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Womelsdorf Familiengemeinschaft
Vorstand verkündet Auflösung

Das Schmitte Haus in Diedenshausen ist das Geburtshaus von Daniel Womelsdorf, der 1724 nach Pennsylvanien auswanderte. Sein Sohn John gründete später in den USA den Ort Womelsdorf.
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  • Das Schmitte Haus in Diedenshausen ist das Geburtshaus von Daniel Womelsdorf, der 1724 nach Pennsylvanien auswanderte. Sein Sohn John gründete später in den USA den Ort Womelsdorf.
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howe Womelsdorf. Als Daniel Womelsdorf 1724 auswanderte, da sah er in Amerika die einzige Möglichkeit, ein neues Leben in der „Neuen Welt“ zu beginnen. Gerade einmal 21 Jahre jung flüchtete Daniel Womelsdorf aus seiner Wittgensteiner Heimat. Im „Schmitte-Haus“ in Diedenshausen erblickte er das Licht der Welt. Und in ganz jungen Jahren dürfte er prägend mitbekommen haben, welches Leid seine Familie und alle anderen Bauern des Dorfes erleiden mussten. Es war die Zeit Ende der 1690er Jahre, als die Bauern unzufrieden mit den Anordnungen der Obrigkeit waren.
Bauern litten HungerAls wären die Abgaben, Frondienste, Steurzahlungen, Pfändungen von Dienst- und Deputatgeldern nicht genug, litten die Menschen auch unter den Folgen der napoleonischen Kriege.

howe Womelsdorf. Als Daniel Womelsdorf 1724 auswanderte, da sah er in Amerika die einzige Möglichkeit, ein neues Leben in der „Neuen Welt“ zu beginnen. Gerade einmal 21 Jahre jung flüchtete Daniel Womelsdorf aus seiner Wittgensteiner Heimat. Im „Schmitte-Haus“ in Diedenshausen erblickte er das Licht der Welt. Und in ganz jungen Jahren dürfte er prägend mitbekommen haben, welches Leid seine Familie und alle anderen Bauern des Dorfes erleiden mussten. Es war die Zeit Ende der 1690er Jahre, als die Bauern unzufrieden mit den Anordnungen der Obrigkeit waren.

Bauern litten Hunger

Als wären die Abgaben, Frondienste, Steurzahlungen, Pfändungen von Dienst- und Deputatgeldern nicht genug, litten die Menschen auch unter den Folgen der napoleonischen Kriege. 1696 war es, so beschreibt es der Weidenhäuser Heimathistoriker und Auswandererforscher Heinrich Imhof, als die Bauern der Vogtei vor dem Reichskammergericht in Wetzlar einen Prozess gegen den Wittgensteiner Grafen führten. Der regierte in den Folgejahren – Daniel erblickte 1703 das Licht der Welt – mit harter Hand, unnachgiebig und gnadenlos. Die Bauern mussten Hunger leiden, zu allem Übel kamen 1719 und 1720 Missernten und starke Unwetter hinzu. Und letztlich dürfte 1724 die Entscheidung des Wetzlarer Gerichts, dass fortan alle Bauern Leibeigene der Grafschaft Wittgenstein seien und Frondienste zu leisten hätten, das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Zahlreiche Wittgensteiner wanderten aus, die meisten nach Amerika, aber auch etliche nach Ostpreußen. Auch Daniel Womelsdorf packte seine sieben Sachen und zog nach Philadelphia. Dort bestach er durch sein unternehmerisches Geschick. Rasch baute er sich eine große Farm mit riesigen Ländereien auf. 1734 erwarb Daniel Womelsdorf im Amity Township, Berks County, 200 Acres „gutes, kultiviertes Land“. Das sind heute gut 81 Hektar, so groß wie 113 Fußballfelder.

2018 begrüßte der Hilchenbacher Horst Womelsdorf (r.) die Amerikaner Jacob, Paige (v. l.) und Jennifer (2. v. r.) in Diedenshausen. Mit im Bild: Klaus Homrighausen.
  • 2018 begrüßte der Hilchenbacher Horst Womelsdorf (r.) die Amerikaner Jacob, Paige (v. l.) und Jennifer (2. v. r.) in Diedenshausen. Mit im Bild: Klaus Homrighausen.
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Ein reger Austausch

In 1750 kaufte er weitere 254 Acres Grundbesitz im Wert von 500 Dollar für seinen Sohn John. Daniel war angesehener Landbesitzer, Bauer, Schmied und erfolgreicher Papiermüller. Er starb am 6. November 1759 und erlebte somit leider nicht mehr mit, was sein Sohn John ihm zu Ehren ein paar Jahre später tat. Da siedelte John in einen bisher unberührten Teil von Berks County und gründete 1762 die Ortschaft Middletown, die er später, im Jahre 1774 in „Womelsdorf“ umbenannte. Noch heute gibt es Womelsdorf in Pennsylvanien. Über viele Jahrzehnte tauschten sich Wittgensteiner Womelsdorfer und Amerikaner aus, besuchten sich gegenseitig. Hüben entstand die Womelsdorf Familiengemeinschaft (WWFG), die in 1986 von 13 Mitgliedern – außer Heidi Afflerbach aus Raumland allesamt mit dem Nachnamen Womelsdorf – gegründet wurde. Drüben war es die Womelsdorf Family Association, die 1985 die Heimat ihrer Vorfahren in Diedenshausen besuchte. Auf der „Alte-Heimat-Tour“ unter Leitung des WFA-Präsidenten und gebürtigen Hallenbergers Josef Womelsdorf aus Wethersfield/Connecticut entdeckten die Freunde aus Amerika das Schmitte-Haus, das schöne Diedenshausen – das Land ihrer Vorfahren. Freundschaften entstanden durch zahlreiche Begegnungen, durch regen Briefverkehr und lange Telefonate. Womelsdorfer aus Deutschland reisten in die USA, Amerikaner kamen nach Wittgenstein. Zuletzt, 2018, begrüßte Horst Womelsdorf aus Hilchenbach eine Familie aus Amerika in Diedenshausen. Begleitet wurde er vom Diedenshäuser Heimatforscher Klaus Homrighausen.

Vorstand verkündet Auflösung der Gemeinschaft

Und jetzt? „Die Wittgensteiner Womelsdorf Familiengemeinschaft hat sich aufgelöst“, teilte Vorstandsmitglied Klaus Homrighausen dieser Tage auf Anfrage der Siegener Zeitung mit. „Ein ganz normaler Prozess“, stellte er dennoch mit einem gewissen Unterton der Ernüchterung fest. Denn dass sich die Gemeinschaft nach einer Vorstandssitzung und einem entsprechenden Beschluss auflösen musste, das hat schlichtweg mit der demografischen Entwicklung zu tun. „Als in den 80er Jahren die Schwester-Organisation aus Amerika hier war auf ihrer Alte-Heinat-Tour, da waren die Gäste um die 50 Jahre alt.“ Mit der Zeit seien die Menschen, die jahrelang die Spuren ihrer Vorfahren verfolgt hätten, gestorben. „Die letzten Treffen bestanden leider nur noch aus sechs bis sieben Leuten.“
Was einst ein „lichterloh brennendes Feuer der Begeisterung“ gewesen sei, sei leider nur noch eine ganz kleine Flamme. Viele der alten, ehrwürdigen Damen und Herren seien verstorben. Alle zwei Jahre etwa habe man ein großes Treffen auf der Steinert in Diedenshausen veranstaltet. Da hätten immer über 100 Menschen teilgenommen. Zuletzt seien es „nur noch 30 Alte“ gewesen. Das Interesse der nachfolgenden Generationen für die Deutsch-Amerikanischen Womelsdorf-Beziehungen scheint sich heute in Grenzen zu halten.

Autor:

Holger Weber (Redakteur) aus Wittgenstein

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