DRK-Blutspendedienst West in Birkelbach
Vom Werben um das kostbare Lebenselixier

Ein Stich für ein Menschenleben: Insgesamt 187 Menschen meldeten sich am Mittwoch in Birkelbach zur Blutspende. Angesichts der hohen Temperaturen war die Spendenbereitschaft hoch.
  • Ein Stich für ein Menschenleben: Insgesamt 187 Menschen meldeten sich am Mittwoch in Birkelbach zur Blutspende. Angesichts der hohen Temperaturen war die Spendenbereitschaft hoch.
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tika Birkelbach. Der Sauerstoffgehalt in der Luft ist zumindest gefühlt gering. Die Hitze bricht sich ihre Bahnen durch die Sport- und Kulturhalle in Birkelbach. Das Thermometer zeigt hochsommerliche 34,5 Grad Celsius Außentemperatur – dabei ist es schon nach 18 Uhr an diesem Mittwoch. In der Halle steht den Ärzten und Helfern des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) der Schweiß buchstäblich auf der Stirn, die Menschen auf auf den Liegen meiden ebenfalls möglichst jede überflüssige Bewegung – nicht nur, weil Nadeln in ihren Armen stecken.

Es ist heiß – keine Überraschung in den Sommermonaten. Dass allerdings dennoch 187 Menschen eine Blutspende unter diesen Bedingungen abgeben wollen, ist durchaus bemerkenswert. Die kostbare Körperflüssigkeit ist gerade dieser Tage wertvoller denn je, denn im Sommer ist der Bedarf an Konserven besonders hoch. „Natürlich fehlt gerade in der Ferienzeit das Blut, vor allem dann wenn es heiß ist, kann nicht jeder spenden“, erzählt Eleonore Gottschling. Die Teamleiterin des DRK-Blutspendedienstes West und ihr Team haben dennoch alle Hände voll zu tun, wenngleich die Hitze tatsächlich ihren Tribut fordert: Einige Spender erleiden an diesem Tag einen Kreislaufkollaps – ohne gravierende Folgen, denn die Ärzte vor Ort leisten sofort beste Arbeit. Insgesamt verbucht das DRK 23 Rückstellungen, muss also einige Spendewillige aus medizinischen Gründen an diesem Tag abweisen.

Aber: Trotz der Hitze zählen die Verantwortlichen auch 17 Erstspender. „Das ist ein sehr guter Wert“, freut sich Eleonore Gottschling, während sie das Treiben im „Hallen-Backofen“ beobachtet. Auch wenn eigentlich durchschnittlich 250 Spender in dieser Phase des Jahres ihr Blut abgeben wollen, unzufrieden ist die Teamleiterin keinesfalls. „Unter diesen Witterungsbedingungen ist die Resonanz absolut gut“, erzählt Eleonore Gottschling. Dennoch, zuviele Spender gibt es nicht. Im Gegenteil: Der DRK-Blutspendedienst West hat einen Versorgungsauftrag – und hinkt seiner Quote derzeit zwischen geschätzten sieben bis zehn Prozent hinterher. „Es gibt aber kaum ein Jahr, in dem wir die Quote wirklich erfüllen können. Eine Nulldeckung erreichen wir nur ganz selten“, erzählt Marcus Wiese vom DRK-Blutspendedienst West.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits locken Konkurrenten ohne Versorgungsauftrag mit einer Bezahlung für die Spender – oft zu Lasten der eigenen Mitarbeiter, die dann deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen, wie Marcus Wiese erzählt. Er muss es wissen, er zählt zum Betriebsrat des DRK-Blutspendedienstes West – und verdeutlicht, dass diese Praxis für seinen Arbeitgeber keine Option ist. Die Bezahlung sei fair, sagt er. „Das merkt man dann auch an den Mitarbeitern, die bei uns motiviert sind und dann eben entsprechend freundlich auf die Spender zugehen – das sorgt für eine gute Stimmung bei allen Beteiligten“, weiß Marcus Wiese.

Inzwischen allerdings hat der DRK-Blutspendedienst West die Konkurrenzsituation im Griff – ein beeinflussbarer Faktor. Anders als der Bedarf an Blutkonserven, der nur teilweise steuerbar ist. Die Krankenhäuser steuern mit einem bedarfsgerechten Management gegen. Will heißen: Nicht kurzfristig notwendige Operationen verschieben die Einrichtungen, um Konserven für Notfälle bereithalten zu können – etwa nach Unfällen im Straßenverkehr, deren Anzahl in den Sommermonaten steigt. Den größten zeitgebundenen Bedarf allerdings haben Krebspatienten. „Die meisten Blutkonserven benötigen wir für Chemotherapien – und die kann man nicht verschieben“, berichtet Marcus Wiese, kurz bevor er eine Pause einlegt. Gerade bei diesen Temperaturen sind Ruhephasen wichtig – für die Mitarbeiter des Blutspendedienstes, aber auch für die Spender, die über den Tag ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich genommen haben sollten, um einen etwaigen Kreislaufkollaps zu verhindern.

Dennoch, das heiße Sommerwetter freut den DRK-Blutspendedienst West nicht wirklich – und dies nicht einmal wegen der Temperaturen, unter denen die Teammitglieder ihre Arbeit verrichten müssen, sondern, weil es viele Menschen eben von einer Spende abhält. Während des gesamten Jahres rühren die Verantwortlichen aus Hagen daher die Werbetrommel, schreiben die Menschen in der Spenderkartei an und rufen sie zusätzlich persönlich an, um an den nächsten Termin zu erinnern und vielmehr noch dazu einzuladen – es ist ein Buhlen um jeden Tropfen Blut, ein großes Werben um das kostbare Lebenselixier. „Der Aufwand ist enorm, aber der Effekt ist positiv“, erzählt Marcus Wiese vielsagend und blickt in die Halle. Nicht alle Liegen sind belegt, doch die Resonanz stellt auch ihn zufrieden. Seine Pause ist beendet, die Arbeit ruft.

Eleonore Gottschling hat sich zu diesem Zeitpunkt längst verabschiedet und „zapft“ bereits die nächsten Spender an. In den letzten 90 Minuten an diesem Tag sind es noch einmal über 60 Menschen, die ihr Blut spenden wollen – den hohen Temperaturen zum Trotz. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit ist vorhanden, gerade im Altkreis Wittgenstein. Dies haben Eleonore Gottschling und Marcus Wiese zuvor noch unisono betont – wie zum Beweis also strömen noch einmal einige Menschen in die Sport- und Kulturhalle in Birkelbach.

Mitarbeiter und Spender versuchen zwar, jede unnötige Bewegung unter diesen Bedingungen zu vermeiden, der Aufwand ist aber dennoch groß. Der Schweiß steht auch den beiden Mitarbeitern schon wieder auf der Stirn. Daran stören sie sich aber nicht wirklich – ebenso wie die Spender wissen sie, dass sie mit dem nächsten Stich, mit der nächsten Spende möglicherweise wieder ein Leben retten können.

Autor:

Timo Karl (Redakteur) aus Erndtebrück

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