fernglas in die Sonne schauen, da dies zu starken Verbrennungen führe. Aber Astronomie sei auch eng an das philosophieren angelegt. Die Weiten des Alls sind noch komplett unbekannt und Phänomene wie die Schwarzen Löcher geben der Wissenschaft immer noch Rätsel auf. Ein überraschenderweise ganz und gar nicht verpöntes Thema ist auch die Frage um außerirdisches Leben. Fest steht, dass die drei Sternenbegeisterten auf das Neue versuchen werden, Interessierte um sich zu scharen. Eines steht für Udo Blöcher ganz fest: »Sterne lügen nicht.« Wer nichts sagt, ist nun mal auch nicht in der Lage, Unwahrheiten zu verbreiten. Ein weiterer Sympathiepunkt für das nächtliche Firmament.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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